Bjoern Rother und Romain Bregerie freuen sich über das Tor zum 1:0.
Der Gegner jubelt, während der FCM bedröppelt schaut – ein wiederkehrendes Bild in dieser Saison. Bildrechte: IMAGO

Niederlage in Heidenheim Eine Halbzeit reicht nicht, FCM!

Nach fünf Spielen ohne Niederlage hat der FCM mal wieder verloren. Und dabei gelernt, dass Moral und Kampfgeist nicht immer reichen, wenn man den Gegner regelmäßig wegziehen lässt. Eine Einschätzung.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Bjoern Rother und Romain Bregerie freuen sich über das Tor zum 1:0.
Der Gegner jubelt, während der FCM bedröppelt schaut – ein wiederkehrendes Bild in dieser Saison. Bildrechte: IMAGO

Fünf Mal in Folge hatte der 1. FC Magdeburg in der 2. Bundesliga zuletzt nicht verloren. Am Samstagnachmittag war es dann mal wieder soweit. 0:3 hieß es am Ende in Heidenheim aus Sicht der Elbstädter. Ärgerlich, aber an sich kein Beinbruch, könnte man jetzt sagen. Denn das Ergebnis fiel ein oder zwei Tore zu hoch aus, Chancen waren reichlich da und schon am Freitag kann man es ja wieder besser machen. "Mund abputzen und weiter geht’s," hört man nach solchen Spielen oft von Fußballern.

Ganz so leicht ist das diesmal nicht. Denn in Heidenheim offenbarte sich einmal mehr eine Seltsamkeit des Magdeburger Spiels. Wie schon gegen Paderborn, Duisburg und Dresden lag der FCM zur Halbzeit zurück. Doch im Gegensatz zu den genannten Begegnungen konnten die Magdeburger diesmal nicht noch ein Unentschieden retten. Dabei war Verlauf des Spiels durchaus vergleichbar mit den vorherigen.

Unaufmerksamkeiten bringen FCM ins Hintertreffen

Der FCM begann engagiert, ohne richtig gefährlich zu werden. Mit ihrer zweiten Chance erzielten die Heidenheimer die Führung. Voraus ging dem Treffer ein durchaus vielversprechender Angriff der Magdeburger. Heidenheim konnte die Situation im letzten Moment lösen. Dann stellte der FCM nicht richtig zu. FCH-Torwart Müller leitete den Ball schnell weiter, Theuerkauf spielte einen starken Pass in die gegnerische Hälfte. Dort steckte Dovedan gekonnt durch und Nico Hammann ließ Griesbeck entwischen – 1:0.

Dem 2:0 durch Dovedan ging eine Abseitsstellung voraus. Das Fernsehbild offenbarte jedoch, es handelte sich um eine Zentimeterentscheidung. Kein Grund also, lange darüber zu lamentieren. Viel entscheidender war die Flanke von Schnatterer, die der Unterschiedsspieler der Heidenheimer vor dem Tor unbedrängt schlagen konnte. Hier verpasste es die FCM-Abwehr, rechtzeitig zu attackieren. Und lief deshalb zur Pause wieder einem deutlichen Rückstand hinterher.

Bilder zum Auswärtsauftritt des 1. FC Magdeburg beim 1. FC Heidenheim

Jens Härtel
Die Elf von Jens Härtel blieb vor der Partie beim 1. FC Heidenheim fünf Partien ohne Niederlage. Das sollte sich noch an diesem Spieltag ändern... Bildrechte: imago/Eibner
Jens Härtel
Die Elf von Jens Härtel blieb vor der Partie beim 1. FC Heidenheim fünf Partien ohne Niederlage. Das sollte sich noch an diesem Spieltag ändern... Bildrechte: imago/Eibner
Trainer Frank Schmidt (1.FC Heidenheim)
In der ersten Viertelstunde hielt der 1. FC Magdeburg gut dagegen und ließ den FCH nicht in die Partie kommen. Das zeigte sich auch in der Laune von Coach Frank Schmidt. Bildrechte: IMAGO/Eibner
Zweikampf Romain Bregerie vs. Neuzugang Patrick Schmidt
Vor allem der körperliche Faktor stand zuerst im Vordergrund. Hier versucht Romain Bregerie vor FC Heidenheim-Neuzugang Patrick Schmidt den Ball zu behaupten. Bildrechte: IMAGO
Norman Theuerkauf ( 1.FC Heidenheim 30) Marcel Costly ( 1.FC Magdeburg 9 )
Die offensive Power der Baden-Württemberger nahm aber stark zu. Der 1. FC Magdeburg kam ordentlich ins Schwitzen. Bildrechte: IMAGO/Eibner
Bjoern Rother und Romain Bregerie freuen sich über das Tor zum 1:0.
Was folgte war blankes Entsetzen bei Björn Rother und Romain Bregerie. Beim 0:1 von Sebastian Griesbeck sah die gesamte Abwehr des 1. FC Magdeburg schlecht aus (18.). Bildrechte: IMAGO
Magdeburgs Romain Bregerie
Besonders Romain Bregerie stand beim 0:1 völlig neben sich und ließ Griesbeck im Zentrum enteilen (18.). Bildrechte: imago/Eibner
Norman Theuerkauf, Nikola Dovedan und Niklas Dorsch jubel nach dem 2:0 für Heidenheim
Und es ging schlecht weiter für die Blau-Weißen. Jubeln durften nur die Hausherren aus Heidenheim. Kurz vor der Halbzeit war es der wieselflinke Nikola Dovedan, der auf 0:2 stellte (42.). Bildrechte: imago/Eibner
Nils Butzen ( 1.FC Magdeburg 16 ) ärgert sich
Im zweiten Abschnitt zeigte der 1. FC Magdeburg ein anderes Gesicht. Die Kicker aus Sachsen-Anhalt erarbeitetn sich Großchance um Großchance. An diesem Tag fehlte jedoch das Glück im Abschluss. Bildrechte: imago/Eibner
Schiedsrichter Arne Aarnink zeigt Tobias Müller die gelb-rote Karte
Schiedsrichter Arne Arnink hielt jedoch kurz vor dem Abpfiff noch eine böse Überraschung für den FCM bereit. Gelb-Rote Karte für Tobias Müller und Elfmeter für Heidenheim (90.+2). Bildrechte: imago/Eibner
Marc Schnatterer (1.FC Heidenheim 7) beim Elfmeter zum 3:0.
Flanken-Experte Marc Schnatterer übernahm die Verantwortung vom Elfmeterpunkt und ließ FCM-Torwart Alexander Brunst keine Chance (90.+2). Bildrechte: imago/Eibner
Kolja Pusch und Marc Schnatterer
Am Ende gab es nur Jubel beim 1. FC Heidenheim. Kolja Pusch und Marc Schnatterer feierten am Ende das zu klare 3:0 für die Hausherren. Der dritte Heimsieg in Folge für Heidenheim. Bildrechte: imago/Eibner
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Chance um Chance

