Pleite gegen Rostock Die triste Gegenwart des FCM

Nach einer starken Anfangsphase bricht der 1. FC Magdeburg gegen Hansa Rostock ein und kassiert die zweite Saisonniederlage. Die Rückkehr von Jens Härtel und Nils Butzen wird so zur unliebsamen Reise in die Vergangenheit.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Trainer Stefan Krämer, 1. FC Magdeburg
FCM-Trainer Stefan Krämer musste auf sechs potenzielle Stammspieler verzichten. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Der alte Chef war wieder der Star. Wenige Sekunden, bevor das Heimspiel des 1. FC Magdeburg gegen den F.C. Hansa Rostock begann, versammelten sich gleich acht Fotografen auf engstem Raum vor Jens Härtel. Sie alle wollten den Gästetrainer ablichten. Stefan Krämer hatte indes Zeit, die Bälle aus seiner Coaching-Zone zu kicken. Denn für den FCM-Trainer interessierte sich in diesem Moment niemand.

Für den 1. FC Magdeburg und sein Umfeld war der Samstagnachmittag eine unliebsame Reise in die eigene Vergangenheit. Vieles hatte sich vor dem Ost-Duell auf die ganz großen Emotionen konzentriert: Auf die Rückkehr von Meistertrainer Jens Härtel, der den FCM von der Regionalliga bis in die zweite Bundesliga geführt hatte. Und auf die Rückkehr von Nils Butzen, dem Magdeburger Eigengewächs, das nach jahrelanger Treue in der vergangenen Spielzeit aussortiert worden war.

Nur am Ende ging es dann doch vor allem um das eigene Leid, um die 0:1-Niederlage und die triste Gegenwart des FCM.

1. FC Magdeburg gegen Hansa Rostock - das Tor 1 min
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Sa 19.10.2019 16:48Uhr 00:38 min

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Großartige Kulisse für Ost-Duell

"So geil ist das, so geil", freute sich Rostocks Mirnes Pepic beim Gang in die Kabine. "Dieser Sieg", sagte der Mittelfeldspieler, "ist anders." Und er hatte Recht, denn die Atmosphäre war besonders: 21.884 Zuschauer sorgten dafür, dass es beim Ost-Duell in Liga drei lauter war als Woche für Woche in zahlreichen Bundesliga-Stadien. Als "ordentlich" stufte Jens Härtel die Kulisse in seiner gewohnt sachlichen Art ein. "Dem ganzen Rahmen muss man ein großes Kompliment machen", sagte er dann noch.

Doch auch für den FCM war diese Niederlage anders. Nicht nur, weil das Prestige-Duell verloren ging oder die Ungeschlagen-Serie von zehn Spielen riss. Sondern vor allem, weil die Leistung der Mannschaft nach dem Gegentor in der 33. Minute zumindest phasenweise sehr fragwürdig war. Es fehlte an Körpersprache und es fehlte an Leidenschaft.

Maik Franz
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Es ist kein Spiel, für das wir uns schämen müssen. Wir müssen einfach nur kaltschnäuziger werden.

FCM-Sportchef Maik Franz

Bis zum Gegentreffer hatten sich die Gastgeber ja sogar überlegen präsentiert und genau diese Tugenden an den Tag gelegt: Hansa hatte es allein Torhüter Markus Kolke zu verdanken, dass Magdeburg nicht in Führung ging. Mehrfach erspielte sich das offensichtlich gut eingestellte Krämer-Team beste Möglichkeiten – und vergab diese immer wieder kläglich.

"Derbys sind besondere Spiele. Die zu verlieren, ist immer extrem ärgerlich", sagte FCM-Sportchef Maik Franz. "Wir müssen einfach ein Tor machen aus unseren Chancen. Die Jungs haben viel auf den Platz gebracht, deshalb ist es sehr ärgerlich. Aber es ist kein Spiel, für das wir uns schämen müssen. Wir müssen einfach nur kaltschnäuziger werden."

Jetzt nach Köln, dann daheim gegen Halle

Nur: Nach dem Gegentreffer funktionierte beim FCM bis zum Halbzeitpfiff gar nichts mehr. "Das hat uns bis zur Pause in den Klamotten gesteckt", sagte Trainer Stefan Krämer. Nach dem Seitenwechsel "hatten wir dann Glück, dass wir nicht das zweite Tor gefressen haben". Denn Magdeburg war zeitweise völlig überfordert. Rostock rannte an. Die FCM-Abwehr präsentierte sich unsortiert, in einigen Szenen völlig wild. Erst im Laufe der zweiten Halbzeit fing sich das Team wieder, ohne aber eine wirklich zwingende Ausgleichschance zu kreieren.

