Nach dem Klassenerhalt Diese Fragen muss der FCM jetzt beantworten

Daniel George
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Den Abstieg aus der dritten Liga hat der 1. FC Magdeburg am vorletzten Spieltag abgewendet. Die Erleichterung ist groß. Doch die Ansprüche sind andere. Wie organisiert der Klub seine Zukunft?

Jubel bei Magdeburg nach Treffer durch Thore Jacobsen
Der Jubel war groß nach dem Klassenerhalt beim FCM. Bildrechte: imago images/Eibner

Je größer die Angst, umso größer die Erleichterung. Deshalb schraubte sich in der Nacht zum Donnerstag auch Feuerwerk in die Luft, als der Mannschaftsbus des 1. FC Magdeburg die MDCC-Arena erreichte. Gezündet hatten es die Fans. Denn ihr Verein hatte sich mit einem 2:0-Auswärtssieg in Ingolstadt den Klassenerhalt gesichert und so den Absturz in die Regionalliga gerade noch verhindert.

Aber erst am vorletzten Spieltag. Und das als Zweitliga-Absteiger. Mit dem dritten Trainer der Saison. Eine Saison, die Fragen aufwirft – und zwar solche grundsätzlicher Natur. Diese Fragen muss der FCM jetzt beantworten:

Wer soll das Team trainieren?

Stefan Krämer sollte langfristig beim FCM etwas aufbauen – und wurde nach wenigen Monaten entlassen. Claus-Dieter Wollitz sollte eine neue Zeitrechnung prägen – und wurde nach wenigen Monaten entlassen. Thomas Hoßmang übernahm und schaffte in einer schwierigen Situation den Klassenerhalt.

Ingolstadt – Magdeburg 5 min
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Sport im Osten Mi 01.07.2020 22:10Uhr 05:00 min

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Laut eigener Aussage stand seine Zukunft für den früheren Chef des Nachwuchsleistungszentrums nie an erster Stelle. Und doch muss der FCM nun zuallererst entscheiden: Soll Hoßmang als Cheftrainer bleiben?

Fest steht: Er hat es geschafft, die Mannschaft hinter sich zu bringen. Mit seiner Art passt der 53 Jahre alte Ex-Profi nach Magdeburg und erinnert an FCM-Trainerlegende Jens Härtel. Außerdem steht er für die Entwicklung junger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Das kommt bei den Fans an.

Entscheidet sich der FCM trotzdem gegen eine weitere Zusammenarbeit, wären viele Fragen offen. Denn seit der Entlassung von Jens Härtel hat der FCM – abgesehen von Hoßmang – keinen Trainer gefunden, der Erfolg in Magdeburg hatte. Soll es ein junger Trainer sein? Oder erneut jemand mit reichlich Drittligaerfahrung? Dass das kein Garant für Erfolg sein muss, hat diese Spielzeit gezeigt.

Thomas Hossmang Magdeburg, Trainer gibt Anweisungen, gestikuliert mit den Armen
Thomas Hoßmang holte als FCM-Coach aus fünf Spielen sechs Punkte. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Wie soll die neue Mannschaft aussehen?

Der FCM braucht einen Umbruch – und zwar eigentlich einen radikalen. Die Mannschaft hat in dieser Spielzeit bewiesen, dass sie in dieser Zusammenstellung nicht funktioniert. Unabhängig davon, wer an der Seitenlinie steht. Die Balance auf dem Platz stimmte nicht, in der Kabine gab es keine Hierarchie.

Allerdings: 15 Verträge laufen noch über den Sommer hinaus. Heißt: Die ganz großen Veränderungen wird es kaum geben können. Immerhin elf Verträge laufen aus. Das ist eine Chance. Ohne Restzweifel angeboten für eine Verlängerung hat sich kaum jemand.

Der FCM braucht mehr Kreativität und mehr Mut und mehr Kampf. Die Mannschaft braucht wieder eine Identität. Die Zugänge müssen einschlägen. Und sie müssen vor allem charakterlich passen, auch mental stark sein. Denn genau das fehlte dem Team in dieser Saison. Es stand über weite Strecken der Saison keine Mannschaft auf dem Platz, die sich füreinander und für den 1. FC Magdeburg zerreißt – und das kann nicht allein am Trainer liegen.

FCM Freude 2 min
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Do 02.07.2020 15:05Uhr 02:22 min

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Was wird aus Maik Franz?

Der Vertrag des Sportlichen Leiters läuft noch bis Sommer 2021. Im Zuge der Wollitz-Entlassung wurde auch Franz degradiert. Die aktive Fanszene hatte ihn zuvor öffentlich angefeindet. Der 38 Jahre alte Ex-Bundesligaprofi ist in den Augen zahlreicher Anhänger hauptverantwortlich für die Zusammenstellung des Kaders – und der ist gescheitert.

