Training des HFC Hallescher FC vor dem Erdgas Sportpark in Vorbereitung auf die Saison 2019/2020
Für den Traum von Liga 2 quälen sich die HFC-Profis auch bei extremen Witterungsbedingungen. Bildrechte: imago images / VIADATA

Ambitionierte Neuverpflichtungen Die Grenzgänger beim HFC

Der Hallesche FC setzt bei seinen Verstärkungen auf Spieler, die bisher an der Schwelle zur 2. Liga standen, den Sprung aber noch nicht komplett geschafft haben. Auch der Wohlfühlfaktor spielt eine wichtige Rolle.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Training des HFC Hallescher FC vor dem Erdgas Sportpark in Vorbereitung auf die Saison 2019/2020
Für den Traum von Liga 2 quälen sich die HFC-Profis auch bei extremen Witterungsbedingungen. Bildrechte: imago images / VIADATA

Wer sich am Mittwochvormittag vom Trainingsfortschritt der HFC-Spieler überzeugen wollte, musste kurzfristig umplanen. Statt – wie im Trainingsplan ausgewiesen – am Sandanger, absolvierten die Rot-Weißen die Vormittagseinheit nämlich am Stadion. Unter den Bäumen am Gesundbrunnen schwitzten sie bei einer Krafteinheit. Eine Reaktion auf die hohen Temperaturen, die derzeit vorherrschen.

Die Erkenntnisse bei dieser Einheit dürften sich für den Laien ohnehin in Grenzen gehalten haben. Viel interessanter ist der Blick auf den Kader, der in den vergangenen Tagen weiter Gestalt annahm. Mit Florian Hansch verpflichtete der HFC einen weiteren Angreifer, der sowohl im Sturmzentrum als auch auf den Außenbahnen zum Einsatz kommen kann. Ganz nebenbei passt Hansch auch ganz hervorragend in das Muster, welches die Verantwortlichen bei ihren Verpflichtungen zu suchen scheinen. Zumindest bei den erfahreneren Spielern.

Viele alte Bekannte

Denn auffällig ist: Die vier Spieler Florian Hansch, Dennis Mast, Jonas Nietfeld und Patrick Göbel kennen viele ihrer neuen Mitspieler und zum Teil auch den Trainer schon ausgesprochen gut. Göbel und Nietfeld haben unter Trainer Torsten Ziegner schon in Zwickau gearbeitet und dort unter anderem mit Sebastian Mai zusammengespielt.

Andere Spieler und deren Berater sehen natürlich auch, wie man sich hier entwickeln kann. Deshalb sind wir als Club mit Ambitionen interessanter als vor einem Jahr.

Ralf Heskamp

Mast und Göbel kommen zusammen aus Würzburg, wo sie 2017/18 mit Björn Jopek zusammengespielt haben. Hansch war in Chemnitz Teamkollege von Mast und Jopek. All das dürfte die Eingewöhnung der Neuen erheblich erleichtern.

Dennis Mast
Dennis Mast ist nach sieben Jahren zum HFC zurückgekehrt. Bildrechte: imago images / VIADATA

Zugänge haben zweite Liga im Blick

Noch entscheidender ist aber, dass alle vier auf der Schwelle zum Zweitligaspieler stehen, den Sprung bisher aber noch nicht vollständig geschafft haben. Mast versuchte es in Bielefeld in Karlsruhe, konnte sich aber beide Male nicht dauerhaft durchsetzen. Hansch wechselte vor einem Jahr nach Sandhausen, wurde im Winter aber nach Wiesbaden verliehen. Nietfeld brachte es im vergangenen Jahr nur auf knapp 200 Einsatzminuten bei Jahn Regensburg. Und Göbel wechselte 2017 zum Zweitligaabsteiger Würzburg – sicher nicht mit der Erwartung, sich im Mittelfeld der 3. Liga zu etablieren.

Nun wollen alle vier beim HFC einen neuen Anlauf Richtung 2. Bundesliga nehmen. Glaubt zumindest HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp: "Manche Spieler müssen vielleicht auch mal einen kleinen Schritt zurück machen, um dann wieder nach vorne zu kommen. Wir haben den Anspruch, Spieler zu Zweitligaprofis zu entwickeln."