"Uns haben die Mittel und uns hat die Wucht gefehlt, auch durch die ganzen Verletzten", sagte Stefan Krämer, der auf sechs potenzielle Stammspieler verzichten musste. "Die Mannschaft, die führt, hat es in der dritten Liga immer einfacher. Auf eine gut stehende Abwehr draufzuspielen, ist momentan nicht unser Kerngeschäft." Sein Fazit: "Fußball ist Ergebnissport. Von der guten ersten halben Stunde können wir uns nichts kaufen."

Christian Beck (Kapitän 1. FC Magdeburg)
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Wir müssen den Ball irgendwie über die Linie bekommen. Das müssen wir schnellstmöglich hinbekommen.

FCM-Kapitän Christian Beck

Durch die zweite Saisonniederlage rutschte der FCM auf den zehnten Tabellenplaz ab. Am kommenden Freitag gastiert Magdeburg bei Viktoria Köln, derzeit mit einem Spiel weniger auf dem achten Platz. Eine Woche später gastiert der Hallesche FC in der MDCC-Arena, der neuer Tabellenführer der dritten Liga ist.

"Wir müssen den Ball irgendwie über die Linie bekommen. Das müssen wir schnellstmöglich hinbekommen", sagte ein sichtlich angefressener Kapitän Christian Beck nach dem Spiel über die Chancenverwertung. Richtig genießen konnte er das Wiedersehen mit seinem alten Kumpel Nils Butzen und seinem Förderer Jens Härtel nicht – ob der tristen Gegenwart des FCM.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 18:37 Uhr

3 Kommentare

altmarkboy vor 3 Wochen

Die Aussagen von Spieler und Verantwortlichen sind nicht mehr nachvollziehbar. Fakt ist, der Abwärtstrend ist unverkennbar. Spielerich habe ich selten sowas schlechtes gesehen. Was wurde uns nicht alles versprochen. Mutiger Angriffsfussball, die individuelle Qualität sollte gesteigert werden, eine Mannschaft die auf allem Positionen ausgeglichen und doppelt besetzt wurde. Und, was müssen wir jetzt erleben ? Ich kann nicht mal mehr ein Konzept erkennen. Fehleinkäufe, inclusive die Verpflichtung verletzter Spieler gehen ganz klar auf das Konto von Kallnik und Franz. Die ewige Schönrederei jedes Unentschiedens, muss man dem Trainer ankreiden. Er schafft es nicht , die Mannschaft besser zu machen. Im Gegenteil, die Qualität des Fussballs nimmt zusehens ab. Ich weis auch nicht, wer jetzt das Heft des Handelns übernehmen soll. Sind doch alle Beteiligten Personen, mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt und sitzen in einem Boot. Wer soll da das eigene Versagen eingestehen und handeln ?

fcm-magdeburg vor 3 Wochen

So Jungs
Mal sehen wie lange ihr noch in der 3 Bundesliga vertreten seit werdet?
Halle dagegen wird nächstes Jahr in der 2 Bundesliga spielen und sich dort fest beißen.
Und noch eins
Wenn ihr so weiter spielt verliert ihr sogar den Landespokal gegen Halle

MLink-Berlin vor 3 Wochen

Alles nur Ausreden! Sehen Franz und Krämer wirklich was Gutes in diesem Spiel? Na dann ist ja alles in Ordnung und es kann weiter so gehen!!! Und wenn es noch ne Etage tiefer gehen und MF und MK werden gegangen, dann haben sie sich weitsichtigerweise noch 3 Jahresverträge gegeben und genug Kohle auf dem Konto gelassen für ne ordentliche Abfindung!
Herr Franz ist seit seiner Einstellung ein Totalausfall! Er kann uns einen Gefallen tun und sich und seine App samt Netzwerk nehmen und vom Acker machen!!!

Unser Spiel ist momentan eine vollständige Enttäuschung!!! Nur 10 Minuten passabel spielen reicht eben nicht!

Herr Kallnik reagieren sie oder vielleicht besser nicht?

Man wird ratlos zurückgelassen 😡

BWG aus der Mudderstadt

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