1.FC Magdeburg - SSV Jahn Regensburg emspor, v.l. Charles Elie Laprevotte (Magdeburg, 23), Alexander Brunst (Magdeburg, 30), Marcel Costly (Magdeburg, 9), Steffen Schäfer (Magdeburg, 14), Tarek Chahed (Magdeburg, 24), Felix Lohkemper (Magdeburg, 7), Joel Abu Hanna (Magdeburg, 20) enttäuscht, schaut enttäuscht, niedergeschlagen
Nach den Spielen der Hinrunde waren die FCM-Spieler oft enttäuscht. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Vorletzter zur Winterpause FCM mit Bilanz eines Absteigers

Gute Spiele, schlechte Ergebnisse – die Bilanz des 1. FC Magdeburg zur Winterpause fällt ernüchternd aus. In der jetzigen Form ist der Klassenerhalt in der 2. Bundesliga kaum zu schaffen. Doch noch gibt es Hoffnung für den FCM. Einschätzungen von Oliver Leiste.

1.FC Magdeburg - SSV Jahn Regensburg emspor, v.l. Charles Elie Laprevotte (Magdeburg, 23), Alexander Brunst (Magdeburg, 30), Marcel Costly (Magdeburg, 9), Steffen Schäfer (Magdeburg, 14), Tarek Chahed (Magdeburg, 24), Felix Lohkemper (Magdeburg, 7), Joel Abu Hanna (Magdeburg, 20) enttäuscht, schaut enttäuscht, niedergeschlagen
Nach den Spielen der Hinrunde waren die FCM-Spieler oft enttäuscht. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Dennis Erdmann musste nicht lange überlegen. Ein Reporterkollege hatte ihn nach der Partie in Köln gefragt, wie es denn sein könne, dass der FCM so tief im Tabellenkeller steht, obwohl die Mannschaft doch fast immer gut spiele. "Die Sache ist relativ einfach", antwortete Erdmann. "Wenn wir jedes Spiel durchzählen, kommen wir in der Summe nur auf elf Punkte. Und deswegen stehen wir da unten. Am Ende steht das Ergebnis", so der Verteidiger.

Und dieses Ergebnis ist aus Sicht des 1. FC Magdeburg verheerend. Elf Punkte hat die Mannschaft von Michael Oenning in der Hinrunde geholt, im Schnitt 0,6 pro Spiel. In 18 Spielen gelang nur ein Sieg. Mit 35 Gegentoren ist die FCM-Abwehr die schlechteste der Liga – gemeinsam mit Ingolstadt. Die Bilanz der Blau-Weißen zur Winterpause ist die eines Absteigers. So klar muss man es formulieren.

Mäßiger Angriff, schwache Abwehr

Die Gründe für die Misere sind hinlänglich bekannt. Im Angriff ist die Mannschaft zu harmlos. In den meisten Spielen hatte der FCM zahlreiche gute Möglichkeiten, konnte aber nur zu wenige davon nutzen. Einzig Torjäger Christian Beck präsentierte sich als konstant treffsicher – wieder einmal. Dabei sind die 20 erzielten Tore kein schlechter Wert. Im Ligavergleich hat die Hälfte der Teams eine ähnliche Ausbeute. Der Hamburger SV ist mit nur 24 Toren sogar Herbstmeister. Doch beim FCM hätten es eben durchaus ein paar mehr sein können. Dann sähe die tabellarische Situation wahrscheinlich freundlicher aus.

Christian Beck (Magdeburg, 11) erzielt das Tor zum eins zu null für den 1. FC Magdeburg.
Acht Mal traf Christian Beck (Mitte) bislang in dieser Saison. Damit gehört er zu den besten Torjägern der 2. Bundesliga Bildrechte: imago/Jan Huebner

Das weitaus größere Problem ist die Defensive. Kleine Fehler, etwa Rico Preißingers Foul vor dem Elfmeter für Sankt Pauli, und folgenschwere Aussetzer wechselten sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Die beiden Torhüter Jasmin Fejzić und Alexander Brunst waren genauso betroffen wie nahezu alle eingesetzten Defensivspieler. Acht Mal führte der Club in dieser Saison, oft bis kurz vor Schluss. Nur ein einziges Mal konnten die FCM-Spieler diese Führung über die Zeit bringen – beim 1:0-Erfolg in Sandhausen. Im Einzelfall mag es Unaufmerksamkeit gewesen sein oder sogar Pech. In der Summe fehlt über die Hinrunde gesehen aber auch hier die Qualität, um in der 2. Bundesliga zu bestehen. Für eine Mannschaft, die sich lange über ihre Defensivstärke definierte, ist das besonders bitter.

