Rassismus im Fußball FSA-Präsident Erwin Bugar: "Wir sind weiterhin auf der Hut"

Die aktuelle Situation in Sachsen-Anhalt, der Ausschluss des FC Ostelbien Dornburg, die Bedeutung der Integration für Fußballklubs und die Vorwürfe von Mesut Özil – Landesverbandspräsident und DFB-Vizepräsident Erwin Bugar bezieht Stellung.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Erwin Bugar, Präsident des Landesfußballverbandes Sachsen-Anhalt
Erwin Bugar ist Präsident des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erwin Bugar ist Präsident des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) und Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Mit MDR SACHSEN-ANHALT spricht Bugar über Rassismus in Fußball-Sachsen-Anhalt, Integration von Flüchtlingen und die Debatte um Nationalspieler Mesut Özil.

Erwin Bugar über ...

... Rassismus in Fußball-Sachsen-Anhalt:

"Wir verfolgen da eine Null-Toleranz-Politik. Sicherlich gab es in den 1990er und auch danach noch Probleme mit dem Thema. Inzwischen gab es aber eine äußerst positive Weiterentwicklung und wir sind auf einem sehr guten Weg. Nicht zuletzt auch durch die Unterstützungsleistungen des DFB an die Vereine aus Sachsen-Anhalt. Vor allem bei den höherklassigen Vereinen wie dem Halleschen FC oder dem 1. FC Magdeburg sehen wir keine großen Probleme mehr in diese Richtung, sind aber weiterhin auf der Hut."

... den Ausschluss des FC Ostelbien Dornburg:

"Mit dem Ausschluss aus dem Spielbetrieb 2015 hat sich das Thema FC Ostelbien Dornburg für den FSA erledigt. Einige Spieler haben sich anderen Klubs angeschlossen, aber die Vereine wussten, wer da kommt. Wir wollten uns da nicht in die Vereinspolitik einmischen. Wir werden die Menschen nicht von heute auf morgen alle ändern können. Aber wir beobachten das und wenn es Probleme geben sollte, schreiten wir ein."

Vereinslogo an einer Holzhuette auf dem Sportplatz des 1. FC Ostelbien Dornburg e.V. ein Verein in der Kreisliga im Jerichower Land.
Bildrechte: IMAGO

Der Ausschluss des Fußballklubs voller Neonazis Der FC Ostelbien Dornburg wurde 2011 von rechten Hooligans gegründet. Er sorgte in der Kreisliga im Jerichower Land für ein Klima der Angst. Es kam zu Bedrohungen, rassistischen Äußerungen und brutalen Fouls. 59 von 65 Schiedsrichtern weigerten sich, Spiele des Vereins zu pfeiffen. Der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) schloss den Verein 2015 aus. Die Spieler um den verurteilten Rechtsextremisten Dennis Wesemann verteilten sich auf andere Klubs. Mehrere schlossen sich der DSG Eintracht Gladau an.

... die Bedeutung der Integration für Fußball-Sachsen-Anhalt:

"Wir haben in einem Positionspapier unsere Position klar gemacht: Der Fußballverband Sachsen-Anhalt setzt sich für mehr Integration ein. Die Klubs werden immer weniger. Zuwanderung würde helfen. In vielen kleineren Fußballvereinen wird Integration gelebt, dem FC Hettstedt zum Beispiel. Die Einwanderung von Syrern, Afghanen und die Aufnahme in den Verein hat da unglaublich positiv gewirkt. Manche Vereine würden ohne Spieler mit Migrationshintergrund gar keine spielfähige Mannschaft zusammenbekommen. Die Altmark ist auch so ein typisches Beispiel, wo Integration den Vereinen schon hilft und noch mehr helfen könnte. Viele Vereine haben inzwischen Flüchtlinge in ihren Reihen. Klubs, die Spieler mit Migrationshintergrund integrieren, erhalten eine Förderung durch eine DFB-Initiative. Seit zwei Jahren haben wir außerdem einen Integrationsbeauftragten beim FSA, weil wir wissen, wie wichtig das Thema für die Regionen, die Gesellschaft und auch für uns als Verband ist."

... die Rassismus-Vorwürfe von Ex-Nationalspieler Mesut Özil:

"Die Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen, völlig substanzlos. Kein Fachverband hat in den vergangenen Jahren so viel für die Migrationspolitik und gegen Rassismus getan wie der DFB – gerade auch DFB-Präsident Reinhard Grindel. Das ist beispielhaft. Die Äußerungen von Mesut Özil kann man so nicht stehen lassen. Die Frage, was er sich bei dem Foto mit Erdogan gedacht hat, steht ja außerdem noch im Raum. Das hat er uns beim DFB persönlich bis heute nicht beantwortet. Wir haben eine Nationalmannschaft mit starkem Migrationshintergrund und das ist auch unheimlich wichtig für unser Land als Signal der Eingliederung."

Fotomontage zeigt Mesut Özil vor Menschenmenge mit Erdogan-Plakat, 2017
Nationalspieler Mesut Özil trat kürzlich aus der Nationalmannschaft zurück. Er warf dem Verband Rassismus vor. Auslöser für die Debatte war ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (Hintergrund). Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. September 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 11:05 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr Sport aus Sachsen-Anhalt