"Mehr als lückenhaft" Die Kritikpunkte der Familie am Ermittlungsverfahren im Fall Hannes

Ihr Sohn Hannes stürzte im Oktober 2016 nach einem Aufeinandertreffen mit HFC-Fans aus einem Zug und starb. Jetzt starten Silke und Horst Schindler eine Petition zur Wiederaufnahme der Ermittlungen.


Zeugenvernehmung, Zug-Gutachten, Beweismaterial

In der Petition, die MDR SACHSEN-ANHALT bereits vorab vorliegt, heißt es: "Die Ermittlungen waren nach dem heutigen Erkenntnisstand mehr als lückenhaft." Die Kritikpunkte aus der Petition im Wortlaut:

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg geht davon aus, dass Hannes Schindler die Zugtür selbst geöffnet hat, deren Möglichkeit eine Pressesprecherin der Bahn als unmöglich – ohne Signalgebung beim Zugführer – zuvor öffentlich im TV darstellte. Bezeichnend ist, bis zum heutigen Tag liegt das Gutachten zu diesem Sachverhalt dazu weder dem Anwalt der Familie, noch der Öffentlichkeit vor. Es wurde lediglich veröffentlicht, dass der Zug technisch in Ordnung war.

Zeugenvernehmung: Die Notärzte/Rettungssanitäter und das medizinische Personal der Notaufnahme wurden nicht über die Art der Verletzungen vernommen. In der Notaufnahme wurde deutlich von einer medizinischen Mitarbeiterin geäußert, dass die Verletzungen nicht denen eines Sturzes entsprächen. Die öffentliche Begründung lautet jedoch: "Tod durch Sturz aus dem Zug." Eine Nachstellung des Unfalles mit einem "Dummy" hätte Aufklärung über die Art der Verletzungen geben können – auch diese Möglichkeit der Beweisführung wurde nicht genutzt.

Die mögliche Identifizierung der als Täter infrage kommenden HFC-Fans wurde unzureichend durchgeführt. Medien und Polizeiberichte belegen, bereits im Vorfeld des Geschehens kam es auf der Strecke Wolfsburg-Gifhorn im Zug zu Gewalteinwirkungen durch besagte Fahrgäste. Die vorhandenen Bilder der gewaltbereiten Personen wurden den Zeugen allerdings nicht vorgelegt!

Bei den Eltern von Hannes Schindler meldete sich ein Zeuge aus Halle, was umgehend der Polizei gemeldet wurde. Laut Aussage der Polizei sei der Zeuge nicht zum vereinbarten Aussagetermin erschienen, eine telefonische Anfrage beim Arbeitgeber hätte nichts ergeben. Eine weitere Bemühung um die Zeugenaussage – per Vorladung z.B. – erfolgte nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Januar 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2019, 21:04 Uhr

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