Zeugin vernommen Verstorbener FCM-Fan: Ermittlungsverfahren im Fall Hannes weiterhin eingestellt

Die Ermittlungen im Fall Hannes seien offiziell wieder aufgenommen – das erklärte vor kurzem der Anwalt der Familie des Verstorbenen. Doch dem widerspricht nun die Staatsanwaltschaft. Eine neue Zeugenaussage werde derzeit lediglich geprüft.

Rosen und ein Foto vom verstorbenen FCM Fan Hannes vor dem Eingang zum Fanblock - Fussball Landespokal Sachsen Anhalt Halbfinale.
Die Fans des FCM setzten sich für Aufklärung im Fall Hannes ein. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Das Ermittlungsverfahren im Fall Hannes ist nach wie vor eingestellt. Das erklärte Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten am Mittwoch MDR SACHSEN-ANHALT. Damit widersprach die Staatsanwaltschaft Magdeburg der Schilderung des Anwaltes der Familie des verstorbenen FCM-Fans. "Die Ermittlungen sind offiziell wieder aufgenommen worden", hatte Anwalt Heinz-Peter Günther vor einer Woche bei "SternTV" erklärt.

Im Oktober 2016 war Hannes Schindler bei Haldensleben aus einem Zug gestürzt und wenige Tage später im Krankenhaus gestorben. Die Ermittlungen wurden ein halbes Jahr später eingestellt.

Feststellungen "im Kern" bereits bekannt

Zwar sei am Montag dieser Woche eine Zeugin vernommen worden, so die Staatsanwaltschaft. Deren Feststellungen seien im Kern jedoch bereits bekannt gewesen. Derzeit werde geprüft, ob sich aus den Angaben der Zeugin tatsächlich neue Ermittlungsansätze herleiten lassen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sieht es danach nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT aktuell allerdings eher nicht aus.

Die Staatsanwaltschaft könne stets ergänzende Ermittlungen, die sie für notwendig hält, führen, um den verfahrensgegenständlichen Sachverhalt – weiter – aufzuhellen, so Baumgarten.

Die genauen Umstände des Todes von Hannes Schindler sind bis heute unklar. Fest steht, dass es in dem Zug eine Auseinandersetzung mit Anhängern des Halleschen FC gegeben hat. Die vermeintliche Augenzeugin hatte bei "SternTV" von prügelnden HFC-Fans im Zug berichtet und erklärt, sich bereits kurz nach dem Vorfall bei der Polizei gemeldet zu haben.

Sie habe damals darum gebeten, ihre Aussage in ihrer Heimatstadt machen zu dürfen. Dies sei von der Polizei allerdings abgelehnt worden. "Ich hatte das Gefühl, man wollte meine Aussage gar nicht haben", erklärte sie. "Eine Frechheit ohne Ende", sagte Heinz-Peter Günther.

Aus Angst: Zeugin will anonym bleiben

Bereits kurz nach dem Vorfall im Oktober 2016 hatte die Frau bei der Polizei telefonisch ausgesagt, dass 15 bis 20 Personen aus der Fanszene des Halleschen FC auf eine Person eingeschlagen hätten. Die Tür habe sich plötzlich geöffnet. Ob jemand "rausgeflogen" sei, könne die Frau, die aus Angst vor den mutmaßlichen Tätern anonym bleiben will, jedoch nicht sagen.

Dass die Zeugin nun vorgeladen wurde, ist für den Anwalt der Familie Schindler kein Zufall. "Ich habe noch im Januar mit der Oberstaatsanwältin gesprochen, da war ihr der Fall noch egal. Dass es jetzt zu so einer schnellen Wendung kommt, ist überraschend, aber sehr schön", so Anwalt Günther. Die mediale Berichterstattung sowie der Druck der FCM-Fans, die sich für Aufklärung einsetzen, hätten zu der neuen Entwicklung beigetragen.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. Februar 2020 | 16:30 Uhr

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