v.l. Soeren Bertram (Magdeburg, 20), Benjamin Kessel (Braunschweig, 5)
Der FCM hat zu Saisonbeginn eine Bruchlandung hingelegt. Bildrechte: Jan Huebner/Taeger

Niederlage gegen Braunschweig FCM-Neustart misslingt

Der FCM vergeigt den Saisonstart gegen Braunschweig – und scheitert vor allem in der ersten Halbzeit an den eigenen Fehlern. Von den Kernforderungen, die Trainer Krämer vor der Saison hatte, konnte das Team zum Auftakt nur wenige erfüllen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

v.l. Soeren Bertram (Magdeburg, 20), Benjamin Kessel (Braunschweig, 5)
Der FCM hat zu Saisonbeginn eine Bruchlandung hingelegt. Bildrechte: Jan Huebner/Taeger

Es scheint ein bisschen so, als würden sie im FCM-Stadion versuchen, den misslungenen Ausflug in die 2. Bundesliga aus dem Gedächtnis zu streichen. Vor dem Saisonstart wurde immer wieder betont, dass die Magdeburger Arena wieder zur Festung werden solle. Denn im Gegensatz zu den Drittligajahren kam die Heimstärke im Vorjahr gar nicht zum Tragen. Auf der Pressekonferenz vor dem ersten Spiel erklärte Sportchef Maik Franz den Klassenerhalt zum ersten Saisonziel. Eine Forderung, die für einen Absteiger aus Liga 2 etwas seltsam anmutet, die in den zurückliegenden Jahren beim FCM aber durchaus Tradition hatte. Denn auch in früheren Jahren hieß es, dass man erst 45 Punkte holen wolle, bevor man über neue Ziele spreche.

Zu guter Letzt waren beim Einlaufen der Mannschaften auf der Videowand Szenen aus dem Aufstiegsjahr 2018 zu sehen, während Sequenzen aus der Zweitligazeit fehlten. Neuanfang und Rückbesinnung auf Erfolge und eigene Stärken scheinen die Devise zu sein. Doch diese Herangehensweise ist im ersten Saisonspiel nicht aufgegangen. Der 1. FC Magdeburg verlor gegen Eintracht Braunschweig 2:4. Und ließ dabei auch einige Kernelemente, die der neue Trainer Stefan Krämer zuvor formuliert hatte, vermissen.

Naive Fehler 

"Wir wollen dem Gegner Stress machen", hatte Krämer im Verlauf der Vorbereitung immer wieder erklärt. Durch hohes Pressing sollen Umschaltmomente kreiert werden, die zu Torchancen führen. Davon war gegen Eintracht Braunschweig wenig zu sehen. Was vornehmlich daran lag, dass die Niedersachsen in der ersten Halbzeit so gar nicht auf Ballbesitz aus waren. Statt, wie in der 3. Liga oft praktiziert, hoch anzulaufen, zogen sich die Braunschweiger weit zurück und griffen erst zehn Meter hinter der Mittellinie an. So kam es, dass die FCM-Defensive sehr viel Ballbesitz hatte, dieser aber kaum nennenswerten Ertrag brachte.

Das Ziel der Gäste wurde schon früh im Spiel offensichtlich. Mit ihren beiden eng stehenden Viererketten lauerten sie auf Fehlpässe, um dann ihrerseits schnell zu kontern. Weil sich der FCM immer wieder einfache Abspielfehler erlaubte, ging der Plan voll auf. "Braunschweig hat auf diese Bälle gelauert und eigentlich nichts anderes gemacht. Das waren ganz naive Fehler", analysierte Tobias Müller, der selbst mit einem solchen Fehlpass das 0:1 der Gäste einleitete.

Krämer: "Jungs sollen mutig andribbeln"

Trainer Krämer verteidigte das Spielweise seines Teams im Anschluss: "Gegen eine tiefstehende Mannschaft ist es oft schwer, durchzukommen. Ich will, dass meine Jungs mutig andribbeln. Wenn du gegen so einen Gegner durchkommmen willst, brauchst du Risiko. Aber heute waren wir zu fehlerbehaftet."

