Heiko Lässig 1990 gegen Andreas Trautmann
Heiko Laeßig (links) begann seine Karriere beim 1. FC Magdeburg. Sie führte ihn in die Bundesliga und in den UEFA-Cup. (Archivbild von 1990) Bildrechte: imago images / Rust

Nach dem Mauerfall Wie der FCM zum Sprungbrett in die Bundesliga wurde

Überall in Deutschland wurde zuletzt an den Mauerfall erinnert. Auch den 1. FC Magdeburg hat die Wendezeit vor 30 Jahren geprägt. Der Club erlebte wilde Zeiten. In einer vierteiligen Serie blickt MDR SACHSEN-ANHALT auf die Wendezeit beim FCM und ihre Auswirkungen bis heute. Im ersten Teil geht es um drei Spieler, die sich ihren Traum von der Bundesliga erfüllt haben.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Heiko Lässig 1990 gegen Andreas Trautmann
Heiko Laeßig (links) begann seine Karriere beim 1. FC Magdeburg. Sie führte ihn in die Bundesliga und in den UEFA-Cup. (Archivbild von 1990) Bildrechte: imago images / Rust

Eine Topadresse im DDR-Fußball war der 1. FC Magdeburg schon länger nicht mehr. Nach den Meisterschaften und dem Europapokalsieg in den Siebzigern rutschten die Blau-Weißen in den 1980er Jahren schrittweise ins Mittelfeld ab. Doch in der Saison 1989/90 kehrte der Club – einigermaßen unerwartet – nochmal zu alter Stärke zurück. Der FCM führte lange die Tabelle an, wurde am Ende Dritter in der DDR-Oberliga.

Heiko Laeßig, der damals seine erste komplette Saison bei den Profis bestritt, erinnert sich gern an diese Zeit: "Die Magdeburger Mannschaft war gespickt mit Nationalspielern wie Dirk Heyne, Dirk Stahmann oder Maxe Steinbach. Als einstiger Nachwuchsspieler dann mit solchen Größen zusammen zu spielen, war natürlich überragend."

Der Traum von der Bundesliga

Im Sommer verließ Trainer Joachim Streich den FCM und wechselte nach Braunschweig. Seinen "Ziehsohn" Dirk Schuster nahm er gleich mit. Streich sollte die Eintracht in die Bundesliga führen. Schuster träumte davon, dort zu spielen. Und während der Trainer nach einigen Monaten wieder gefeuert wurde, schaffte es Schuster später beim Karlsruher SC tatsächlich in die Bundesliga.

Dorthin, mindestens aber in die zweite Liga, wollte auch der FCM. Einzige Voraussetzung: eine gute Platzierung in der letzten Oberligasaison. Doch der Start in die Spielzeit verlief holprig. Von Beginn an dümpelten die Magdeburger im Mittelfeld der Tabelle herum. Die erste Runde des UEFA-Cups brachte da nur wenig Abwechslung. Heiko Laeßig sorgte mit seinem Treffer gegen den finnischen Vertreter Rovaniemi PS für das Weiterkommen. Dass es bis heute das letzte Europapokaltor des FCM war, hätte sich damals wohl kaum jemand vorstellen können.

In der zweiten Runde kam das Aus gegen Girondins Bordeaux. Es folgten triste Monate für den FCM, der als Zehnter schließlich den Sprung in den gesamtdeutschen Profifußball verpasste. Noch heute rätseln sie in Magdeburg, was 1991 eigentlich schief gelaufen ist.

Ein Jahr Anlauf für die Bundesliga

Doch während die Blau-Weißen für viele Jahre im Amateurfußball verschwanden, erfüllten sich weitere Spieler ihren Traum von der Bundesliga. Laeßig etwa wechselte zum damaligen Zweitligisten Bayer Uerdingen. "Magdeburg war abgestiegen, deswegen musste ich natürlich überlegen", sagt er heute. "Bei Uerdingen hat die sportliche Perspektive gestimmt."

Die Mannschaft wurde damals komplett neu zusammengestellt, das erleichterte Laeßig die Eingewöhnung in der ungewohnten Umgebung. Gleich im ersten Jahr gelang ihm mit den Krefeldern der Aufstieg und fortan spielte er Bundesliga.

