Felix Schiller (Magdeburg, 5)
Handküsse für die Fans: Felix Schiller während der Aufstiegsfeier des 1. FC Magdeburg im Mai dieses Jahres auf dem Rathausbalkon Bildrechte: IMAGO

Ex-FCM-Profi dreht Skandalvideo Felix Schillers Schrei nach Liebe

Im Suff hat Felix Schiller den VfL Osnabrück beleidigt und dem 1. FC Magdeburg gehuldigt. Geht gar nicht – schon klar. Aber: Darf man diesen Kerl trotzdem ein bisschen sympathisch finden? Ein Kommentar.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Felix Schiller (Magdeburg, 5)
Handküsse für die Fans: Felix Schiller während der Aufstiegsfeier des 1. FC Magdeburg im Mai dieses Jahres auf dem Rathausbalkon Bildrechte: IMAGO

Betrunkene und kleine Kinder sagen die Wahrheit. War schon immer so. Ist noch immer so. Gilt auch für Felix Schiller. Der hat sturzbesoffen den VfL Osnabrück, seine neue Flamme, beleidigt und dem 1. FC Magdeburg, seiner Ex, gehuldigt. Weil er sie immer noch liebt.  

Nun stellen sich Nüchternheit und Ernüchterung ein und damit drei Fragen: Kommt Schiller am Ende über seine langjährige Partnerin hinweg? Wird ihm seine neue Liebe verzeihen? Und darf man diesen Kerl – bei all der Empörung – ein bisschen sympathisch finden? 

Felix Schiller liegt noch oft neben dem FCM im Bett

Hat alles ein bisschen was von GZSZ. Oder Lindenstraße. Drama auf jeden Fall. Alle haben berichtet: Sky. Spiegel. BILD hat aufgedeckt. Natürlich. Wie sich das für einen Skandal gehört. Osnabrück ist sauer, Magdeburg erfreut. Die einen fluchen, die anderen lachen. Manche schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und schütteln ihn. Hätte sich Felix Schiller an diesem Morgen in Osnabrück so bewegt, hätte er sich übergeben. Höchstwahrscheinlich.

Ich habe Mitleid. Da grölt Verzweiflung aus einem 28 Jahre alten Mann. Weil er richtig Lust auf den Neuanfang beim VfL Osnabrück hatte. Weil er auf dem Platz wie immer alles gab. Und sich dann verletzte. Wie so oft in den vergangenen Jahren. Weshalb auch die Liaison mit dem 1. FC Magdeburg vor ein paar Monaten ihr Ende fand. Verletzungen hatten die Beziehung der Beiden immer wieder torpediert. Der erneute Rückschlag riss nun alte Wunden auf.

Seine Ex hatte ihn am Ende der vergangenen Saison zappeln lassen. Das ließ sich Felix Schiller nicht gefallen. Er entschied sich für eine neue Lebensabschnittsgefährtin. Fußballprofis haben keine Zeit für Liebeskummer. Werden sie vor die Tür gesetzt, müssen sie sich von einer Beziehung in die nächste stürzen – obwohl sie gedanklich noch neben ihrer alten Liebe im Bett liegen. 

Felix Schiller steht gedanklich noch oft im Heinz-Krügel-Stadion. Die großen Emotionen dort, die zwei Aufstiege mit dem FCM, die Zuneigung der Fans werden für immer bei ihm bleiben. Es war die bislang schönste Zeit seiner Laufbahn.

Ja: Sich so abzuschießen, ist als Vorbild zahlreicher Jugendlicher unerhört. Und ja: Sich öffentlich derartiger Gossensprache zu bedienen, mögen manche Fans witzig finden, gehört zum Fußball, dem harten Männersport, dazu, meinen sie – bleibt aber pubertär und peinlich. Aber nein: Felix Schiller ist deshalb kein schlechter Mensch.  

Warum die Fans des VfL Osnabrück ihm verzeihen sollten

Wird er über seine langjährige Partnerin hinwegkommen? Er muss. Irgendwann. Hoffentlich. Aber noch ist Wehmut okay. Das zeigt nur, dass seine Liebe zum 1. FC Magdeburg ehrlich war. Im Grunde ist das eine Wohltat im heutigen Fußballgeschäft. 

Wird ihm seine neue Flamme verzeihen? Sie sollte. Er hat gebüßt, hat eine Geldstrafe bezahlt und ist aus dem Mannschaftsrat geflogen. Die VfL-Anhänger dürfen eine Weile sauer sein. Doch sollte ihnen auch bewusst sein, dass sich dieser Mann für die Farben, die er trägt, zerreißt. Also auch für ihre. Echte Liebe wächst mit der Zeit – und durch gemeinsam bewältigte Krisen. 

Darf man diesen Kerl – bei all der Empörung – nun ein bisschen sympathisch finden? Ja. Er sollte sich nicht mehr betrinken. Er sollte seinen Mitmenschen lieber zeigen, dass er eigentlich ein cleverer Kerl ist. Aber seinen Charakter sollte er sich bewahren. Ehrlich und authentisch bleiben. Wie der Kreisliga-Kicker von nebenan. Oder wer hat im Angesicht des Liebeskummers noch nie etwas Dummes gemacht? Der werfe den ersten Stein – oder gröle das erste Lied. 

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine wunderschöne Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Juli 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 11:55 Uhr

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26 Kommentare

02.08.2018 20:45 Brandenburger 26

Sensation !!! Schiller löst Özil ab!!! Diese Liebe geht mal unter die Haut! He still a good man!!!!

02.08.2018 16:40 Tobi M. 25

@18 flo
Niemand kann sich vorstellen, da total unrealistisch, dass irgendein ehemaliger, aktueller oder zukünftiger HFC-Spieler jemals die Stadt HadS oder den Verein huldigen wird, wahrscheinlich noch nicht mal für Geld. Jeder Spieler war, ist und wäre froh, wenn er aus der Stadt wegziehen darf.

02.08.2018 14:39 HDL 24

Achso,wenn solch ein harter Kerl mit weicher Schale dem FCM nachtrauert,dann haben doch alle hier in MD so was von richtig gemacht.Alkohol bringt das ans Licht,für jeden Verein sind solche Spieler ein menschlicher Gewinn.Felix bleib so und du wirst auch für den Vfl Osnabrück alles geben,so kennen wir dich,viel Glück und bleib so raubeinig ,Erdmann vertritt dich.Danke für die Zeit.Ein richtiger Fan verzeiht in Osnabrück so einen Ausrutscher.

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