Abstieg des FCM Das Ende des Abenteuers

Auf den Tag genau ein Jahr nach der Drittliga-Meisterschaft steht der direkte Wiederabstieg des 1. FC Magdeburg fest. Eine Auswärtsniederlage bei Union Berlin besiegelt den Abschied aus der zweiten Bundesliga. Einige Fans randalieren und sorgen für hässliche Bilder. Warum der FCM jetzt vor dem Umbruch steht.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

 1. FC Union Berlin - 1. FC Magdeburg, Grischa Prömel (2. v. l., 1. FC Union Berlin) erzielt das Tor zum 1:0 gegen Torwart Giorgi Loria (1. FC Magdeburg)
Treffer: Berlins Grischa Prömel (in der Luft) köpft ein zum 1:0. Bildrechte: imago images / Matthias Koch

Plötzlich prangte das Logo des 1. FC Magdeburg auf dem ersten Platz. Sogar mit acht Zählern Vorsprung vor dem Tabellenzweiten. Der Fußball-Zweitligist hatte das Foto des Klassements am Sonntag selbst auf seinem Twitter-Account geteilt – doch es handelte sich um die Tabelle der Alten Herren in der Stadtklasse, die den Aufstieg bejubeln durften.

Dem Jubel der Amateure folgte das Leid der Profis. Denn der 1. FC Magdeburg verlor am Sonntagnachmittag mit 0:3 beim Aufstiegsaspiranten 1. FC Union Berlin. Und weil Konkurrent Ingolstadt zeitgleich mit 3:0 gegen Darmstadt gewann, steht der Abstieg aus der zweiten Bundesliga bereits vor dem letzten Spieltag fest.

Es war das Ende des Zweitliga-Abenteuers für den FCM – und das auf den Tag genau ein Jahr nach der Drittliga-Meisterschaft.

FCM-Bilanz: Nur sechs Siege aus 33 Partien

"Das ist bitter. Wir werden uns jetzt neu aufstellen und formieren und seriös weiterarbeiten", sagte FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik nach der Partie. "Es gibt viele Dinge, die nicht gepasst haben, das ging von Anfang an los. Es macht aber heute keinen Sinn, bereits darüber zu sprechen, bevor die Saison zu Ende ist."

Club-Fans aus ganz Deutschland pilgerten am Sonntag in die Bundeshauptstadt, um ihren große Liebe vor dem Abstieg in die dritte Liga zu bewahren. 2.500 blau-weiße Anhänger standen am Ende im Stadion an der Alten Försterei und brüllten ihre Mannen nach vorn. Doch es half nichts.

Am Ende randalierten einige von ihnen, traten gegen die Abtrennung zum Heimblock, warfen mit Stangen gegen das Ball-Auffangnetz. Die Partie konnte für mehrere Minuten nicht fortgesetzt werden. Es waren hässliche Bilder zum Abschied aus der zweiten Bundesliga.

Union Magdeburg
2.500 FCM-Fans unterstützen ihren Verein gegen Union Berlin. Und sie zündeten Pyrotechnik. Bildrechte: imago images / Matthias Koch

Bereits nach acht Minuten geriet Magdeburg in Rückstand. Erste Chance für Union, erstes Gegentor: Mittelfeldmann Grischa Prömel netzte per Kopf ein – und der FCM musste sich fortan gegen die beste Defensive und die beste Heimmannschaft der zweiten Bundesliga zurückkämpfen in dieses so wichtige Auswärtsspiel.

Eine halbe Stunde war gespielt, als Berlins Stürmer Sebastian Polter auf 2:0 erhöhte. Vorangegangen war ein katastrophaler Rückpass von Magdeburgs Rico Preißinger. Und der stand symbolisch, denn immer wieder kosteten individuelle Patzer und fehlende Cleverness den Aufsteiger in dieser Spielzeit den Sieg oder einen Punktgewinn. Genau wie die Qualität im Angriff: Gegen Union fehlte dem FCM einmal mehr die Durchschlagskraft.

In der Nachspielzeit traf erneut Polter schließlich zum Endstand. Vor dem letzten Saisonspiel am kommenden Sonntag gegen den Tabellenersten aus Köln stehen bei Magdeburg nun 15 Niederlagen auf dem Konto – und nur sechs Siege aus 33 Partien. Die Bilanz eines Absteigers.

