Trainingsauftakt in Magdeburg Der Maschinenbauer vom FCM: Marius Bülter

Der 1. FC Magdeburg ist in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet. Mit dabei ist auch Neuzugang Marius Bülter, der einen ungewöhnlichen Weg in den Profifußball genommen hat. Zu Magdeburg hat er von Beginn an eine besondere Beziehung.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann hält ein Trikot hoch.
Bereits im Frühjahr einigten sich Marius Bülter und der FCM auf einen Vertrag. Bildrechte: 1. FC Magdeburg

Jens Härtel hatte gut lachen. Erholt und entspannt stand der Trainer des 1. FC Magdeburg zum Trainingsauftakt in der Leichtathletikhalle neben dem Magdeburger Stadion und plauderte mit Vereinsmitarbeitern und Journalisten. Über seinen Urlaub, die Vorfreude auf die neue Saison und seine Zufriedenheit darüber, dass seine Spieler im Sommer ihre Hausaufgaben allesamt gemacht hatten. Man merkte ihm an, dass er die vergangenen Wochen sehr genossen hat.

Weiter weniger Spaß hatten seine Spieler. Die mussten gleich in der ersten Einheit nach der Sommerpause einen Laktattest absolvieren. So spulten sie dann, eingeteilt in drei Gruppen, ihre Runden ab. Anschließend mussten die Kicker Blutproben abgeben, mithilfe derer die Fitnesswerte bestimmt werden. Eine aus Spielersicht genauso anstrengende wie lästige Pflichtübung. Das bestätigte auch Neuzugang Marius Bülter: "Da muss man als Spieler eben durch. Das gehört dazu." Der Rest des Tages dürfte für den Angreifer, der sich links außen am wohlsten fühlt, alles andere als eine lästige Pflichtübung gewesen sein. Schließlich erlebt der 25-Jährige nun seine ersten Tage im Profifußball.

In den Niederungen Westfalens

Groß wurde Bülter in der Nähe von Osnabrück. In der Jugend spielte er für Preußen Münster, anschließend war er in den Niederungen des westfälischen Fußballs unterwegs. Zuletzt kickte Bülter für den SV Rödinghausen. Vier Jahre lang war für den Regionalligisten aktiv und wurde in der vergangenen Saison Torschützenkönig der Regionalliga West. 20 Treffer gelangen ihm in der abgelaufenen Spielzeit. Auch dem FCM blieb das nicht verborgen. Wobei die Blau-Weißen den Angreifer schon seit einem Jahr auf dem Zettel hatten.

Marius Bülter jubelt nach einem Tor mit Torwart Jan Schönwälder (SV Roedinghausen)
Marius Bülter (l.) war der Torjäger beim SV Rödinghausen. Bildrechte: IMAGO

In einem Testspiel gegen Rödinghausen, dass der FCM 4:2 gewann, erzielte Bülter ein Tor. "Und es gab noch ein paar weitere Situationen, in denen er uns ganz schön Probleme bereitet hat", erinnert sich Jens Härtel. "Deshalb wollten wir ihn im Auge behalten." Das hat der FCM dann die ganze Saison über gemacht. Schon sehr früh gab es auch erste Kontakte zwischen Spieler und Verein. Bereits im Oktober besuchte Marius Bülter das FCM-Heimspiel gegen Jena – und war begeistert von der Atmosphäre. In Rödinghausen spielte er im Schnitt vor 1.000 Zuschauern, mit sehr mäßiger Stimmung.

Einigung im Frühjahr

Im Frühjahr kam es zur Einigung. Nun freut sich Bülter extrem auf seinen ersten Auftritt vorm Magdeburger Anhang: "Die Fans waren sicher ein Grund, warum ich unbedingt zum FCM wechseln wollte. Sowas hatte ich bisher noch nie. Deshalb ist die Vorfreude umso größer."

Jens Härtel, Trainer 1. FC Magdeburg, im Interview
Jens Härtel freut sich auf die Arbeit mit Marius Bülter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glaubt man Sportchef Maik Franz, könnte Bülter sich beim 1. FC Magdeburg schnell heimisch fühlen: "Marius ist ein Spieler, der zu uns passt. Er hat Charakter und Mentalität." Die Eingewöhnung erleichtern könnte der Umstand, dass Bülter einige seiner neuen Mitspieler schon kennt. "Ich habe die Jungs auf Mallorca getroffen. Das war lustig." Und auch Trainer Jens Härtel freut sich sehr über seinen neuen Schützling: "Marius Bülter hat eine tolle Entwicklung genommen. Er hat gute körperliche Voraussetzungen. Er ist schnell, er ist robust. Und er hat jetzt auch gezeigt, dass er Tore machen kann." Nun liege es an ihm, den nächsten Schritt zu gehen.

Bülter: "Eins-gegen-Eins ist meine Stärke"

Dafür scheint Bülter bereit zu sein. Den Arbeitsethos seines neuen Trainers hat er bereits verinnerlicht. In früheren Jahren gelangen ihm ihn Rödinghausen nie mehr als acht Treffer. "Ich wusste, dass ich meine Torquote verbessern muss. Und auch, dass ich es kann." Und so arbeitete der Linksaußen an seiner Spielweise und seinen Abschlüssen und kann, Stand heute, stolz sagen: "Diese Arbeit hat sich ausgezahlt." Wobei ihm auch eine taktische Veränderung bei seinem Ex-Verein entgegen kam, wie er zugibt: "Mir hat eine Umstellung von 4-4-2 auf 3-4-3 geholfen. So kam ich als Außenspieler öfter in die Eins-gegen-Eins-Situationen, die meine Stärke sind." Dass der FCM meist ebenfalls in einem 3-4-3-System spielt, dürfte dem Neuzugang deshalb entgegen kommen.

Sabrina Bramowski beim Trainingsauftakt des 1. FC Magdeburg 27 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Traum vor der Erfüllung

Und nicht nur sportlich scheint der Transfer sinnvoll. Denn Bülter hat etwas, was man unter Fußballprofis selten findet – ein beinah abgeschlossenes Maschinenbaustudium. Nur eine Prüfung steht noch aus, die Bachelorarbeit ist längst geschrieben. Beim FCM, seit Heinz Krügels Tagen eng verbunden mit den Schwermaschienenfirmen Magdeburgs, dürfte ihm so viel Sympathie gewiss sein.

Dieses Studium war eine notwendige Absicherung. Denn mit seinen 25 Jahren konnte Bülter nicht mehr unbedingt davon ausgehen, dass er tatsächlich noch den Sprung in den Profifußball schafft. Auch wenn er den Gedanken daran immer im Hinterkopf hatte: "Natürlich habe ich immer gehofft, dass es noch klappt. Den Traum hatte ich immer, dafür habe ich hart gearbeitet." Der Traum steht nun kurz vor seiner Erfüllung. Und sollte es Marius Bülter tatsächlich gelingen, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren und regelmäßig zu treffen, hätte am Ende sicher nicht nur Jens Härtel gut lachen.

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: mdr/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 20:48 Uhr

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