Trainerwechsel verpufft

Der 1. FC Magdeburg verabschiedet sich mit zwei deftigen Niederlagen gegen Köln und Sankt Pauli in die Winterpause. Mit diesen beiden deutlichen Ergebnissen zum Schluss scheint es auch so, als sei der Effekt des Trainerwechsels von Jens Härtel zu Michael Oenning verpufft.

Natürlich war es eine undankbare Situation für Oenning, gegen fünf Gegner zu starten, die zu den stärkeren der Liga zählen. Aber zwei Punkte aus fünf Spielen und ein Torverhältnis von 4:11 sprechen nicht unbedingt für eine Verbesserung – auch wenn es die spielerisch zweifellos gab. Andererseits gab es auch unter Jens Härtel Phasen, in denen der FCM dominierte, ohne dass zählbarer Ertrag dabei heraussprang. Stand heute hätte man sich den Trainerwechsel also sparen können.

Magdeburgs Trainer Michael Oenning
Trainer Michael Oenning ist bislang sieglos beim FCM. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Nichtsdestotrotz war es legitim von Geschäftsführer Mario Kallnik und Sportchef Maik Franz, diese Karte zu spielen. Es war ihre einzige Chance, auf die schlechten Ergebnisse in der Hinrunde zu reagieren. Im Nachhinein gibt die Entwicklung aber Jens Härtel recht – denn Michael Oenning hat gezeigt, dass er aus den vorhandenen Spielern auch keine erfolgreichere Mannschaft zaubern kann. Die Probleme jetzt sind die selben wie bei seiner Amtsübernahme vor sechs Wochen.

Management muss lernen

Damit ist klar, dass der Verein im Winter reagieren muss, wenn er die Chance wahren will, auch in Zukunft in der 2. Bundesliga zu spielen. In eigentlich allen Mannschaftsteilen sind Verstärkungen notwendig. Damit diese Verpflichtungen gelingen, müssen aber auch Kallnik und Franz ein neues Level erreichen.

Die Arbeitsabläufe des Managements sind in allen Spielklassen des Profifußballs vergleichbar. Doch bei einem Aufstieg unterscheidet sich eben nicht nur die Qualität der Spieler, sondern auch die der Trainer und der sportlichen Führungen. Das hängt mit finanziellen Möglichkeiten zusammen, aber auch mit Erfahrungen und Netzwerken. Die Konkurrenz ist auf allen Ebenen größer. Kallnik und Franz arbeiten zum ersten Mal als Funktionäre auf diesem Niveau und müssen nun lernen, sich dort zu behaupten. Denn bisher ist ihre Idee einer FCM-Zweitligamannschaft nicht aufgegangen.

Zugänge funktionieren nicht

Es war eine nachvollziehbare Entscheidung, mit dem Großteil der erfolgreichen Drittligamannschaft in die Saison zu gehen. Punktuell verstärkt glaubte man, gut gerüstet zu sein für die 2. Bundesliga. Doch die Bilanz der neun Spieler, die im Sommer kamen, ist nicht sonderlich gut. Nur Marius Bülter konnte vollends überzeugen, Tobias Müller phasenweise. Romain Bregerie, Aleksandar Ignjovski und Rico Preißinger konnten aufgrund von Verletzungen nur teilweise helfen.

Im Gespräch - Assistent der Geschäftsführung Maik Franz (re.) und Sportdirektor Mario Kallnik (1. FC Magdeburg)
Der Kaderplan von Mario Kallnik (l.) und Maik Franz (Mitte) ist bisher nicht aufgegangen. Bildrechte: IMAGO

Jasmin Fejzić flog bereits nach vier Spielen aus dem Tor. Manfred Kwadwo und Joel Abu Hanna spielten bisher keine Rolle, Mergim Berisha wurde sogar schon wieder weggeschickt. Das ist in der Summe zu wenig, um in der Liga zu bestehen und dafür müssen sich Kallnik und Franz Kritik gefallen lassen. Ihre nächsten Verpflichtungen müssen besser passen, soll der Abstieg noch verhindert werden.

