Neues vom Krügel-Platz | Folge 28 Polizeisprecher Küssner: "Bei keinem sitzt der Schlagstock locker"

Fußballspiele werden regelmäßig von einem Großaufgebot der Polizei abgesichert. Doch warum eigentlich? Was sind die Aufgaben der Beamten an Spieltagen? Wer läuft die Vorbereitung? Wie sehen sie die Fans? Polizeisprecher Frank Küssner erzählt im Podcast, wie die Polizei rund um die Heimspiele des 1. FC Magdeburg arbeitet.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Bei jedem Spiel des 1. FC Magdeburg ist auch die Polizei im Einsatz. Das gefällt manchem mehr, manchem weniger. Doch worum kümmert sich die Polizei eigentlich bei den Heimspielen? Welche Gespräche finden vorher statt? Wer entscheidet, was wann passiert, welche Straße gesperrt wird oder welche Einheit welche Aufgabe übernimmt?

Darüber diskutieren Oliver Leiste und Frank Küssner in der aktuellen Ausgabe von "Neues vom Krügel-Platz". Küssner ist bei der Polizeidirektion Nord in Magdeburg für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ganz nebenbei ist Küssner aber auch FCM-Fan. Deswegen ist er an Spieltagen fast immer am Stadion anzutreffen – sei es privat oder dienstlich. In der aktuellen Folge geht es deshalb auch um das Verhältnis einzelner Polizisten zum Club und um die Bedeutung des FCM für die Stadt.

Küssner spricht unter anderem über ...

... seine Aufgaben am Spieltag – ab Minute 3:30

"Bei normalen Punktspielen sind die Pressesprecher Bestandteil des Stabes und haben den Platz an der Seite des Einsatzleiters. Bei Spielen mit größerer Brisanz sind wir oft mit mehreren Kollegen von der Pressestelle unterwegs. Ich persönlich bin dann auch oft im Stadion, um dort vor Ort als Ansprechpartner für die Medien zu fungieren."

... die Bewertung eines Risikospiels – ab Minute 4:15

"Diese Spiele werden schon im Vorfeld eingeteilt. Eigentlich beginnt die Arbeit für die Kollegen bereits in der Sommerpause. Wenn der Spielplan veröffentlich wird, schauen die Kollegen schon, welche Spiele ein Risikospiel sein könnten. Bei der Bewertung schaut man, wie sind die Begegnungen mit dieser gegnerischen Mannschaft in der Vergangenheit gewesen. Wie ist das Fanverhältnis zueinander. Wie viele Gästefans werden erwartet. Anhand dieser Parameter wird dann eine Prognose erstellt."

... die Aufgaben der Polizei rund um einen Spieltag – ab Minute 7:15

"Etwa drei Wochen vor dem Spieltag beginnt die Feinplanung. Dann werden etwa die Fanbriefe erstellt, wo wir informieren, wie die beste Anreise ist, wie die Abläufe im Stadion sind und welche Verbote womöglich gelten. Ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung ist dann die Sicherheitsbesprechung mit dem Veranstalter – sprich dem FCM. Daran nehmen alle teil, die mit Sicherheitsfragen rund um das Spiel betraut sind. Neben Polizei und FCM-Verantwortlichen sind das der Sicherheitsdienst, das Ordnungsamt, der Stadionbetreiber. Aber auch die Fanbeauftragen beider Vereine sind da mit im Boot. Hier wird dann konkret besprochen, wie die Abläufe am Spieltag sind.

Die Hauptaufgabe am Spieltag ist die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Deshalb ist vor allem die Trennung der Fangruppen wichtig. Das ist natürlich Bestandteil im Verkehrskonzept. Aber auch im Stadion, wo es einen Bereich gibt, der die Fantrennung verantwortet. Kollegen im Verkehrsbereich tragen dafür Sorge, die Fans zum Stadion zu geleiten, ohne dass es zu Berührungen kommt."

Frank Küssner und Oliver Leiste im Hörfunk-Studio.
Frank Küssner (l.) und Oliver Leiste vor der Aufzeichnung des Podcasts im Hörfunk-Studio Bildrechte: MDR/ Daniel George

... die Verkehrsführung in Magdeburg – ab Minute 10:15

"Die Lage des Stadions ist verkehrstechnisch nicht die beste. Das können wir nicht mit ändern, da müssen wir mit klar kommen. Hinzu kommt, dass die Zufahrtsstraßen recht schnell an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Es ist zwangsläufig so, dass wenn 20.000 Zuschauer das Stadion verlassen, es relativ schnell zu Staus kommt. Daran würden aus unseren Erfahrungen auch manuelle Regelungen nichts ändern."

... Wasserwerfer in Stadionnähe – ab Minute 17:30

"Ich behaupte, 95 Prozent der Besucher eines Fußballspiels empfinden die Polizeipräsens nicht als Bedrohung. Entscheidend für Personaleinsatz und technisches Equipment ist die Gefährdungseinstufung. Hier in Magdeburg gibt es viele alte Oberligaduelle, wo historisch gewachsen eine Fanfeindschaft besteht und wo von vornherein ein höheres Gefahrenpotenzial gegeben ist. Wenn Wasserwerfer Bestandteil des Einsatzkonzeptes sind – und das sind sie vor allem bei Risikospielen – wo sollen sie stehen, wenn nicht im Stadionumfeld. Es macht aus meiner Sicht wenig Sinn, wenn sie erst aus der Dienststelle herangeführt werden müssen. Das kann nicht in unserem Interesse sein, denn wir müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein."

