FCM-Pleite gegen Darmstadt Der Albtraum nach dem Traum

Auf den Sensations-Sieg beim Hamburger SV folgt für den 1. FC Magdeburg ein großer Rückschlag im Abstiegskampf. Der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz wächst. Warum der FCM gegen Darmstadt mehr als nur ein Spiel verloren hat.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

v.l. Marcel Heller (SV Darmstadt 98), Alexander Brunst (1.FC Magdeburg)
FCM-Keeper Alexander Brunst bleibt nur der Blick nach hinten – der Ball fliegt ins Netz. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Ganz gleich, was ihn die Journalisten auch fragten: Dennis Erdmann begann fast jede Antwort am Samstagnachmittag mit derselben Gegenfrage. "Ja, was soll ich dazu sagen?" Das spiegelte die Gefühlswelt des 1. FC Magdeburg perfekt wider. Denn sie waren etwas sprachlos beim FCM nach der 0:1-Heimpleite vor 17.413 Zuschauern gegen Darmstadt.

"Wenn wir zum x-ten Mal durch einen Standardgegentreffer so spät das Spiel verlieren, dann fehlen mir auch die Worte", sagte Cheftrainer Michael Oenning. "Die Jungs sitzen jetzt mit hängenden Köpfen in der Kabine, weil wir wieder mal eine große Chance haben verstreichen lassen."

Dem Sensation-Sieg vom Montagabend gegen den Hamburger SV folgte für die Blau-Weißen der Albtraum gegen Darmstadt – denn Magdeburg verlor mehr als nur das Spiel.

"Jetzt haben die auch noch gewonnen"

Die Position im Abstiegskampf hat sich verschlechtert. Was zum einen am FCM selbst lag: Mit einem Heimsieg hätte der Aufsteiger bis auf drei Punkte an Darmstadt heranrücken und den Gegner noch einmal gewaltig in den Kampf um den Ligaverbleib verwickeln können. Doch so haben die Gäste nun neun Punkte Vorsprung auf den FCM.

Und nicht nur das: Magdeburg steht zwar weiterhin auf Relegationsrang 16, hat nun jedoch drei Zähler Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Denn der SV Sandhausen konnte sich daheim gegen Dynamo Dresden trotz Rückstand mit 3:1 durchsetzen. Immerhin: Verfolger Duisburg verlor mit 0:4 in Paderborn und bleibt weiterhin vier Punkte hinter dem FCM.

Michael Oenning (Magdeburg, Trainer)
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Wir dürfen hier am Ende einfach nicht mehr als Verlierer vom Platz gehen. Das war völlig unnötig und ärgert mich wahnsinnig.

FCM-Trainer Michael Oenning

"Jetzt haben die auch noch gewonnen", sagte Dennis Erdmann in den Katakomben der MDCC-Arena beim Blick auf das Ergebnisse aus Sandhausen. Umso größer war sein Frust. "Wir wussten genau, dass Darmstadt nur nach Standards Tore machen kann und trotzdem verursachen wir so einen blöden Standard", so der Abwehrchef. "Das reicht dann einfach nicht, was wir heute dargeboten haben."

Nach 87 Minuten traf Darmstadts Marcel Heller nach einem Freistoß zum Auswärtssieg. Der FCM verteidigte stümperhaft. "In der zweiten Halbzeit sind wir hektisch geworden", sagte Trainer Oenning. "Wir dürfen hier am Ende einfach nicht mehr als Verlierer vom Platz gehen. Das war völlig unnötig und ärgert mich wahnsinnig."

