Dynamos Jannis Nikolaou foult Magdeburgs Felix Lohkemper
Der 1. FC Magdeburg führte lange in Dresden, musste sich aber dennoch mit einem 1:1 begnügen. Bildrechte: imago images/Matthias Rietschel

Unentschieden in Dresden Starkes Spiel, schlechtes Ergebnis: Gemischte Gefühle beim FCM

Dem FCM gelingt in Dresden die Wiedergutmachung für die verkorkste Vorwoche. Weil Dynamo aber spät zum Ausgleich trifft, überwiegt der Frust bei den Beteiligten.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Dynamos Jannis Nikolaou foult Magdeburgs Felix Lohkemper
Der 1. FC Magdeburg führte lange in Dresden, musste sich aber dennoch mit einem 1:1 begnügen. Bildrechte: imago images/Matthias Rietschel

So richtig einig waren sie sich beim 1. FC Magdeburg nicht, wie sie mit dem Unentschieden in Dresden umgehen sollten. Dort hatte der FCM lange 1:0 geführt, kurz vor Schluss aber den Ausgleich kassiert. Michel Niemeyer etwa konnte eine gewisse Niedergeschlagenheit nicht verhehlen: "Die Köpfe sind natürlich ein bisschen unten, wenn man so lange 1:0 geführt hat", gab er zu. "Fünf Minuten länger und wir hätten einen Auswärtssieg in Dresden eingefahren."

Sein Trainer Michael Oenning dagegen ärgerte sich spürbar. Gleich zwei Mal unterbrach er seinen Kollegen Christian Fiel – halb im Spaß, halb ernst gemeint – während der Pressekonferenz, um darauf hinzuweisen, wie nah der FCM dem Sieg gewesen war. "Wir hätten uns belohnen können, weil wir die richtigen Antworten gegeben haben", sagte Oenning. "Wir wollten unseren Fans einen Sieg schenken. Wir waren kurz davor und deshalb ärgere ich mich sehr."

Wir waren hier ganz klar der Chef. Wir haben das Spiel gestaltet, wie wir wollten. Auch wenn Dynamo den Ball gut hat laufen lassen, reicht das nicht, um ein Spiel zu gewinnen.

Dennis Erdmann

"Nicht dominiert, aber kontrolliert"

Durchaus zurecht. Denn im Gegensatz zur desolaten Leistung gegen Sandhausen, wo der FCM eine komfortable Situation im Abstiegskampf hergeschenkt hatte, zeigte die Mannschaft wieder das Gesicht der ersten Wochen des Jahres: kämpferisch, mutig und zielstrebig. "Wir haben nicht dominiert, aber wir haben das Spiel kontrolliert", analysierte Oenning. 

Daran hatte die Rückkehr von Jan Kirchhoff einen nicht unerheblichen Anteil. Seine Präsenz im Mittelfeld gab seinen Mitspielern Sicherheit. Mit harten Zweikämpfen und zahlreichen Grätschen bewiesen die FCM-Kicker, dass sie verstanden hatten, worauf es im "Elb-Classico" ankommt.

Dynamo Dresden gegen den 1. FC Magdeburg in Bildern

Choreografie der Dynamo-Fans
Auch von den regnerisch miesen Witterungsbedingungen ließen sich die 30.500 Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion ihre Stimmung nicht verderben. Die Heimfans präsentierten eine beeindruckende schwarz-gelbe Choreo vor dem Anpfiff. Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner
Choreografie der Dynamo-Fans
Auch von den regnerisch miesen Witterungsbedingungen ließen sich die 30.500 Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion ihre Stimmung nicht verderben. Die Heimfans präsentierten eine beeindruckende schwarz-gelbe Choreo vor dem Anpfiff. Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner
Choreografie der Magdeburger Fans
Die Magdeburger tauchten ihren ebenfalls proppenvollen Gästeblock derweil in ein blau-weißes Fahnenmeer. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel
Magdeburgs Jan Kirchhoff foult Dynamos Baris Atik
Diese beeindruckende Atmosphäre steckte die Akteure auf dem Rasen an. Von Beginn an gab es heiße Zweikampfsituationen en masse - wie hier zwischen FCM-Kapitän Jan Kirchhoff und Baris Atik. Bildrechte: IMAGO
Dynamos Jannis Nikolaou foult Magdeburgs Felix Lohkemper
Auf beiden Seiten gab es je drei Gelbe Karten – diese hier nach dem Einsteigen von Jannis Nikolaou gegen den FCM-Aktivposten Felix Lohkemper hat Folgen. Es war Nikolaous fünfter Karton. Er wird der SGD in Aue fehlen. Bildrechte: imago images/Matthias Rietschel
Magdeburg erzielt das 0:1 durch Marius Bülter
Zwar kamen kein dauerhafter spielerischer Glanz und nur wenige Großchancen zustande, aber Björn Rothers Führungstor war von Michel Niemeyer und Marius Bülter wunderbar vorbereitet. Bildrechte: imago images/Matthias Rietschel
Torjubel Magdeburg nach dem Tor zum 0:1 durch Björn Rother
Kollektiver Jubel in Blau-Weiß vor der eigenen Fankurve nach dem Führungstreffer. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel
Spruchband vor dem K-Block: "4 LIGEN, 4 MEISTER, 4 AUFSTEIGER - REGIONALLIGAREFORM JETZT!"
Klares Statement des K-Blocks zur anstehenden Strukturreform: "4 LIGEN, 4 MEISTER, 4 AUFSTEIGER - REGIONALLIGAREFORM JETZT!" Bildrechte: imago/Dennis Hetzschold
Charles Elie Laprevotte und Patrick Möschl
Charles Elie Laprevotte entschuldigt sich beim aufgebrachten Patrick Möschl (r.) für ein ziemlich rüdes Einsteigen, das dem Magdeburger zu Recht die Gelbe Karte einbrachte. Bildrechte: imago images/Eibner
Baris Atik, Philip Tuerpitz und Michel Niemeyer
Die Kreise von SGD-Offensivmann Baris Atik waren – wie hier von Philip Türpitz und Michel Niemeyer – oft bestens abgeschirmt. Dennoch sollte sich der Dresdner in der 86. Minute ein entscheidendes Mal absetzen können ... Bildrechte: imago images/Eibner
Lucas Röser köpft zum 1:1 Endstand
... um den eingewechselten Lucas Röser mit einer punktgenauen Eingabe zu bedienen, die dieser aus Nahdistanz ins rechte Eck einnickte. Bildrechte: imago/Matthias Rietschel
Dresdens Cheftrainer Cristian Fiel bei Torschütze Lucas Röser nach Abpfiff
Cristian Fiel wusste, bei wem er sich nach Abpfiff bedanken musste. Der Cheftrainer umarmt Torschütze Röser. Bildrechte: IMAGO
Magdeburgs Spieler nach Spielende vor dem Gästeblock
Trotz des späten Punktverlustes spendeten die Magdeburger Fans den Spielern nachher viel Beifall. Bildrechte: imago images/Dennis Hetzschold
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FCM zerstört Dynamo-Matchplan

