Heimsieg gegen Jena Ein erster kleiner Schritt für den FCM

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Der 1. FC Magdeburg wackelt gegen Jena ein paar Mal bedenklich, doch er fällt nicht. Und feiert nach Monaten der Tristesse eine Art Wiederauferstehung. Zumindest für den Moment.

Jubel nach 4:2 mit Trainer Claus-Dieter Wollitz
Der 1. FC Magdeburg bejubelt den ersten Sieg im jahr 2020. Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Um die Entwicklung der vergangenen Wochen beim 1. FC Magdeburg zusammenzufassen, brauchte es beim Heimspiel gegen den Tabellenletzten Carl Zeiss Jena gerade mal knapp 60 Sekunden. In der siebenten Minute war es Christian Beck, der Jena-Torwart Jo Coppens unter Druck setzte, so dass dieser ihn anschoss. Doch der Abpraller landete nicht im Tor sondern knapp daneben.

Im Gegenzug konnten gleich drei FCM-Verteidiger auf der linken Seite eine Flanke von Julian Günther-Schmidt nicht verhindern. Der fand Daniele Gabriele im Zentrum und schon stand es 0:1 Vorne glücklos und hinten oft zu passiv. So hatte sich der FCM zuletzt oft präsentiert und ist deshalb Schritt für Schritt in den Tabellenkeller gerutscht.

Verunsicherung auf dem Platz, Frust auf den Tribünen

Die Erwartungen im Umfeld waren vor dem Spiel ohnehin nicht sonderlich euphorisch gewesen. Nach dem frühen Rückstand wuchs die Ungeduld schnell. Schon nach 15 Minuten gab es erste Pfiffe von den Rängen, weil den FCM-Spielern nach vorne herzlich wenig einfiel. Gegen den Tabellenletzten wohlgemerkt, der bis dato schon 52 Gegentore in dieser Saison kassiert hatte. Verunsicherung auf dem Platz, Frust auf den Tribünen – es drohte ein weiterer sehr zäher Fußballnachmittag zu werden.

Christian Beck, der Kapitän, hatte etwas dagegen. Nach einer Ecke traf er unbehelligt per Kopf zum Ausgleich. Es war sein erstes Tor in diesem Jahr und zugleich ein Aufbruchssignal – an seine Mitspieler, aber auch an das Stadion. "Da sind mir Steine von meinen Schultern gefallen", gab der Torjäger zu. Am Ende stand mit 6:2 ein deutlicher Sieg und die Erleichterung war überall zu spüren. Doch anders als es das Ergebnis suggeriert, gelang längst nicht alles. Es war ein Nachmittag der Kontraste, ein ständiges Pendeln zwischen Leidenschaft und Wille auf der einen, und großer Verunsicherung auf der anderen Seite.

Fragile Sicherheit

Sehen konnte man das etwa beim Führungstreffer des FCM in der 31. Minute. Nach Vorarbeit von Bell Bell und Preißinger kam Sören Bertram zentral im Strafraum frei zum Schuss. Normalerweise ein sicheres Tor für jemanden wie Bertram. Aber beim FCM läuft es momentan eben nicht normal und der Angreifer vergab kläglich. Doch bei der anschließenden Ecke war er es dann, der den Ball verlängerte und so das Führungstor von Marcel Costly ermöglichte.

Ein weiteres Beispiel für die Wechselhaftigkeit des FCM sahen die Zuschauer nach der Pause. Der Club kontrollierte zunächst das Spiel und versuchte mit einem geordneten Aufbau nach vorne zu kommen. Solche Phasen gab es seit der Winterpause bislang fast gar nicht. Ergebnis einer sehenswerten Kombination war ein Freistoß an der Strafraumgrenze. Diesen schoss Timo Perthel arg lässig in die Mauer. "In der Phase waren wir uns zu sicher", sagte Sören Bertram im Anschluss selbstkritisch.

Die Quittung kam prompt. Wenige Minuten später gab es nach einem Konter von Jena ebenfalls Freistoß – und die Thüringer nutzten ihn zum Ausgleich. Damit war die Sicherheit beim FCM wieder dahin. Kurz darauf gab es erneut Pfiffe als die Mannschaft in der eigenen Hälfte mehrfach querspielte. Viele befürchteten nun eine komplette Blamage.

Negative Vorzeichen gedreht

Der Club wackelte, aber er fiel nicht. Was auch daran lag, dass Sirlord Conteh kurz nach seiner Einwechslung schon zu schnell für die Verteidiger von Carl Zeiss war. Ein Foul, ein Pfiff, Elfmeter. Diesen verwandelte Jürgen Gjasula, wie schon in den Vorwochen, souverän. Dem 3:2 ließ Christian Beck wenige Augenblicke später ein weiteres Tor folgen und beseitigte so alle Zweifel am ersten FCM-Sieg des Jahres 2020. Der zugleich der erste Erfolg für Claus-Dieter Wollitz als Trainer der Blau-Weißen war.

"Die Reaktion nach dem Ausgleich war sehr gut", lobte Sören Bertram. "In so einer Situation hätte es auch sein können, dass wir auseinanderfallen. Schließlich war die Verunsicherung sehr groß. Aber wir haben versucht, unseren Stiefel weiter runter zu spielen."

Und falls es noch einen Beleg braucht, dass der 1. FC Magdeburg die negativen Vorzeichen an diesem Tag gedreht hat, lohnt ein Blick in die 89. Minute. Da präsentierte sich die FCM-Abwehr einmal unsortiert. Doch statt zu einem Tor kam Jena diesmal nur zu einem Pfostentreffer. Und im Gegenzug erzielte der vielgescholtene Conteh seinen zweiten Treffer des Tages zum 6:2-Endstand. Hinten mit Glück, vorne effizient – zum Abpfiff verkörpert der FCM das Gegenteil seiner Ausgangssituation vor dem Spiel.

Sirlord Conteh Magdeburg, 17 beim Torschuss
Sirlord Conteh holte nach seiner Einwechslung einen Elfmeter heraus und erzielte zwei Tore. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Sören Bertram: "Nicht alles Gold was glänzt"

Trotz des deutlichen Sieges ist es zunächst nur ein kleiner Schritt aus der Krise. "Es war nicht alles Gold, was glänzt", sagte Sören Bertram. "Da sollten wir uns nicht vom Ergebnis blenden lassen." Zum Ende war das Selbstverständnis zu sehen, was Wollitz von seinen Spielern erwartet. Die Unsicherheit, die sich über die vergangenen Wochen aufgebaut hat, ist für den Moment gewichen. Darran lässt sich anknüpfen. Doch nächste Woche geht es eben nicht gegen den abgeschlagenen Letzten, sondern gegen Duisburg, den Tabellenführer. Dort kann der FCM zeigen, was der Sieg gegen Jena auf dem langen Weg aus dem Keller tatsächlich wert war.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Februar 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

husar vor 39 Wochen

Restlichen Spiele werden alle gewonnen und schwupps ist Magdeburg wieder in Liga 2.

August vor 39 Wochen

Gegen den Ewig Tabellenletzten gewonnen Respekt.

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