Nach Krämer-Rauswurf Jetzt müssen Franz und Kallnik beim FCM abliefern!

Der 1. FC Magdeburg hat sich am Sonntag von Trainer Stefan Krämer getrennt. Das mag richtig erscheinen, wenn man die schwachen Spiele der Hinrunde als Maßstab nimmt. Es zeigt aber auch, was beim Club intern schief läuft. Ein Kommentar.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Maik Franz und Mario Kallnik
Maik Franz (l.) und Mario Kallnik verantworten beim FCM den sportlichen Bereich – zuletzt mit geringer Trefferquote. Bildrechte: imago/Jörg Schüler

Die Spieler des 1. FC Magdeburg konnten es nicht fassen. "Was für eine Nachricht kurz vor Weihnachten. Ich bin sprachlos enttäuscht und sehr traurig" schrieb Christian Beck auf Instagram. Gemeint war die Freistellung von Stefan Krämer als FCM-Trainer, die am Sonntag verkündet wurde. Ähnlich äußerten sich mit Timo Perthel und Jürgen Gjasula weitere Mitglieder des Mannschaftsrates. Es zeigt, wie sehr die Spieler ihren Trainer schätzten. Noch unmittelbar nach dem irren 2:2 gegen Braunschweig hatte FCM-Kapitän Beck für eine Weiterarbeit mit Krämer geworben. "Ich bin mir sicher, dass wir mit diesem Trainerteam und der Mannschaft in der Rückrunde erfolgreich spielen werden", sagte Beck.

Dabei war da die Entscheidung zur Beurlaubung Krämers längst gefallen. Schon vor dem Spiel waberte das Gerücht einer nahenden Ablösung des Trainers durch den Presseraum im Braunschweiger Stadion. Genau wie der Name des potenziellen Nachfolgers: Claus-Dieter Wollitz, der tags zuvor seinen Vertrag in Cottbus aufgelöst hatte. Ob auch das stimmt, wird die Zeit zeigen. Spätestens als FCM-Sportchef Maik Franz 45 Minuten nach Spielende ankündigte, nach harter Analyse später ein Statement abgeben zu wollen, war allen Anwesenden klar, was die Stunde geschlagen hatte.

FCM soll angreifen und begeistern

Nun ist es nicht so, als wäre Krämers Beurlaubung ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. In zu vielen Spielen unter seiner Führung agierte die Mannschaft offensiv nicht mutig genug. Keine Bewegung, keine Ideen – das war gerade gegen tiefstehende Gegner ein häufig zu sehendes Manko. Viele Fans hatten schon länger eine Ablösung gefordert, weil ihrer Meinung nach keine klare Spielidee zu sehen war.

Maik Franz bemängelte während der Halbserie mehrfach fehlenden Spielwitz und die Einstellung der Spieler. Der 1. FC Magdeburg soll offensiv auftreten und begeistern – das ist spätestens seit der Entlassung von Jens Härtel vor etwas mehr als einem Jahr bekannt. Weil die Mannschaft den Offensivgeist vermissen ließ, musste der Trainer gehen. So weit, so normal.

Krämer erfüllt offizielle Ziele

Doch auch eine Deutung wäre möglich gewesen. Vor der Saison wurde öffentlich ein Übergangsjahr ausgerufen. Die Mannschaft wurde neu zusammengestellt. Sie sollte sich finden und der Trainer sollte junge Spieler entwickeln, damit der FCM perspektivisch um den Aufstieg mitspielen kann. Weil viele Ex-Zweitligisten tief fallen, wurden zunächst 45 Punkte als Saisonziel genant. Keine Sorgen nach unten und Blickrichtung nach oben, so die Devise.

Diese Aufgabe hat Stefan Krämer überwiegend erfüllt. Zwar ist der FCM nach 20 Spielen nur Zwölfter, doch der Rückstand zum Aufstiegsrelegationsplatz ist mit sechs Punkten geringer als der Vorsprung auf die Abstiegsplätze (7). Gesichertes Mittelfeld eben, Blick leicht nach oben. Die Blau-Weißen stellen mit 21 Gegentoren die beste Abwehr der Liga. Mit Morten Behrens, Thore Jacobsen und Leon Bell Bell sind drei junge Spieler schnell zu Leistungsträgern geworden. All das könnte man als Zwischenerfolge auf dem Weg zurück nach oben deuten. Zumal es aus dem Fanumfeld überwiegend Zustimmung für den vor der Saison kommunizierten Weg gibt.

Politik der maximalen Einmischung

Intern ist die Ausrichtung jedoch eine andere. "Ich bin besessen vom Zweitliga-Aufstieg", sagte Geschäftsführer Mario Kallnik kürzlich im Podcast "Neues vom Krügel-Platz". Und diesem Ziel wird, trotz anderslautender Formulierungen nach außen, beim FCM alles untergeordnet. Kallnik und Franz betreiben eine Politik der maximalen Einmischung. Für die Zusammenstellung der Mannschaft sind sie verantwortlich. Der Trainer darf sich einbringen, aber nicht entscheiden. Jens Härtel hatte sich bis zum Schluss gegen dieses Vorgehen verwahrt und musste auch deshalb seinen Posten räumen.

