Teams kommen auf den Platz Pyrotechnik im Fanblock vom 1. FC Magdeburg im Hintergrund.
Beim bislang letzten Duell 2016 wurde Pyrotechnik auf beiden Seiten gezündet. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

FCM gegen Dynamo – das Fan-Duell Wenn die "Größten der Welt" die "Legende" empfangen

1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden – dieses Duell birgt seit jeher auch abseits des Fußballplatzes eine große Brisanz. Inzwischen eint die Ultras jedoch ein gemeinsames Feindbild. Wie die Fanszene des FCM dem Heimspiel gegen den alten Rivalen entgegenblickt.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Teams kommen auf den Platz Pyrotechnik im Fanblock vom 1. FC Magdeburg im Hintergrund.
Beim bislang letzten Duell 2016 wurde Pyrotechnik auf beiden Seiten gezündet. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Das letzte Aufeinandertreffen geriet fast zur Schlacht. Auf dem Rasen sicherte sich Dynamo Dresden am 16. April 2016 mit einem 2:2 beim 1. FC Magdeburg den Zweitliga-Aufstieg. Doch was abseits des Grüns und außerhalb der MDCC-Arena geschah, war alles andere als feierlich: Randale, Hass, Gewalt – eine der hässlichen Fratzen der Fußballwelt.

Nun treffen beide Mannschaften erstmals seitdem wieder aufeinander. Dynamo gastiert am Sonnabend ab 13 Uhr beim FCM. Sportlich ist es das Duell des Achten beim Vierzehnten der zweiten Bundesliga – doch für die Anhänger beider Klubs bedeutet der Clásico des Ostfußballs so viel mehr.

Polizei-Hunderschaften, Wasserwerfer und Hubschrauber

Matthias Niedung vertritt die Fans im Aufsichtsrat des 1. FC Magdeburg. Den "Block U", die Ultragruppierung des FCM, bezeichnet der 35-Jährige als seine Heimat. Er weiß um die Bedeutung des Duells mit Dynamo Dresden: "Die beiden Fanlager verbindet aus Tradition die Abneigung, vor allem aufgrund der sportlichen Rivalität zu DDR-Zeiten und den Aufeinandertreffen in der Nachwendezeit", sagt Niedung. Doch er relativiert: "Vom Denken, Auftreten und Handeln trennt die Größten der Welt von der Legende aus Elbflorenz in vielen Dingen nicht einmal ein Blatt Papier." Das sei in den vergangenen Jahren durch persönlichen Kontakte und den gemeinsamen Fandialog deutlich geworden.

Matthias Niedung FCM
Bildrechte: MDR/Daniel George

Vom Denken, Auftreten und Handeln trennt die Größten der Welt von der Legende aus Elbflorenz in vielen Dingen nicht einmal ein Blatt Papier.

Matthias Niedung, Fanvertreter im Aufsichtsrat des FCM

Die Fanszenen aus Magdeburg und Dresden suchen im Osten ihresgleichen. "Da gibt es nur noch Hansa Rostock, deren Fans ähnlich strukturiert und aussdrucksstark agieren", sagt auch Christian Oberthür, Vorstand der Fanhilfe Magdeburg. "Die direkten Aufeinandertreffen sind immer Gradmesser der aktuellen Entwicklung, in denen versucht wird, sich bestmöglich zu präsentieren." Die Rivalität zwischen den Vereinen würde sich "durch alle Ebenen des Fan-Daseins" ziehen. Das Sicherheitsrisiko schätzt die Fanhilfe dennoch als "überschaubar" ein.

Etwa 2.300 Dynamo-Fans werden am Sonnabend in Magdeburg erwartet. Das Stadion ist ausverkauft. 23.000 Tickets wurden insgesamt abgesetzt. Die Polizei wird mit mehreren Hundertschaften aus drei Bundesländern vertreten sein. Hubschrauber sollen das Geschehen beobachten. Wasserwerfer stehen bereit. Christian Oberthür sagt: "Dass die Polizei es sich nicht nehmen lassen wird, das Spiel wieder als Testballon für den kommenden Aufstand zu initiieren, ist erwartbar." Eine Aussage, die verdeutlicht, wie ramponiert das Verhältnis zwischen Fans und Polizei ist.

"Das städtische Bild wird am Samstag wieder von Wasserwerfern, Polizeihubschraubern und im Idealfall Räumpanzern, wie gegen den MSV Duisburg, geprägt sein", sagt Oberthür. "Davon hat eigentlich niemand was, außer dass die eventuellen Risikogruppen für polizeiliche Interventionen mit einer enormen Bedrohungskulisse empfangen werden. In diesem Zusammenhang müssen wir leider auch vor unserer eigenen Haustür kehren und hoffen, dass die Sicherheitsvorkehrungen seitens des Vereins fan- und gastfreundlich gestaltet sind. Ein Disaster wie 2016 darf sich nicht wiederholen."