Auffällig dabei: Obwohl die FCM-Spieler im Zentrum sichtbar Probleme hatten, versuchten sie es weiter durch die Mitte. Dabei hatte Krämer vor dem Spiel gesagt: "Wenn Plan A nicht funktioniert, müssen wir der Mannschaft einen Plan B mitgeben." Doch die Mannschaft schaffte es nicht, das Spiel konsequent auf die Außen zu verlagern. In der zweiten Halbzeit wurde es etwas besser, nennenswerte Chancen gab es trotzdem kaum. Deswegen gilt es hier in den kommenden Wochen anzusetzen, glaubt Kapitän Christian Beck: "Es wird öfter sein, dass Mannschaften tief gegen uns stehen und da müssen wir Lösungen finden."

Kämpferische Einstellung passt 

Stefan Kraemer (Magdeburg, Trainer)
Trainer Stefan Krämer kann mit dem Auftritt seiner Mannschaft nur bedingt zufrieden sein. Bildrechte: Jan Huebner/Taeger

Ein weiterer Punkt, den Krämer in den vergangenen Wochen gern betont hatte, war die Haltung, die seine Spieler an den Tag legen sollen. Diese äußert sich natürlich im kämpferischen Auftreten. Aber auch im Verhalten bei Ballverlust oder im in der Bereitschaft, den Ball zu fordern. Am ersten Punkt gab es nichts auszusetzen. Die Blau-Weißen ließen trotz des frühen Rückstandes oder später in Unterzahl – Björn Rother hatte nach einem Foul Rot gesehen – nicht hängen.

"Mit dem Aufwand in der zweiten Halbzeit war ich zufrieden", sagte dann auch Stefan Krämer. "Das Spiel haben wir in der ersten Halbzeit verloren." Und dabei waren aber eben nicht nur die Abspielfehler auffällig. Nach Ballverlusten schalteten längst nicht alle Spieler, wie von Krämer gefordert, sofort immer auf Verteidigung um. Und die zahlreichen Fehlpässe der Defensivspieler kamen auch auch deshalb zustande, weil in der Offensive phasenweise Bewegung und somit Anspielstationen fehlten.

"Noch viel zu tun"

Natürlich ist ein verlorenes Spiel am Saisonanfang noch kein Weltuntergang. Auch in den letzten beiden Drittligajahren startete der FCM mit hohen Niederlagen in die Spielzeit und war anschließend trotzdem erfolgreich. "Wir sind noch in der Findungsphase", weist Kapitän Beck zudem auf die zahlreichen Veränderungen hin. "Es gibt noch viel zu tun", sagt dann auch Stefan Krämer. Wohl wissend, dass der 1. FC Magdeburg in der zeitlich eng getakteten 3. Liga dennoch schnell gute Ergebnisse braucht, wenn der so groß beschworene Neuanfang an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen soll.

v.l. Timo Perthel (Magdeburg, 29) und Alexander Brunst (Magdeburg, 1) sind enttäuscht
Vor dem FCM liegt noch viel Arbeit. Bildrechte: Jan Huebner/Taeger

Quelle: MDR/olei/fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. Juli 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 17:24 Uhr

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9 Kommentare

22.07.2019 16:35 Alex 9

Braunschweig hat keineswegs wie eine Übermannschaft gespielt, wobei ihnen natürlich die schnellen Führungstreffer in die Karten spielten. Aber insgesamt war es von beiden Mannschaften ein ganz mauer Kick, ohne die krassen individuellen Fehler hätte es womöglich kein Tor (und auch nur ganz ganz wenige Torchancen) gegeben.

22.07.2019 13:42 MLink-Berlin 8

SK hat doch gesagt, dass er kein richtiges System hat und uns das unberechenbarer machen soll. Macht es auch, nur ob das "Spielkultur" ist? Ich verbuche das gestern auch noch als Eingewöhnungsphase :-) Vielleicht hatten wir leider mit BS auch gleich ne Topmannschaft zu Besuch. Vielleicht wär es gegen Aspach aunders ausgegangen. Naja nächstes Spiel wissen wir mehr :-)

BWG aus der Mudderstadt und lasst die Köpfe nicht hängen :-)

22.07.2019 12:23 fläming 7

Wiedergutmachung für die vergeigte letzte Saison sieht anders aus. Auch hatte ich das Gefühl das überhaupt keine Spielstruktur vorhanden war. Das sah bei Braunschweig völlig anders aus. Und eines möchte ich auch noch los werden. Diese ständigen Ausreden, woran es lag, kann ich auch nicht mehr hören. Wenigstens erfreut mich der Buchmann bei der Tour. Das ist wenigstens sehenswert.

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