Die Anfeindungen trafen Franz, weil der ehemalige Nachwuchsspieler des FCM ehrlich am Verein hängt. Schwer vorstellbar allerdings, dass er noch einmal in verantwortliche Position zurückkehrt. Eine Rolle als Chefscout und Assistent von Geschäftsführer Mario Kallnik wäre denkbar – allerdings auch ein Rückschritt für den ehrgeizigen Franz.

Maik Franz (Sportchef 1. FC Magdeburg)
Der Vertrag von Maik Franz beim FCM läuft noch bis Sommer 2021. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Wie stellt sich der FCM in der Führungsebene auf?

In der Abstiegsnot übernahm Geschäftsführer Mario Kallnik auch noch den Posten als Sportlicher Leiter und rückte enger an die Mannschaft. Ob er diese Doppelbelastung auch in Zukunft stemmen kann, ist fraglich. Abhängig von der Entscheidung für oder gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Maik Franz braucht der FCM also wohl einen neuen sportlichen Leiter.

Zuletzt wurde immer wieder auch mehr sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat gefordert. Fans brachten Marius Sowislo ins Spiel. Der ehemalige FCM-Kapitän ist dem Verein und der Stadt weiterhin verbunden. Allerdings entschied er sich in der Vergangenheit für seine Selbstständigkeit.

Auch Geschäftsführer Mario Kallnik stellte bereits vor Wochen klar, sich einer kritischen Überprüfung seiner Arbeit nach Saisonende zu stellen.

Mario Kallnik
Ist aktuell Sportlicher Leiter und Geschäftsführer des FCM in Personalunion: Mario Kallnik. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Welche Philosophie verfolgt der Klub?

Der FCM hat in den vergangenen zwei Jahren das verloren, was ihn zuvor ausgezeichnet hat: seinen klaren Weg. War das in der Zweitliga-Saison noch mit fehlender sportlicher Qualität zu erklären, so war die aktuelle Spielzeit aus Kommunikationssicht ein Fiasko.

Erst erklärte der Klub, in den nächsten drei Jahren wieder aufsteigen zu wollen. Dann wurde jedoch Stefan Krämer frühzeitig entlassen. Obwohl der FCM einen Tabellenplatz im Mittelfeld belegte. Dafür gab es Gründe. Gute Gründe. Doch zeitgleich das Ziel auszugeben, nun plötzlich doch schnellstmöglich nach oben zu wollen, sorgte bei den Fans für Unverständnis. Die Glaubwürdigkeit ging verloren.

Was der FCM jetzt braucht, ist wieder eine eindeutige Philosophie, klare Ziele – und vor allem ein daran orientiertes Handeln. Einen klaren Weg eben.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. Juli 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

flaeming_der_alte vor 15 Wochen

Ich sehe das genau so und ich möchte das unser FCM wieder mehr auf die Jugend setzt. Das können auch technisch gut veranlagte Spieler aus den Nachwuchs von Bundesligisten sein. Wenn ich dann auch sehe das finanziell weniger ausgestattete Vereine zum Teil besseren Fußball spielen als wir, dann muß sich doch auch ein Herr Kallnik langsam mal fragen, warum ist das so. Vielleicht sollten wir unsere Scoutingabteilung mal erneuern. Alles auf den Prüfstand und zurück zum Leistungsprinzip auf ganzer Clubebene! BWG

MLink-Berlin vor 15 Wochen

Das bringt es tatsächlich ziemlich genau auf den Punkt! Da hat jemand fleißig in den Foren gestöbert! Viele dieser Forderungen machen so in etwa die Runde.

Also Mario hier hast du einen Leitfaden für die nächsten zwei Jahre! 👍😜

BWG aus der Mudderstadt

altmarkboy vor 15 Wochen

Fakt ist, wir brauchen einen Umbruch. Nahezu in allen Belangen. Was die Spielweise, also die Philosophie des Spiels und deren Ausrichtung für die kommenden Jahre betrifft. Will man weiter den kraftzerrenden Kampffussball spielen oder besinnt man sich auf alte Tugenden. Die Europa-Pokalsieger von damals konnte kicken, sie beherrschten die feine Klinge, nicht nur den Kampf und Krampffussball den man dem FCM zu gerne nachsagt. Diese Tugenden reichen heutzutage eh nicht mehr. Was wie brauchen ist wieder ein echter Leader, der Emotionen freisetzen kann. Der die Mannschaft in schwierigen Momenten wachrüttelt und mitreisst. Ach ja, ich könnte noch so viele schreiben, aber dafür reichen hier die Zeilen nicht. Wichtig war zuallerletzt nur noch der Klassenerhalt. Aber jetzt heisst es Kohle in die Hand nehmen und die richtigen Führungsspieler finden, die uns weiterbringen und nicht nur Mitläufer, die nicht mal einen vernünftigen Pass auf 5 m an den Mann bringen oder annehmen können.

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