Türpitz verletzt, Erdmann gesperrt

Dabei lief die erste Halbzeit noch halbwegs nach Plan. Der FCM dominierte, hatte weit mehr Ballbesitz als Darmstadt. Aber: "Wir hätten das 1:0 schießen müssen", bemängelte Mittelfeldmann Rico Preißinger. "Bis zum Strafraum sah das bei uns gut aus, aber danach hat die letzte klare Aktion gefehlt."

 v.l. Victor Palsson (SV Darmstadt 98), Rico Preißinger (1.FC Magdeburg)
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Wer uns kennt, der weiß, dass wir uns jetzt nicht aufgeben werden. Wir müssen jetzt einfach weiterarbeiten.

FCM-Mittelfeldmann Rico Preißinger

Von den Gästen kam in der ersten Halbzeit offensiv gar nichts, auch in der zweiten Hälfte steigerte sich ihre Angriffslust nur bedingt. "Das war für uns mit Sicherheit kein brutal verdienter, sondern ein dreckiger Sieg", wusste Darmstadts Trainer Dimitrios Grammozis. Und auch Abwehrmann Mathias Wittek sagte: "Schade für Magdeburg, sie hätten sich einen Punkt im Abstiegskampf verdient gehabt." Doch daraus wurde nichts.

Ähnlich bitter wie das Ergebnis: Offensivmann Philip Türpitz musste bereits in der ersten Halbzeit verletzt vom Platz. Verdacht auf Muskelfaserriss im linken Oberschenkel. Ob und wie lange der 27-Jährige dem FCM tatsächlich fehlen wird, bleibt abzuwarten. Trainer Oenning sprach direkt nach dem Spiel von "muskulären Problemen". Definitiv zuschauen wird Dennis Erdmann am kommenden Sonntag in Regensburg. Erdmann sah seine zehnte Gelbe Karte der Saison und ist gesperrt.

v.l. Philip Tuerpitz (Magdeburg, 8) verletzt
Offensivmann Philip Türpitz musste mit Verdacht auf Muskelfaserriss im Oberschenkel ausgewechselt werden. Ob und wie lange er dem FCM fehlen wird, bleibt abzuwarten. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

"Alle da unten haben zu kämpfen"

"Wir werden jetzt nicht den Fehler machen und das Spiel generell als schelcht ansehen. Alle Teams da unten haben zu kämpfen. Der Abstiegskampf verläuft nicht linear. Da geht es mal einen Schritt nach vorn, dann wieder einen zurück", sagte Trainer Oenning. "In Regensburg wollen wir jetzt wieder einen Schritt nach vorn machen."

Fünf Partien bleiben dem FCM im Kampf um den Klassenerhalt noch. Es geht auswärts gegen Regensburg, Bochum und Union Berlin sowie daheim gegen Fürth und Köln. Und auch wenn die Enttäuschung am Samstagnachmittag groß war: Irgendwann wich die Sprachlosigkeit bereits wieder dem Blick nach vorn. "Wir müssen jetzt einfach weiterarbeiten", sagte Rico Preißinger und versprach: "Wer uns kennt, der weiß, dass wir uns nicht aufgeben werden."

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Philip Türpitz (l.) und Marius Bülter trafen für den FCM in Hamburg. Bildrechte: imago images / Nordphoto

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2019, 17:49 Uhr

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9 Kommentare

15.04.2019 08:40 Tomate 9

Da hat wohl einer zu früh die Luft aus der Hüpfburg gelassen. Echt ärgerlich.

14.04.2019 15:14 Erdmann Wolter 8

Für Magdeburg muss die Spielordnung geändert werden ,da 90 Minuten zu lang sind, und der Schlaf nach 70 Minuten eintritt. Mit diesem Spieler reicht es vielleicht noch für die Regionalliga. Der Vorstand muss sich wahrscheinlich auch erneuern.

14.04.2019 13:02 Andreas 7

Tja 1. So ist das halt wenn man um den Abstieg spielt.
Persönlich habe ich mich schon auf den Abstieg nach dem Sandhausen Spiel eingestellt. Hoffen tue ich natürlich trotzdem. Fan bleibe ich trotzdem selbst wenn es nicht klappt mit Liga 2.

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