FCM gegen Dynamo Die hässliche Seite des Ostduells

Spruchband "Scheiss Dynamo" im Fanblock vom 1. FC Magdeburg.
Beide Fanszenen halten sich mit Beleidigungen nicht zurück – hier ein Banner aus dem "Block U". Bildrechte: IMAGO
Spruchband "Scheiss Dynamo" im Fanblock vom 1. FC Magdeburg.
Beide Fanszenen halten sich mit Beleidigungen nicht zurück – hier ein Banner aus dem "Block U". Bildrechte: IMAGO
Dresdner Fans hängen ein Spruchband mit der Aufschrift: HALLO MAGDEBURG DU SCHEISS VEREIN hoch.
Und auch die Dynamo-Fans im "K-Block" machen deutlich, was sie vom FCM halten. Bildrechte: imago/foto2press
Fans von SG Dynamo Dresden versuchen die Polizeiabsperrung zu durchbrechen.
Beim bislang letzten Aufeinandertreffen 2016 mussten Dynamo-Anhänger draußen bleiben. Es kam zu Randalen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Fans vom 1. FC Magdeburg versuchen in den Fanblock von SG Dynamo Dresden zu kommen.
Auch im Stadion eskalierte die Situation. Hooligans mit Bezug zum FCM provozierten in Richtung Gästebereich. Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Fans von Dynamo Dresden.
Auch die Dresdner Ultras zeigten Gesichter voller Hass. Bildrechte: imago/Steffen Kuttner
Geschäftsführer Ralf Minge (Dresden) im Disput mit einem Ordner.
Dresdens Geschäftsführer Ralf Minge geriet beim Versuch, den eigenen Anhang zu beruhigen, mit Ordnern aneinander. Bildrechte: IMAGO
Fans von Magdeburg und Dynamo Berlin während des Spiels auf dem Rasen. Ein Ordner (m.) versucht die vom Spielfeld zu drängen.
Zwei augenscheinliche Hooligans rannten mit einem Spruchband auf das Spielfeld und mussten von den Ordnern verdrängt werden. Bildrechte: imago/Picture Point LE
Fans des BFC auf der Haupttribüne beschwören den Zusammenhalt zwischen Anhängern des BFC und des 1. FC Magdeburg.
Dasselbe Banner, das die Verbindung von Alt-Hooligans des FCM und des BFC Dynamo beschwört, tauchte kürzlich bei einem Spiel des BFC Dynamo auf. Bildrechte: IMAGO
Zaunfahne der Dynamofans - Dynamo Fans gegen den 1.FCM.
Beim Auswärtsspiel in Bochum zeigten die Dresdner Anhänger vor zwei Wochen dieses Banner. Bildrechte: imago/Steffen Kuttner
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Einlass der Gästefans im Fokus

700 Fans aus Dresden wurden am 16. April 2016 nicht in die MDCC-Arena gelassen. Zahlreiche Anhänger hätten damals über ungültige Eintrittskarten verfügt und dennoch versucht, gewaltsam in den Gästeblock zu gelangen, erklärte der FCM. Es kam zu Tumulten, zahlreichen Verletzten, Hausverboten. Ein Verpflegungsstand sei ausgeraubt und zerstört worden. Die Polizei ging dagegen vor, sprühte Pfefferspray in die Menge. Auch Dynamo-Fans mit gültiger Eintrittskarte mussten draußen bleiben.

"Im Nachgang wurde eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des 1. FCM und der Fanszene gebildet, die einen Leitfaden zur Verbesserung des Zugangs zum Gästeblock formulierten", erklärte die Fanhilfe nun in einem öffentlichen Schreiben. "Der Leitfaden wurde bisher jedoch lediglich in Teilen von der Polizei übernommen, weswegen es fortwährend zu Problemen beim Einlass der Gästefans kommt." Aus diesem Grund werde es am Sonnabend ein Novum beim erneuten Aufeinandertreffen beider Klubs geben: Die Fanhilfe hat erstmals eine Landtagsabgeordnete zur Beurteilung der Einlasssituation am Stadion eingeladen. Kristin Heiß (Die Linke) wird Fußballfans aus Magdeburg und Dresden im Heinz-Krügel-Stadion begleiten, heißt es.

