Magdeburg Fans
Mit einer sehenswerten Choreografie eröffneten die Magdeburger Fans die Pokalpartie. Bildrechte: IMAGO

FCM-Fans am Pokalabend Auf dem Weg an die Spitze Europas

Sportlich hat der 1. FC Magdeburg gegen Borussia Dortmund die Grenzen aufgezeigt bekommen. Doch die blau-weißen Fans beeindruckten und ließen auch die Europapokal erfahrenen Gäste staunen. Ihr Auftritt war der vorläufige Höhepunkt einer langen Entwicklung.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Magdeburg Fans
Mit einer sehenswerten Choreografie eröffneten die Magdeburger Fans die Pokalpartie. Bildrechte: IMAGO

Es gibt ein Gefühl, das tief in der Magdeburger Fanseele verankert ist. Den Glauben, zumindest im eigenen Stadion jeden Gegner der Welt schlagen zu können. Verbunden mit der Idee, dass man noch immer zu den besten Mannschaften Europas gehört – oder zumindest eines Tages wieder gehören wird. Seit dem Europapokalsieg von 1974 ist dieses Gefühl grundsätzlicher Bestandteil der kollektiven Magdeburger Fanidentität. Selbst die dunkelsten Zeiten in den Niederungen des Amateurfußballs konnten es nicht auslöschen. Das Phänomen hat sogar einen eigenen Namen: der "Magdeburger Größenwahn".

Aber Gefühl hin, Größenwahn her: Dass es bis zur Spitze Europas oder auch nur ins obere Drittel der Bundesliga noch ein sehr weiter Weg ist, hat der FCM am Dienstagabend eindrucksvoll bewiesen bekommen. Im DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund, aktuell Tabellenführer der Bundesliga, Pokalsieger und irgendwo europäisches Mittelmaß, waren die Blau-Weißen chancenlos. Das 0:5 war eine Lehrstunde in Sachen Spielwitz, Präzision und Kaltschnäuzigkeit. Magdeburg kämpfte leidenschaftlich, verteidigte gut und kam doch nicht mal in die Nähe einer Sensation. Auch FCM-Kapitän Marius Sowislo musste anschließend zugeben: "Wir konnten uns mit einem Bundesligisten messen, aber wir haben gesehen, es ist noch ein kleines Stück bis dahin."

Großartige Reaktion der Fans

Doch während die Mannschaft auf dem Platz meist hinterherlief, trug sich auf den Rängen Erstaunliches zu. Denn die Fans erreichten an diesem Abend tatsächlich europäisches Format. Das lag nicht vorwiegend an der Choreografie vor dem Spiel, die zwar schick, aber auch nicht unbedingt etwas Neues war. Sondern eher am Verhalten der Anhänger, als die Mannschaft bereits hoch zurück lag.

Klar, bei einem engeren Spielverlauf wäre sicher noch etwas mehr Lautstärke möglich gewesen. Doch die blau-weißen Fans standen in großartiger Weise zu ihrer Mannschaft. Nach dem Abpfiff wurden die Spieler noch minutenlang gefeiert – der 0:5-Niederlage zum Trotz.

Fans schwenken auf einer Tribüne in einem Fußballstadion ihre Schals.
Trotz der 0:5-Niederlage feierten die FCM-Fans noch lange ihre Mannschaft. Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Ritterschlag von Dortmunds Trainer

Eine solche Bindung zwischen Verein und Fans ist etwas Besonderes. Auch dass das ganze Stadion über weite Teile des Spiels die eigenen Helden dermaßen laut unterstützt, wie es in Magdeburg der Fall ist, findet man auf dem ganzen Kontinent nur sehr selten. Den Ritterschlag für diese Atmosphäre gab es nach dem Spiel von BVB-Trainer Peter Bosz.

Ich bin noch nicht so lange in Dortmund. Und ich genieße, was unsere Fans machen, auch heute wieder. In Dortmund, mit 80.000 Leuten ist das wirklich unglaublich. Aber was ich heute hier gesehen habe, mit den Fans, die hinter der Mannschaft von Magdeburg standen, das war auch sehr beeindruckend.

Peter Bosz, Trainer Borussia Dortmund

Stetige Entwicklung seit 2012

Dieses Lob am Dienstagabend ist der vorläufige Höhepunkt einer stetigen Entwicklung im Magdeburger Stadion. Es ist noch gar nicht lange her, da verirrten sich knapp 2.000 Zuschauer in die Arena. Mit bunten Pfeilen bewaffnet, versuchten sie 2012, ihrer chronisch erfolglosen Mannschaft den Weg zum Tor zu weisen. Der Zuspruch steigerte sich in den Folgejahren zunächst langsam. 2014 übernahm Jens Härtel das Traineramt. Im anschließenden Aufstiegskampf war es dann allmählich wieder angesagt, zum Club zu gehen. Immerhin 8.500 kamen im Schnitt zu den Heimspielen in der Aufstiegssaison.