Was jetzt noch Hoffnung macht

  • Die Schwäche der Gegner

Der schlechten sportlichen Bilanz zum Trotz ist der Klassenerhalt für den 1. FC Magdeburg immer noch zu schaffen. Das liegt vor allen an den Gegnern Duisburg, Ingolstadt und Sandhausen, die ebenfalls weit hinter ihren Erwartungen liegen. Aktuell hat der FCM als 17. nur zwei Punkte Rückstand auf Platz 15. Alle anderen Mannschaften sind schon weit enteilt, so dass es realistisch nur noch darum gehen kann, den 15. Platz zu erreichen. Dafür bedarf es aber einer überdurchschnittlichen Rückrunde.

Seit Einführung der 3. Liga vor zehn Jahren brauchten die Mannschaften in Liga 2 meist mehr als 35 Punkte für den sicheren Klassenerhalt und selbst für den Relegationsplatz. Das würde bedeuten, dass der FCM nun 24 oder mehr Punkte in der Rückrunde holen muss – im Schnitt mehr als doppelt so viele wie bisher. Womöglich reichen diesmal auch ein paar Punkte weniger. Die Schwäche der Gegner kann dem FCM helfen, seine Ziele zu erreichen. Darauf verlassen sollte er sich nicht.

  • Ein klares Ziel nach der Winterpause

In den ersten Wochen nach der Winterpause spielt der FCM gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Ein erfolgreicher Start kann schnell die Vorentscheidung zu Gunsten der Magdeburger bringen. Das klare Ziel kann helfen, sich in der Winterpause zu fokussieren und die Enttäuschungen der vergangenen Wochen abzuschütteln.

Michael Oenning hatte nun sechs Wochen Zeit, das Team kennenzulernen und wird wissen, wie er es verändern möchte. Wenn die sportliche Leitung ihm seine Wünsche erfüllen kann und er es schafft, die benannten Schwächen abzustellen, ist der Klassenerhalt möglich.

  • Der Rückhalt der Fans

Auch nach der 1:4-Pleite bei Sankt Pauli passt kein Blatt zwischen die Fans und ihre Mannschaft. Die Anhänger versuchten ihre niedergeschlagenen Lieblinge aufzumuntern. Trotz der wenigen Erfolge zuletzt stehen die Fans zum FCM und fahren ihm zu Tausenden hinterher. Auf die Unterstützung können sich die Spieler auch in der Rückrunde verlassen.

Weil sich zudem der Umbau der MDCC-Arena verzögert, können für den Großteil der Rückrunde alle ihre gewohnten Plätze einnehmen. Das ist gut für die Fans und sorgt dafür, dass die Atmosphäre im Stadion gewohnt lautstark sein wird. Natürlich können die Fans den drohenden Abstieg nicht eigenhändig verhindern – sie werden dem FCM aber helfen, es zu versuchen.

Magdeburger Fankurve
Die FCM-Fans stehen – wie hier in Köln – treu zu ihrer Mannschaft. Bildrechte: imago/Nordphoto
Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Dezember 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2018, 13:41 Uhr

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25 Kommentare

25.12.2018 12:46 Gerd Müller 25

woran lag es, Arbeitsverweigerung, Outfit (mit dem richtigen Dirndl [Muck] Zauberschuh) oder nur am schnödem Mammon. Da lob ich Freiburgs Verantwortliche mit sympathischem Trainer der Liga die sich nicht selbst beweihräuchern

25.12.2018 11:06 Platz 2 24

Noch 2 schöne Weihnachtsfeiertage wünsche ich allen anständigen Fans und vor allem allen MDR Mitarbeitern.
Bitte folgendes zu Herzen nehmen:
- Wir sind die Größten, schreiben die Magdeburger Fans. Bitte provoziert nicht mehr so stark und bessert euch!
- Ich wollte euch einfach mal den Spiegel vorhalten und habe die Tabelle deshalb auf den Kopf gestellt. Den MDR Mitarbeitern hat es nicht so richtig gefallen. In Zukunft werden sicherlich auch die "Größten" gemaßregelt?!

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Das werden sie zur Zeit ja ohnehin reichlich, oder?
Danke für die Grüße und schöne Weihnachten!

25.12.2018 03:43 Streich 23

Trainerwechsel ist meist unsinnig - Leverkusen erfolgreicher sympathetischer Heiko Herrlich - Tante Käthe kickt ihn kraft Wassersuppe (oder Kopf) einfach weg - Magdeburg wie Ikarus - wird es in der 3. guthaben oder zur Regionalliga durchgereicht