Dynamo-Coach Fiel monierte anschließend, "dass wir nicht das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben, um zu gewinnen." Eigentlich sollten seine Spieler schnell die Seiten verlagern, um so Räume zu schaffen. Weil die Dresdener statt langen Flügelwechseln aber eher Kurzpässe zum Nebenmann spielten und Magdeburg geschickt verschob, kam dieses Mittel kaum zum Tragen. 

Offensiv rückte Marius Bülter beim FCM in den Sturm und vertrat den nach wie vor verletzten Christian Beck als robuster Zielspieler. In der vergangenen Woche war ein Versuch mit Steven Lewerenz auf dieser Position misslungen. Diesmal ging der Plan auf. Bülters Platz als Rechtsverteidiger übernahm Björn Rother.

Pech bei Schiedsrichterentscheidungen

Aus einer stabilen Abwehr heraus kam der FCM immer wieder zu Möglichkeiten. Diese endeten jedoch oft mit einem Pfiff des Schiedsrichters, der ungewöhnlich oft auf Abseits entschied. Nicht immer lag er dabei richtig, beim nichtgegeben Treffer von Lohkemper aber durchaus. Der FCM ließ sich davon nicht beeindrucken und spielte über Außen weiter konsequent in die Tiefe. Einer dieser Angriffe führte kurz vor der Pause schließlich zum Tor. Niemeyer schickte Bülter, der den mitgelaufenen Rother bediente.

In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild. Dynamo spielte etwas gefälliger, brachte aber – vom Tor abgesehen – wenig Zwingendes zustande. Dennis Erdmann fasste es wie folgt zusammen: "Wir waren hier ganz klar der Chef. Wir haben das Spiel gestaltet, wie wir wollten. Auch wenn Dynamo den Ball gut hat laufen lassen, reicht das nicht, um ein Spiel zu gewinnen."

Der FCM lauerte auf die Entscheidung, hatte bei seinen Vorstößen aber kein Glück. Und nach einem Treffer von Timo Perthel einmal mehr Pech mit dem Schiedsrichter. Der entschied auf Handspiel, doch das Tor hätte zählen müssen.

"Auftreten hat gestimmt"

So erklärten sich dann auch die Reaktionen nach dem Schlusspfiff. Geschäftsführer Mario Kallnik zum Ergebnis: "Mit dem Punkt können wir absolut nicht zufrieden sein. Aber heute hat zumindest das Auftreten wieder gestimmt." In den vergangenen Tagen hatten er und Sportchef Maik Franz den Spielern in zahlreichen Gesprächen noch einmal den Ernst der Lage verdeutlicht.

Weil Sandhausen 4:0 gegen St. Pauli gewann, ist der FCM auf den Relegationsrang abgerutscht. Der Weg zum Klassenerhalt bleibt ein steiniger für den 1. FC Magdeburg. Und er kann nur gelingen, wenn die Mannschaft jedes Spiel wie das Derby in Dresden angeht. Das sollte spätestens jetzt allen Beteiligten klar sein.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. März 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2019, 10:56 Uhr

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4 Kommentare

18.03.2019 19:33 Blau 4

Das war auch nicht gegen Sachen-Anhalt mdr, sonder an die vielen Schreiber, die immer was für oder gegen den 1FCM geschrieben haben, denn Sommerpause ist noch nicht im Fußball. Ich vermisse Euere Meinung, egal in welche Form.

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir nehmen Ihre Kritik auf.

18.03.2019 13:59 Blau 3

Habt ihr Kommentater den 1FCM schon abgeschrieben und sieht ihr den 1FCM schon in die 3 Bundesliga, dann schweigt Weiter oder gibt es unter euch noch echte Fans die noch an den 1 FCM glauben?

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Unser Autor hat den 1. FCM weder abgeschrieben noch sind wir als Journalisten Fans von irgendeinem Verein. Wir berichten über das aktuelle Geschehen und analysieren es.

17.03.2019 13:04 Blau 2

Das war mal ein gutes Spiel, nur an die Verteidigung muss noch dran gearbeitet werden und, wenn St. Pauli ihre Hausaufgaben richtig gemacht hätten, wären wir ein Stück Abstieg entfernt gewesen.

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