"1. FCM – stärkste Kraft im Osten" Botschaft an die AfD: Was hinter dem Spruchband der FCM-Ultras steckt

Eine Woche vor den Wahlen setzt die Fan-Szene des 1. FC Magdeburg ein Zeichen: Sie würden nicht "zum Spielball politischen Stimmenfangs" der AfD verkommen wollen – erklären die Ultras zu ihrer Aktion.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

FCM Fans
Die FCM-Ultras präsentierten dieses Spruchband zu Beginn der zweiten Halbzeit. Bildrechte: MDR/Daniel George

Unzählige geschwenkte Fahnen, über 90 Minuten lautstarke Unterstützung, eine Spielunterbrechung wegen Ausschreitungen samt gezündeter Pyrotechnik und am Ende die emotionale Verabschiedung von Aufstiegshelden – für die Fans des 1. FC Magdeburg war der Abschied aus der zweiten Bundesliga intensiv.

Doch was neben all den Offensichtlichkeiten kaum jemand bemerkte: Eine Woche vor der Kommunal- und Europawahl wurde es auf der Tribüne auch politisch. Die aktive Fan-Szene des FCM sendete am Sonntagnachmittag im Heimspiel gegen den 1. FC Köln eine deutliche Botschaft an die AfD.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde im "Block U" ein Spruchband hochgehalten, auf dem geschrieben stand: "Und wehe demjenigen, der sich anmaßt, in unserem Namen zu sprechen! 1. FCM – stärkste Kraft im Osten! Commando East Side – Gott will es!"

FCM-Ultras: "Klare Trennlinie zwischen uns und Parteien"

Was für die Mehrheit der 18.902 in der ausverkauften MDCC-Arena kaum verständlich war, wurde im Fan-Spieltagsheft "Planet MD" erklärt. Dort wandten sich die Ultras mit folgenden Worten an die blau-weißen Anhänger: "Uns ist egal, wie ihr politisch tickt, was ihr wählt und warum. Was uns jedoch definitiv nicht egal ist, wenn unser FCM, unsere Fan-Szene zum Spielball politischen Stimmenfangs verkommt."

Mit dem Spruchband solle "eine klare Trennlinie zwischen uns und Parteien, die glauben mit uns Profit schlagen zu können", gezogen werden, so stand es im "Planet MD" geschrieben. 

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT gab es mehrere Gründe für die Aktion. Zum einen hatte sich die AfD im März dafür eingesetzt, dass sich der Rechtsausschuss des Landtags mit dem Fall des verstorbenen FCM-Fans Hannes Schindler befasst. In den Augen vieler Anhänger war das nicht mehr als ein Versuch der Instrumentalisierung.

Uns ist egal, wie ihr politisch tickt, was ihr wählt und warum. Was uns jedoch definitiv nicht egal ist, wenn unser FCM, unsere Fan-Szene zum Spielball politischen Stimmenfangs verkommt.

Erklärung der FCM-Fangruppe "Commando East Side"

Letztendlicher Auslöser für das Spruchband am Sonntag war allerdings ein Plakat des AfD-Kreisverbandes Saalekreis. "Gott will es! AfD stärkste Partei im Osten", stand darauf geschrieben. Brisant, weil eine Zaunfahne mit der Aufschrift "Gott will es" seit Jahren vor dem "Block U" hängt und dem "Commando East Side", einer der führenden Fanclubs und laut eigener Aussage "Speerspitze" von "Block U", zuzuordnen ist.

"Der 1. FC Magdeburg und Block U stehen über allem"

"Commando East Side" stünde "seit jeher für das selbstlose Miteinander in unseren Reihen, egal, was du denkst, wie du aussiehst oder was dein Part in unserem Block ist", hieß es im "Planet MD". Und weiter: "Gerade weil auch wir keine homogene Gruppe sind, steht für uns eben unerschütterlich fest: Der 1. FC Magdeburg und Block U stehen über allem. Wenn also eine Partei wie die AfD meint, den Tod von Hannes in Stimmen umwandeln zu müssen, wenn die AfD glaubt mit Anfragen im Landtag unsere Fan-Szene angreifen und spalten zu können und wenn die AfD denkt, sie könnte unsere Fahnen und den einzig uns übertragenen Status der auserwählten Gottes für sich nutzen, werden wir sie eines Besseren belehren." 