Seine Nachfolger Oenning und Krämer bekamen Spieler, Trainerteam und die gewünschte Spielidee vorgesetzt. Franz ist regelmäßig beim Training anwesend und lässt sich von Kallnik vertreten, wenn er etwa im Urlaub ist. Spieler wie Leon Bell Bell loben die große Nähe und die vielen Gespräche, die beide führen. Zugleich ist es aber eine extreme Kontrolle der Führungsetage. Das macht es keinem Trainer leicht, vor allem wenn es nicht läuft. Stefan Krämer bekam das nun zu spüren.

Diskrepanz zwischen Anspruch und Kaderplanung

Die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Ziel und dem internen wirft jedoch die Frage auf, was die Bosse beim FCM eigentlich genau wollen? Die aktuelle Mannschaft umfasst gestandene Spieler. Ein paar Anführer und etliche Mitläufer. Aber auch viele junge Spieler, die sich im Profifußball erst noch beweisen wollen. In der Summe ist es also ein Team, das der Trainer entwickeln kann – genau wie es die öffentliche Zielstellung besagt. Ob Krämer dafür der Richtige war, ist nun müßig zu diskutieren.

Wenn der Wiederaufstieg aber möglichst schnell gelingen soll, hätte die Mannschaft anders zusammengestellt werden müssen. Dynamo Dresden hat in der Saison 2015/16 gezeigt, wie man einen Aufstieg plant und wie ein entsprechendes Team dafür aussehen muss. Auch der FCM hätte finanziell wohl die Möglichkeit gehabt, diesen Weg zu gehen. Und entschied sich dagegen. Kallnik und Franz tragen für all das die Verantwortung.

Maik Franz (Magdeburg)
Maik Franz muss einen neuen Trainer für den FCM finden. Bildrechte: imago images / Hübner

"Wer nicht abliefert, wird abgerechnet"

Im Januar werden die beiden Bosse einen neuen Trainer vorstellen. Einen, den sie natürlich gescoutet haben und von dem sie "absolut überzeugt sind, dass er zu 100 Prozent zum 1. FC Magdeburg passt". So war es bei Michael Oenning zu hören. Und Stefan Krämer. Nach Jahren großer Erfolge, die auch durch personelle Kontinuität in allen Bereichen erreicht wurden, ist es auch diese aufkommende Beliebigkeit beim Club, die die Fans zunehmend nervt.

Seit dem Zweitliga-Aufstieg stagniert die sportliche Entwicklung beim 1. FC Magdeburg. Drei Trainer durften sich jeweils knapp ein halbes Jahr lang beim FCM versuchen – ohne nachhaltigen Erfolg. Der Einfluss von Maik Franz wuchs in dieser Zeit, deshalb steht er nun besonders in der Pflicht. "Wer nicht abliefert, wird abgerechnet. Das ist nun mal so im Profifußball", ist in verschiedenen Variationen der Lieblingsspruch des Sportchefs. Und es ist höchste Zeit, dass auch er selbst mal wieder abliefert.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Dezember 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2019, 15:23 Uhr

11 Kommentare

August vor 3 Wochen

Das Trainer Karusell dreht sich nur der Tabellenplatz ist unbefriedigend für einen 2 Liga Absteiger und die Probleme sind fast die gleichen wie vor einem Jahr zu wenig Toore und Punkte in der Tabelle. Die Feinabstimmung mit dem Vorschlaghammer ausführen das klappt vileicht in Bayern aber dort kann man sich eine Toppmannschaft zusammenkaufen die der Trainer Beaufsichtigt.

Kimme1966 vor 3 Wochen

Wer möchte unter solchen Chefs arbeiten, die alles besser wissen, dem Trainer sogar noch vorschreiben, welche Spieler zu verpflichten sind. Solls der Franz doch selber richten. Mit Wollitz wird der, wenn er den auch als
Hutzepups behandelt, seinen Spaß haben. Da wirds so richtig krachen. So ein Theater gibts nichtmal bei FC Hollywood (Bayern).

Dynamofan vor 3 Wochen

Hallo, ich bin zwar SGD- Fan. Mein Eindruck von Kallnik und Franz aus der Ferne : Wichtigtuer, Blender, Möchtegerne, Dummschwätzer. Schade, FCM. 1974 hab ich das Spiel gegen AC Mailand im Radio unter der Bettdecke gehört. Da war ich 10 Jahre. 45 Jahre später sind da solche Flitzpiepen am Ruder. Völlig unfähige Gestalten. Nur inkompetentes Getue. Der Franz konnte ja nicht mal richtig Fussball spielen.

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