"Der 1. FC Magdeburg hat frühzeitig mit der SG Dynamo Dresden und deren Fanbeauftragten den Dialog gesucht und alles mögliche in Bewegung gesetzt, um einen Verlauf wie beim letzten Aufeinandertreffen zu verhindern", sagt Aufsichtsratmitglied Matthias Niedung. "Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten trotz der Brisanz des Ostduells die nötige Ruhe und gegenseitig das Vertrauen aufbringen, um sicherzustellen, dass alle, die das Spiel sehen wollen, es auch sehen können."

Gemeinsam gegen den DFB

Bereits zu Wochenbeginn warf das Spiel seine Schatten voraus: In der Nacht zu Dienstag wurden in Magdeburg eine Vielzahl von Schmierereien im gesamten Stadtgebiet entdeckt. Sie richteten sich gegen die Polizei und vor allem Dynamo Dresden. Im Internet kursieren seit Tagen beleidigende Spruchbänder oder Fotomontagen. Und dennoch: Die Fanszenen aus Magdeburg und Dresden verbindet seit geraumer Zeit, wie alle Ultras Deutschlands, ein gemeinsames Feindbild – der Deutsche Fußball-Bund (DFB).

Beide Fanszenen beteiligen sich seit Jahren an bundesweiten Protestaktionen gegen den Verband. Sie sprechen sich für Fanrechte und gegen Kommerzialisierung aus. Die Gespräche zwischen DFB und Deutschlands Ultragruppierungen wurden zuletzt allerdings von Fanseite beendet. Die Fronten sind verhärtet. "Der Aufkündigung der Gespräche zu dem damaligen Zeitpunkt pflichten wir bei, da die Differenz zwischen der Basis und Verantwortlichen schlicht zu groß ist", sagt Christian Oberthür. "Die Welt und Konten der Bosse und Funktionäre hat nichts mit der unseren zutun und die nächsten Kämpfe stehen schon an: Stichwort EM 2024."

Die Welt und Konten der Bosse und Funktionäre hat nichts mit der unseren zutun.

Christian Oberthür, Vorstand der Fanhilfe Magdeburg

Die Abneigung gegen den DFB verbindet Dresdner und Magdeburg – so weit das möglich ist. "Die aktiven Fans beider Vereine, ob Ultra oder nicht, arbeiten auf Sachebene zusammen", sagt Christian Oberthür. "Die Fanhilfe Magdeburg sowie die Schwarz-Gelbe Hilfe Dresden setzten sich gemeinsam und solidarisch für die Rechte von Fußballfans ein und tauschen sich hierzu aus." Und auch Matthias Niedung erklärt: "Der gemeinsame Fandialog hat auf beiden Seiten zu einem wahrnehmbaren Respekt dem Anderen gegenüber geführt. Bleibt zu wünschen, dass dieser Respekt auch an den Derbyspieltagen und bei aller Rivalität, über allem steht."

Der "Block U" hat sich für den Sonnabend in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern eine besondere Fan-Aktion überlegt: Für 35 Euro wird hinter der Nordtribüne vor dem Spiel eine Jacke zu erwerben sein. Eine einmalige Aktion. "Das Bild im Stadion wird für sich sprechen", blickt Matthias Niedung auf den Tag voraus, an dem die Größten der Welt die Legende aus Elbflorenz empfangen.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2018, 20:42 Uhr

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29 Kommentare

07.10.2018 11:15 Steuerzahler 29

warum Hetzen und Verleumden vom # 26 freigeschaltet und damit verbreite wird ist ebenso unverständlich wie Gefasel der größten der Welt; statt die Verursacher finanziell und materiell verantwortlich zu machen, statt GEZ und Steuergelder zu verschleudern. Die Vereine sollten prinzipiell Polizeieinsätze bezahlen müssen und die Mittel dafür auf die Stadienpreise aufrechnen. Wer ab 80 statt 3,50 € bezahlt überlegt es sich zu randalieren und die hochauflösenden Kameras sollten jeden Täter enttarnen und schnellsten dingfest machen

07.10.2018 10:53 Bayern FAN 28

nach Stuggi's Trennung vom türkischen Trainer telefoniert unser Präsens mit Kaiser und Kalle. Jupp geht nicht an Telefon und elbestädter Provinzkrakehler halten sich für Fußballnabel ohne Schalker und BVB Legenden zu kennen, die Kristin Heiß sich vllt. aneignet und vermitteld zu wirken.

07.10.2018 08:30 Gill 27

@23 bzw. @ mdr seit wann spielt Halle 96 in der Liga 3.????

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Spielen sie nicht. Warum fragen Sie uns das?