Nach der Halbzeit drehte der 1. FC Magdeburg auf und erspielte sich Chance um Chance. Einen Schuss von Richard Weil konnte Müller im Heidenheimer Tor abwehren. In der 63. Minute schoss Hammann knapp vorbei, kurz darauf zwang der eingewechselte Marius Bülter Müller zu einer Glanzparade. Auch die Möglichkeiten von Björn Rother und Nils Butzen, Richard Weil und Romain Bregerie brachten kein Tor. Heidenheim sicherte sich mit gnadenloser Effektivität und einem starken Kevin Müller im Tor den Sieg.

Viel Aufwand, wenig Punkte

Doch die Frage ist, warum die Magdeburger regelmäßig erst richtig aufdrehen, wenn sie zurückliegen? In allen Spielen konnten sie bisher mithalten. Immer wieder wurden die Spieler für ihre Moral gelobt, wenn sie sich in ein verloren geglaubtes Spiel zurück gekämpft haben. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Phasen, in denen der FCM den Gegner dominierte. Aber leider meist erst, wenn dieser schon vorne lag. Der Punkteertrag ist gemessen am Aufwand zu gering. Die wenigen FCM-Fehler führen fast immer direkt zum Gegentor. Und es ist nicht jedes Mal möglich, anschließend wieder zurück zu kommen. So wie jetzt in Heidenheim. Für den FCM steht die Erkenntnis, dass eine starke Halbzeit eben nicht immer reicht, um zu punkten.

Nils Butzen ( 1.FC Magdeburg 16 ) ärgert sich
Wieder kein Tor: Nils Butzen kann es nicht fassen. Bildrechte: imago/Eibner

Nichts zu verlieren

Um in Zukunft erfolgreicher zu sein, müssen die Blau-Weißen von Beginn an diese Wucht entfachen, die sie zum Ende der vergangenen Partien auszeichnete. Das bedeutet, vor allem in der ersten Halbzeit viel mehr Risiko einzugehen. Natürlich kann das auch mal schief gehen. Doch am Ende bringen – so platt das auch klingen mag – ein Sieg und eine Niederlage mehr als zwei Unentschieden.

Am Freitag erwartet der 1. FC Magdeburg den Hamburger SV. Der strukturell kleinste Verein der Liga trifft auf den größten. Der Club hat also eigentlich nichts zu verlieren. Genau wie bei den zahlreichen Halbzeitrückständen zuletzt. Und mit diesem Gefühl sollte FCM in das Spiel gehen. Denn dann kann er vielleicht ziemlich viel gewinnen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2018, 12:53 Uhr

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5 Kommentare

22.10.2018 19:29 Kiel_oben 5

Oliver Leiste mach mal was wo wir Tippen können HSV 5 - Magdeburg 1 Halbzeit 3:0

22.10.2018 14:34 Sonnenneutrino (EberlysFlankensteilheit gegen 0) 4

Warum soll Tesla zu Miau und Ludi gehen?
Der Wissenschaftstrang reicht wohl nicht aus.
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Ohnesorge. Dessau, Magdeburg oder Halle würden sich freuen.

22.10.2018 14:19 EberlysFlankensteilheit gegen 0 3

Alkohol von Lechtenbrink im Radiostern:
Bei Marsbergfavre spielt man mit Rautizweien anstatt mit Rautieinen