Plötzlich Abstiegsgefahr Warum der FCM jetzt nach unten schauen muss

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Nach zwei sieglosen Spielen zum Jahresbeginn muss sich der FCM vom Aufstiegstraum verabschieden. Viel schlimmer noch: Jetzt droht sogar Abstiegskampf. Ein Kommentar.

SC Preußen Münster vs. 1. FC Magdeburg Tor zum 1:0 von Rufat Dadashov Münster
Im Dezember verlor der FCM in Münster. Anschließend wurde der Rauswurf von Trainer Stefan Krämer beschlossen. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

"Unser Ziel ist es binnen drei Jahren in die 2. Bundesliga zurückzukehren. Je schneller desto besser", haben sie beim 1. FC Magdeburg gesagt. "In der Rückrunde wollen wir noch mal angreifen", haben sie gesagt. Und dazu viele weitere große Worte wie "Leistungsprinzip", "Mentalität" und "Qualität" bemüht.

Doch der Start in der Frühjahrsrunde verlief genauso, wie das alte Jahr endete – mit einer Niederlage und einem Unentschieden. Trainerwechsel hin, neue Zeitrechnung her. Und nicht nur das. Auch die altbekannten Leiden sind nach wie vor zu beobachten. Etwa die mangelhafte Chancenverwertung. Oder die fehlende Konstanz in den Leistungen. Gegen Zwickau gingen die Köpfe und Schultern der Spieler nach dem plötzlichen Rückstand nach unten. Dabei hätte das Spiel mit etwas mehr Konsequenz vor dem Tor da längst zu Gunsten des FCM entschieden sein können. Das Aufbäumen gegen die drohende Niederlage fehlte dann. Trainer Claus-Dieter Wollitz sprach von einem Mentalitätsproblem.

Gute Einstellung, wenig Torgefahr

Davon war am Sonntag gegen Mannheim nichts zu sehen. Die Mannschaft wehrte sich gegen einen robusten, formstarken Gegner und stemmte sich bis in die Nachspielzeit gegen die drohende Pleite. Der späte Ausgleich von Sören Bertram war der verdiente Lohn. Doch der Einsatz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem FCM bis in die Schlussphase hinein kaum gelang, ernsthaft Torgefahr zu kreieren. Für die ausgerufenen Ansprüche ist nur Kampf zu wenig. In der Summe sind das alles Probleme, die auch in der Hinrunde schon in verschiedenen Variationen zu erleben waren.

Aus den vergangenen fünf Spielen holte der FCM zwei Punkte – eine verheerende Bilanz. Vom erhofften Aufstieg wird man sich in dieser Saison wahrscheinlich trotz des ganzen Boheis in der Winterpause frühzeitig verabschieden müssen. Normalerweise würde man nach dem Trainerwechsel nun davon sprechen, dass entsprechende Entwicklungen Zeit brauchen. Und diese auch selbstverständlich einräumen.

Aufstiegstraum wohl ausgeträumt

Für den Club besteht diese Option aus zweierlei Gründen nicht. Zum einen hat man sich mit der seltsamen Kommunikation des Trainerwechsels jegliche Akzeptanz für die Geduld genommen, die jetzt nötig wäre um die Mannschaft zu entwickeln.

Zum anderen, und das ist noch viel gravierender, muss der 1. FC Magdeburg mittlerweile ernsthaft nach unten schauen. Die Gefahr eines Abstiegs in die Regionalliga ist inzwischen durchaus real. Das erklärte auch Sören Bertram bei Magentasport, als er nach dem Mannheim-Spiel auf eine mögliche Schubwirkung des späten Ausgleichstores angesprochen wurde: "Nach den Ergebnissen jetzt sollten wir eher nach unten gucken. Chemnitz hat gewonnen, Bayern II hat gewonnen und auch Viktoria Köln in Halle. Wir sollten uns nicht mit dem Aufstieg beschäftigen, sondern erstmal unsere Hausaufgaben machen."