Florian Hansch
Florian Hansch konnte sich in der 2. Bundesliga noch nicht durchsetzen. Bildrechte: imago images / VIADATA

Wichtiges Signal für neue Spieler

Dass der HFC das kann, hat er im vergangenen Jahr bewiesen. Mit Moritz Heyer, Marvin Ajani und Braydon Manu sind gleich drei Spieler zu Zweitligisten gewechselt. Für Manu kassierte der HFC sogar eine Ablöse. Für Ralf Heskamp ist das ein wichtiges Signal: "Andere Spieler und deren Berater sehen natürlich auch, wie man sich hier entwickeln kann. Deshalb sind wir als Club mit Ambitionen interessanter als vor einem Jahr. Die, die herkommen, sind davon überzeugt, dass wir sie besser machen", erklärt der Sportdirektor selbstbewusst.

Patrick Göbel
Patrick Göbel wollte unbedingt wieder mit Torsten Ziegner zusammenarbeiten. Bildrechte: imago images / VIADATA

Bei den Transfers setzten die Hallenser auch auf den Wohlfühlfaktor, berichtet Heskamp. So habe Patrick Göbel unbedingt wieder mit Torsten Ziegner zusammenarbeiten wollen. "Die Schwester von Florian Hansch wohnt in Halle. Das war sicher nicht ausschlaggebend, aber vielleicht ein kleiner Faktor, der uns geholfen hat. Und dass Dennis Mast den HFC und die Stadt gut kennt, war sicher auch kein Nachteil", weiß Ralf Heskamp. Der Sportdirektor betont ohnehin immer wieder, wie wichtig es für einen Spieler ist, sich in seinem Umfeld wohlzufühlen, um Topleistungen zu bringen.

Offensivspieler soll noch kommen

Mit bislang sieben Verpflichtungen – neben den Genannten sind es Jannes Vollert, Nick Galle und Antonius Papadopoulus – hat der Hallesche FC die Abgänge nicht nur kompensiert, sondern sich sogar verstärkt, ist Heskamp überzeugt. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT betont er: "Unser Ziel war es, den Konkurrenzkampf zu beleben. Das ist uns gelungen. Sowohl in der Breite des Kaders als auch in der Qualität Einzelner sind wir weiter als im Vorjahr."

Jonas Nietfeld
Jonas Nietfeld will mit dem HFC zurück in die 2. Liga. Bildrechte: imago images / Köhn

Und obwohl jede Position schon mindestens doppelt besetzt ist, sucht der Hallesche FC noch einen weiteren Offensivspieler. Doch aktuell sei der Markt sehr ruhig, erklärt Heskamp, der es deshalb für unwahrscheinlich hält, schon in Kürze einen weiteren Neuen zu präsentieren.

Verbessern heißt nicht automatisch aufsteigen

Ralf Heskamp und Torsten Ziegner
Ralf Heskamp (r.) und Torsten Ziegner suchen noch einen Offensivspieler. Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Bleibt noch die Frage nach dem Saisonziel: Nach Platz vier im Vorjahr und bei den genannten Verstärkungen müsste das eigentlich "Aufstieg" heißen. Doch Ralf Heskamp tritt auf die Bremse: "Wir wollen uns spielerisch verbessern und taktisch flexibler agieren. Doch selbst wenn uns das gelingt, bedeutet das nicht, dass wir automatisch besser abschneiden als 2018/19", beschwichtigt er. Da noch nicht klar ist, mit welchen Spielern die Konkurrenten in die Saison starten, sei eine seriöse Prognose ohnehin nicht möglich, erklärt Heskamp.

Dennoch ist klar: Der HFC hat in der vergangenen Saison den Aufstieg nur knapp verpasst. Auch viele Spieler – neben Hansch und Co. haben unter anderem auch Mathias Fetsch oder Björn Jopek schon höherklassig gespielt – stehen an der Grenze zur Zweitklassigkeit. Und gemeinsam werden sie hart dafür arbeiten, diese Schwelle am Saisonende zu überschreiten. Daran können auch die grenzwertigen Temperaturen dieser Tage nichts ändern.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 17:57 Uhr

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1 Kommentar

27.06.2019 12:34 revolvere 1

also dass mit hansch war ein guter zug.
es freut mich, den hansch bei uns im Stadion spielen zu sehen. der jung ist aus der Region.
alles gute, und ein guter start, mein jung.
auf geht's, hfc-chemie.

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