... Shuttlebusse für die Gästefans – ab Minute 19:15

"Da ist die Polizei der falsche Ansprechpartner. Das muss zwischen dem FCM und der Stadt entschieden werden. Wir als Polizei würden es begrüßen, wenn wir die mit dem Zug anreisenden Gästefans mit dem Shuttlebus zum Stadion bringen könnten."

... Fanhilfen – ab Minute 20:20

"Für Fans sollte das gleiche gelten wie für den normalen Bürger: Wenn sich jemand durch die Polizei falsch behandelt fühlen sollte, oder der Meinung ist, ein Polizist hat eine strafbare Handlung begangen, kann er sich natürlich anwaltschaftlich vertreten lassen. Das wird unser polizeiliches Handeln aber nicht beeinflussen. Auch der Einsatz der parlamentarischen Beobachterin war eine völlig legitime Sache, wo wir als Polizei kein Problem mit haben."

... Misstrauen zwischen Fans und Polizei – ab Minute 23:00

"Es ist in der Tat so, dass es auf beiden Seiten Misstrauen gibt. Das ist aber ein bundesweites Phänomen. Gerade bei den Ultras gibt es ein regelrechtes Feindbild. Die lehnen jegliche Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Polizei ab. Aus meiner Sicht ist es generell positiv, wenn man miteinander redet. Ich bin aber skeptisch, ob kurz- oder mittelfristig ein Konsens gefunden wird. Solange Einzelne oder Gruppierungen nicht erkennen und akzeptieren wollen, dass die Polizei bei Fußballspielen nur ihrem Auftrag nachkommt, Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, solange wird das Verhältnis zwischen Polizei und Fans schwierig bleiben."

... rechtstaatliches Handeln – ab Minute 26:30

"Für alle Kollegen ist rechtsstaatliches Handeln oberstes Gebot. Kein Kollege geht am Wochenende in den Einsatz und sagt sich: Heute geht es mal wieder gegen Fußballfans, da sitzt der Schlagstock oder das Pfefferspray locker. Das ist eine falsche Vorstellung. Auch wenn es für die Betroffenen manchmal anders aussieht, für uns steht Deeskalation mit an oberster Stelle – da wo es möglich ist. Wenn es im Zusammenhang mit Fußballspielen zum Einschreiten kommt, sehen die Fans oftmals nur das Handeln gegen ihre Fangruppe. Dass dafür aber ein konkreter Anlass bestand, ist den einzelnen Leuten dann verborgen geblieben. Dann kommt es zu Solidarisierungen, und es sind mehr Personen in einen relativ kleinen Ausgangssachverhalt involviert. Dann kommt es zu Strafen wie Landfriedensbrüchen – die vorher überhaupt nicht abzusehen waren – weil bislang unbeteiligte Fußballfans meinen, sie müssen ihre Kumpels gegen das – aus ihrer Sicht – unverhältnismäßige Einschreiten der Polizei verteidigen."

... das Polizeiaufgebot bei Fußballspielen – ab Minute 38:00

"Wenn es im Umfeld von Fußballspielen immer friedlich bleiben würde, müsste natürlich das Polizeiaufgebot nicht so groß sein, wie es vielleicht ist. Die Kollegen, die jedes Wochenende im Einsatz sind, würden auch lieber zuhause bleiben. Wir kommen zum Einsatz, weil es die Situation gebietet. Weil in der Vergangenheit Fußballspiele immer wieder aus dem Ruder gelaufen sind. Wenn das nicht der Fall wäre, müssten wir nicht in diesen Größenordnungen Dienst verrichten. Wenn Spiele störungsfrei über die Bühne gehen, wenn keine Gefahrensituationen eintreten würden, dann wäre unser Einsatz vielleicht nicht ganz hinfällig, aber vielleicht deutlich kleiner. Polizeiliches Handeln ist immer eine Reaktion auf ein vorangegangenes Delikt. Das wird aus meiner Sicht manchmal nicht so deutlich, wie es sein sollte."

Wo der Podcast zu hören ist

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
Bildrechte: MDR/ARD/Apple

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. November 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 19:03 Uhr

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5 Kommentare

02.12.2018 10:55 Jonathan 5

Corpsgeist hin oder her - ist wichtig aber sollte angemessen sein. Kann mich noch gut erinnern das Vorgesetzte als es losging [Schlagstock darf lt. Polizeigesetz "nur" aus dem Handgelenk heraus benutzt werden], befahlen Handgelenk ist heute der Ellenbogen!

02.12.2018 10:39 Gerd Müller 4

Ein Volkspolizist der es gut mit dir meint der ist dein Freund ... sangen Pioniere 40 Jahre
die Polizei sollte sich einfach mal nicht bei Fussballspielen zeigen, vllt. fühlen sich die Kriminellen provoziert.
Beamte haben meist auch Familie und wären lieber bei ihren Lieben als den sich prügelnden zündelnden Chaoten
Wer Polizei anfordert sollte auch Einsatz bezahlen. Jedem schuldigen Verkehrsunfallverursacher wird Einsatz in Rechnung gestellt. Ebenso für beschädigte Verkehrsschilder. Nur die zündelnden Kriminellen scheinen Narrenfreiheiten zu haben weil sie in "Fangemeinden" zusammengerottet organisiert sind

30.11.2018 21:34 Staßfurt 1965 3

Na da werden ja Mal wieder die Hände der Beamten in Unschludgewaschen. Schuld sind NUR gewisse Teile der Fanszenen und Polizeiliches Verhalten existiere nicht. Was für ein Lügenbaron!