In diese Zeit fällt auch ein Landespokalspiel gegen den Halleschen FC. Drittligist HFC gewann schließlich gegen den Regionalligisten FCM im Elfmeterschießen. Ein paar Tage später spielte der FCM gegen Bautzen. In einem Ultra-Fanheft, das hinter dem Stadion verteilt wird, wurde die Stimmung gegen Halle als "aberwitzige Bewerbung um die beste Fanszene Europas" gefeiert. Zum damaligen Zeitpunkt eine maßlose Übertreibung. Magdeburger Größenwahn eben. Doch mit diesem Text wurde eine Zielstellung formuliert und was seitdem passierte, hätten sich wohl selbst die größenwahnsinnigsten Fans nicht träumen lassen.

Fans des 1. FC Magdeburg
Seit 2015 hat der Magdeburger Fanblock eine erstaunliche Entwicklung genommen. Bildrechte: IMAGO

Härtel: "Wollen jetzt zurückzahlen"

Die Magdeburger Fanszene entwickelte sich in den vergangenen Jahren stetig weiter. Mit immer neuen Elementen gelang es immer wieder, alle Tribünenbereiche in die Unterstützung der Mannschaft einzubeziehen. Mittlerweile gehören die minutenlangen Wechselgesänge zum Standardprogramm im Magdeburger Stadion, ohne dass sie etwas von ihrer Wucht und ihrem Zauber verloren haben. Die FCM-Spieler betonen regelmäßig, wie sehr sie diese Atmosphäre genießen und wie sehr sie ihnen hilft. Umgekehrt beschreiben gegnerische Spieler immer wieder die einschüchternde Wirkung, die diese Stimmung auf sie hat.

Was die Unterstützung durch die Fans angeht, ist der 1. FC Magdeburg mittlerweile tatsächlich in der europäischen Spitze angekommen. Auch Trainer Härtel ist begeistert, wenn er über die Anhänger spricht.

Meinen Glückwunsch zu dem, was die Fans hier abgeliefert haben. Was sie für eine Super-Choreo gemacht haben und auch wie sie die Mannschaft brutal unterstützt haben, als es 0:4 oder am Ende 0:5 stand. Das verdient großen Respekt.

FCM-Trainer Jens Härtel

Der Trainer weiß am besten, dass es noch ein sehr weiter Weg ist, bis seine Mannschaft auch sportlich in solche Sphären vorstoßen kann. Ab Sonntag heißt die Realität erstmal wieder 3. Liga. Ohnehin hatten ja schon vor dem Dortmund-Spiel alle beim FCM betont, dass der Fokus ganz klar auf der Liga läge. Nun gilt es das zu beweisen. Dabei will der FCM natürlich zurück in die Erfolgsspur. Trainer Härtel hat aber noch ein weiteres Ansinnen. Er möchte auch die Treue der Fans belohnen. Er wisse, dass man solche Unterstützung nicht überall habe, sagt er und ergänzt: "Ich hoffe, wir können es in den nächsten Tagen zurückzahlen."

Richard Weil (Magdeburg, 37) und Jens Härtel (Magdeburg, Trainer) stehen im Stadion.
Jens Härtel (rechts) ist dankbar für die Unterstützung und will nun zurückzahlen. Bildrechte: imago/foto2press

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 08:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

33 Kommentare

27.10.2017 14:31 Realist 33

1. Aue (wenn das Stadion fertig ist.)
2. DD
3. Union
4. Magdeburg
5. Hansa
6. RBL
7. BSG Chemie
8. Cottbus
9. FSV Zwickau
10 . CZ Jena
.....

27.10.2017 14:26 Babelsberger 32

@ MDR : "Ritterschlag von Dortmunds Trainer"??? Das hat der 1.FC Magdeburg und seine Fans nicht nötig! Wir sind die größten der Welt! Wir haben bereits 74 einen Titel geholt, den der BVB nie haben wird! Dem BVB müsste es peinlich sein, dass die aktive gelb/schwarze Fanszene sich versucht hat bei einem 3.Ligisten ins Gespräch zu bringen. Ganz ehrlich von einem Bundesligisten hätte ich mir mehr support erwartet! Aber auch der Support bei den Magdeburger´n war leider nicht überragend, da es doch einige Leute im Rund gab die nicht mitgemacht haben... BWG aus BB

27.10.2017 14:24 Kernbergecho 31

Tach Konstanze, so schwer ist es doch eigentlich nicht, den fundamentalen Unterschied zu identifizieren zwischen der Gründung eines Fußballclubs, der einer Stadt und den Menschen einer Region gewidmet ist einerseits und der Etablierung eines neuen Standorts durch einen Global Player nach aktueller Martlage andererseits.
Zum Erkenntnisgewinn führt die alte Frage nach dem letztlich Zweck des Unternehmens.
Anders: Ein FCM wird für seine Investitiospolitik nie Entwicklungen in der arabischen oder fernöstlichen Welt in Erwägung ziehen, das kann für RB nur behaupten, wer naiv ist.
Wünsche weiterhin angenehme Unterhaltung