Der FCM steht auf Platz 13, der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt nur noch vier Punkte. Als zu Saisonbeginn die Ziele verkündet wurden, sollte gerade dieses Szenario ausgeschlossen werden. "So schnell wie möglich 45 Punkte sammeln", lautete die Formulierung – mit dem Wissen, dass schon andere Zweitligaabsteiger in der 3. Liga tief gefallen sind.

Reale Abstiegsgefahr

Natürlich, aktuell gibt es noch keinen Grund zur Panik. Aber doch zu erhöhter Wachsamkeit. Dass Mannschaften, die unerwartet in den Abstiegskampf geraten, damit psychologisch nicht unbedingt umgehen können, erlebt man immer wieder im Fußball. Und das Magdeburger Heinz-Krügel-Stadion war in den vergangenen anderthalb Jahren wahrlich keine Festung. Auch in dieser Saison gelangen erst vier Heimsiege.

Nun stehen wieder zwei Heimspiele an. Mit Meppen kommt die drittbeste Offensive der Liga. In der Woche danach ist mit Chemnitz die Mannschaft zu Gast, die aktuell den ersten Abstiegsplatz innehat. Mit zwei Siegen kann sich der FCM entscheidend Luft verschaffen. Bleiben die Erfolge aus, könnte das Abstiegsthema akut werden.

Was können der FCM und seine Spieler nun machen? Die Antwort ist banal: Spiele gewinnen. Der Fokus sollte nicht auf Aufstiegsträumen oder etwaigen Tabellenkonstellationen liegen, sondern auf jedem einzelnen Spiel. Die Einstellung aus dem Mannheim-Vergleich sollte dafür die Grundlage sein. Dann heißt es kämpfen und siegen. Das klingt einfach, ist beim 1. FC Magdeburg bislang aber alles andere als selbstverständlich.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Februar 2020 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

flaeming_der_alte vor 26 Wochen

Das stimmt so nicht. Die Spieler und Trainer wurden immer gelobt und kritisiert, selbst Härtel mußte sich einiger Kritik stellen. Was aber ein Tabuthema schon immer war, die Leistungen vom Management durften offiziell nicht bewertet werden. Da werden Verträge noch vor dem Abstieg verlängert und hinterließen den Eindruck der FCM ist ein Selbstbedienungsladen ohne Leistungsbewertung und offener Kritik. Kein Wunder wenn sich viele auf Kallnik und Franz inzwischen eingeschossen haben. Die Kehrseite ist, wie teilweise mit Spieler und Trainer von Seiten unseres Managements umgegangen worden ist, wenn Verträge nicht verlängert worden sind bzw. bei Entlassungen wie 2 Tage vor Weihnachten.

MLink-Berlin vor 26 Wochen

Ich habe mich hier nicht auf den HF... bezogen! So wichtig ist mir dieser Verein nicht, dass ich auf unserer Seite nen Kommentar zu schreibe! 😜 und jeder Spieler hat schon mal wo gespielt! Beck kam von Erfurt und Bertram von Aue, also was soll uns das jetzt sagen???

BWG aus der Mudderstadt

Altlehrer vor 26 Wochen

Für mich ist der gegenwärtige Zustand zwangsläufiges Ergebnis einer fast zweijährigen Fehlentwicklung. Da gabs nach dem Aufstieg einen nicht zweitligatauglichen Kader, eine falsche Trainerentlassung, die frühzeitige und unnötige Verlängerung mit einem hilflosen Sportdirektor, weitere sinnlose Trainerwechsel und eine offensiv stark geschwächte Drittligamannschaft nach dem Weggang von drei Angreifern. Dazu das fast kritiklose Begleiten des sportlichen Versagens innerhalb der GmbH durch Präsidium, AR und Fans des Vereins. Hoffentlich nimmt man im Team jetzt endlich den Abstiegskampf auch an, anstatt ständig was von Aufstieg zu faseln.

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