So reagiert die AfD auf das Spruchband

Die AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt hat am Montag auf das Spruchband der FCM-Ultras reagiert. Hagen Kohl, der innenpolitische Sprecher, erklärte: "Die kryptisch formulierte Botschaft der Ultras bleibt auch nach dem Erklärungsversuch unverständlich. Weder hat die AfD sich angemaßt, im Namen der FCM-Fans zu sprechen, noch scheint es politisch sinnvoll zu sein, im Saalekreis mit einem angeblichen FCM-Slogan zu werben. Für den Verein und die Fanszene war das eine fatale Aktion mit noch nicht absehbaren Folgen."

Weiter hieß es: "Den Fall Hannes haben wir im Interesse der Eltern, Hinterbliebenen und Freunde im Rechtsausschuss in öffentlicher Sitzung thematisiert und uns vor dem Hintergrund seiner Tragweite und aus Respekt vor dem Verein politisch äußerst zurückgehalten."

Kohl sagte außerdem: "Für eine politische Parteinahme gegen die AfD gibt es seitens der FCM-Ultras keinen sachlichen Grund. Vielmehr steht zu befürchten, dass politische Kräfte aus dem linken Lager die Fanszene zum Schaden des Vereins spalten und für sich vereinnahmen wollen."   

Trotz fortschreitendem politischen Engagement von Fan-Szenen ist ein solches parteipolitisches Statement eher selten. In der Regel beschäftigen sich die aktiven Fan-Szenen vor allem mit klassischen Fan-Themen wie beispielsweise Spielterminen oder der Kommerzialisierung des Fußballs.

Auch am Sonntag hielten die FCM-Ultras ein Spruchband mit der Aufschrift hoch: "Volle Haftung für miese Transferpolitik, auch in einer GmbH!" Eine klare Spitze gegen die FCM-Bosse. Denn der Abstieg aus der zweiten Bundesliga hatte schon vor dem 1:1 am Sonntag gegen den 1. FC Köln festgestanden.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 15:14 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

51 Kommentare

22.05.2019 14:26 Sr.Raul 51

Thema leider verfehlt, @49 (Hans Frieder Leistner). Es ging in meinem Beitrag @47 nicht um sportliche Meriten, sondern um die nach außen getragene Meinung Sport, vor allem Spitzensport, hätte nix mit Politik zu tun. Das sehe ich als falsch und glatten Irrtum an. Dazu bin ich selber, wenn auch nicht im ganz hohen Segment, zu lange in dem Geschäft unterwegs. Da nehmen sich die einstige DDR und heutige BRD Nichts, außer das sich die Politikfelder etwas verändert haben mögen in ihrer Wertigkeit.

22.05.2019 12:27 Arbeitende Rentnerin 50

Bin der Meinung, dass Fußball sich aus der Politik raushalten sollte. Umso weniger verstehe ich dass solche Aktionen als plumpe Hetze gegen die AfD benutzt wird (Behindertenfeindlichkeit, wo die jetzt Regierenden ja sooo freundlich sind, erlebe ich jeden Tag). Wenn schon Gott bemüht wird, dann hat er gewollt, dass FCM absteigt, wenn ich solche Kommentare lese, dann zurecht. Wir haben sicher auch Probleme, aber solchen Quatsch habe ich in unserem Stadion noch nicht erlebt
Glück auf

22.05.2019 11:06 Hans Frieder Leistner 49

@Sr.Raul. Ich habe u.a. 27 internationale Marathonläufe absolviert, die vielen anderen Langstrecken gar nicht mitgezählt. Ich habe Sportler aus vielen Ländern kennengelernt. Da hat man sich auf den Sport konzentriert und sich gemeinsam über Erfolge gefreut. Auch Thema Olympia. Ich habe wie viele Sportler die Boykotts kritisiert. Ein mir gut bekannter Läufer kam um seine Chance in Moskau zu starten. Meine Enkeltochter war 2012 in London Teilnehmerin.Sie schwärmt noch heute - auch ohne Medallie gewonnen zu haben. So weltfremd und unbedarft bin ich also nicht. Wie weit ihre sportlichen Aktivitäten reichen, weiß ich nicht.

Mehr zum 1. FC Magdeburg