Bleibt FCM-Trainer Oenning? Was wird aus den alten Helden?

Bereits vor dem Auftritt bei Union hatte der FCM ein Zeichen für die Zukunft gesetzt: Der Vertrag mit Geschäftsführer Mario Kallnik wurde bis 2022 verlängert. Der Aufsichtsrat des Klubs traut dem 44-Jährigen zu, den FCM perspektivisch zurück in die zweite Bundesliga zu führen.

Wie das bei Cheftrainer Michael Oenning aussieht, bleibt abzuwarten. Im November vergangenen Jahres hatte Oenning den abstiegsbedrohten FCM übernommen. Seine Bilanz: fünf Siege, sechs Unentschieden, neun Niederlagen – zu wenig, um seine Mission zu erfüllen. Der Vertrag des 53 Jahre alten Fußballlehrers läuft am Saisonende aus.

Trainer Michael Oenning (1. FC Magdeburg)
FCM für immer? Der Vertrag von Cheftrainer Michael Oenning läuft am Saisonende aus. Bildrechte: imago images / Matthias Koch

Auch 16 Spieler besitzen aktuell keinen gültigen Vertrag für die kommende Spielzeit. Darunter letztjährige Aufstiegshelden wie Nico Hammann, Richard Weil, Philip Türpitz, Steffen Schäfer, Michel Niemeyer, Dennis Erdmann, Christopher Handke (wechselt nach Zwickau), Felix Lohkemper, Tarek Chahed oder Nils Butzen.

Butzen schoss den FCM vor auf den Tag genau einem Jahr mit seinem Siegtor beim 1:0 gegen die Sportfreunde Lotte zur Drittliga-Meisterschaft. Am Sonntag musste der aussortierte Ex-Kapitän den Abstieg von der Tribüne aus beobachten. Auch das war so ein Sinnbild für eine für die Fans zwar ereignisreiche, am Ende aber sportlich verkorkste Saison.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2019, 20:08 Uhr

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73 Kommentare

14.05.2019 16:07 FCM für immer 73

Natürlich wäre ich gerne in der 2 Liga geblieben!
Nun ist es halt wieder Liga 3! Na und!!!
Ich bin Club Fan und stehe zu meinem FCM, egal in welcher Liga!
Freue mich schon auf die Gegner, die Meisten sind interessanter wie die Gegner in Liga 2.

Also ich habe Herr Kallnik im Sport im Osten sagen hören, Aufstieg in den nächsten 1 bis 3 Jahren.
Weiß nicht wo Ihr 3 bis 4 Jahre gesehen habt.
Wen wir in einem Jahr wieder aufsteigen sollten (was ich aber nicht glaube) dann wäre es der direkte Wiederaufstieg. ;)

Pro Kallnik :)
Er macht einen guten Job!
Wer behauptet Er sei am abstieg Schuld, nun zu Einem kann Er nicht mehr Geld ausgeben wie da ist, zum Anderen hat Jens Härtel die Spieler zum Saisonstart die neu beim FCM waren ausgesucht. Erst die Neuzugänge in der Winterpause gingen auf seine Kappe.

14.05.2019 15:38 Machdeburjer 72

@Hunter
Groß Ahnung scheinst du nicht zu haben oder?
Härtel kam erst durch Kalle. Als im September 2014 schon viele Härtel raus riefen, hat er an ihm festgehalten.
Der Mann ist seit Anfang der 2000er hier. Er ist der einzige der damals bei der Insolvenz geblieben ist.
Er macht auch Fehler, aber wer macht die nicht??

Und zu Paderborn:
Die sind direkt von der 1 in die 2 Liga und darauf direkt in die 3 Liga. Waren auch in die Regionalliga weiter abgestiegen, aber aufgrund der fehlenden Lizenz 1860, ist man nicht (!) abgestiegen. Man ist also von der 3 Liga wieder in die 2 Liga ausgestiegen.
Und noch steht Paderborn nicht als Aufsteiger fest!

PS: Baumgart war schon mal Trainer beim FCM

14.05.2019 15:20 Pohlmann 71

Mein Tipp:
Union muss gegen Stuttgart in die Relegation und zieht dort den kürzeren.

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