Dirk Heyne: "Lieber Bank in Gladbach als Nummer 1 in Oldenburg"

Genau wie FCM-Legende Dirk Heyne, der den Club 1991 nach 14 Jahren als Nummer 1 ebenfalls verließ. Ihn zog es zu Borussia Mönchengladbach. Ein Angebot, nach Oldenburg in die zweite Liga zu wechseln, schlug er aus. Dass er in Gladbach zunächst nur als zweiter Torwart vorgesehen war, störte ihn nicht:

"In Oldenburg wäre ich sicher die Nummer 1 gewesen. In Gladbach war das der langjährige Torwart Uwe Kamps. Aber sie haben da einen gebraucht, der ihm ein bisschen Feuer unter dem Hintern macht. Für mich war es ein Anreiz, mal in der ersten Liga dabei zu sein. Mit Oldenburg hätte das wahrscheinlich nicht geklappt", erzählte Heyne im Podcast "Neues vom Krügel-Platz.

Viele freie Zeit

Im Westen angekommen, bemerkten Laeßig und Heyne bald ein paar Unterschiede zu ihrer Zeit in Magdeburg. "Von den Stadien her war es gar nicht viel anders. Denn auch in der DDR waren die Zuschauerzahlen in den Jahren zuvor top", sagt Heiko Laeßig. Doch die neuen Trainingsmöglichkeiten kannte er so vorher nicht. "Wir haben acht Spielfelder gehabt und konnten jeden Tag auf einem anderen Platz trainieren", erinnert sich der einstige Stürmer.

Heyne wunderte sich dagegen weniger über die Bedingungen als über die Trainingsgestaltung in der Bundesliga:

Ich hatte auf einmal sehr viel Zeit. Die hohe Anzahl an Freistunden in der Bundesliga war ich aus Magdeburg nicht gewohnt. Da haben wir viel mehr trainiert.

Dirk Heyne, früherer FCM-Torwart

Heyne verbrachte die Zeit mit seinem Sohn und seiner Frau. Und: Um sich nicht zu langweilen, begann er, Tennis zu spielen.

Sprungbrett FCM genutzt

Dirk Heyne
Dirk Heyne hat zum Karrierende noch Bundesliga gespielt. Bildrechte: IMAGO

Doch auch Heynes Traum ging schließlich in Erfüllung. Er kam zum Ende seiner Karriere auf 24 Bundesligaspiele. Anschließend war er viele Jahre lang als Trainer tätig – zuletzt bei Eintracht Norderstedt in der Regionalliga Nord. Heiko Laeßig wechselte 1996 nach Salzburg. Dort wurde über die Jahre zur Identifikationsfigur und konnte seinen Magdeburger Europapokalauftritten weitere internationale Spiele hinzufügen. Seit seinem Karriereende leitet er die Scoutingabteilung bei RB Salzburg.

Bleibt noch Dirk Schuster: Der erlebte mit dem KSC ebenfalls einige denkwürdige Spiele im UEFA-Cup. Insgesamt kommt er auf stattliche 500 Profispiele. Später machte er als Trainer von sich reden, weil er Darmstadt 98 aus der 3. Liga in die Bundesliga führte. Aktuell steht er bei Erzgebirge Aue an der Seitenlinie.

Langer Weg zurück nach oben

Heyne, Laeßig, Schuster – alle drei haben das Sprungbrett 1. FC Magdeburg nach der Wende genutzt, um sich ihren Bundesligatraum zu erfüllen. Sie sind dem Fußballgeschäft bis heute treu geblieben. Und der FCM? War lange in der Versenkung verschwunden. Die Blau-Weißen pendelten zwischen dritter und vierter Liga. Erst 2012 machte sich der Club wieder auf den Weg nach oben. Und schaffte es mit dem Zweitliga-Aufstieg 2018 schließlich, den Bundesligatraum auch in Magdeburg endlich wahr werden zu lassen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 11:34 Uhr

1 Kommentar

Ichich vor 3 Wochen

Vielleicht darf man auch Maltritz und eigentlich auch Sandmann erwähnen.

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