Winterpause in Liga 3 Die Tops und Flops der FCM-Hinrunde

Oliver Leiste
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Mit einem wilden Unentschieden ist der FCM in Braunschweig in die Rückrunde gestartet. Im letzten Spiel des Jahres zeigte der Club noch einmal, wofür er aktuell steht – im Guten, wie im Schlechten.

Torjubel Magdeburg, Cheftrainer Stefan Kraemer (1. FC Magdeburg) freut sich mit dem Team
Der Jubel nach dem Unentschieden in Braunschweig war beim FCM riesig. Bildrechte: imago images / Hübner

In der 85. Minute kam Christian Beck noch mal zum Abschluss. Es war die dritte FCM-Chance im Spiel gegen Braunschweig. Doch es wäre wohl etwas zu viel des Guten gewesen, hätte der FCM-Kapitän seine Mannschaft in diesem Moment tatsächlich zum Sieg geschossen. Die Blau-Weißen spielten nach Platzverweisen gegen Sirlord Conteh und Thore Jacobsen nur noch zu Neunt und stemmten sich mit aller Kraft gegen die pausenlos anrennenden Braunschweiger, die ebenfalls einen Platzverweis hinnehmen mussten.

Das 2:2 war am Ende der verdiente Lohn für eine herausragende kämpferische Leistung des 1. FC Magdeburg, der in Unterzahl zwei Mal einen Rückstand aufholte. Zugleich zeigte das erste Rückrundenspiel noch einmal alles, was den FCM in den vergangenen Monaten ausgemacht hat. Im Guten, wie im Schlechten.

Die Tops der Hinrunde

Endlich wieder eine Nummer 1

Held des Spiels in Braunschweig war zweifellos Torwart Morten Behrens, der die Eintracht mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung trieb. Im Sommer vom HSV gekommen, war er zu Saisonbeginn zunächst die Nummer 2. Nachdem Alexander Brunst mit einer Blinddarmverletzung ausfiel, rückte Behrens auf und ließ sich fortan nicht mehr verdrängen.

Mit seiner unaufgeregten Spielweise strahlt er Ruhe aus und gibt seinen Vorderleuten Sicherheit. Gravierende Fehler zeigte er nicht. "Jeder macht Fehler und irgendwann wird es mich auch erwischen", sagt er bescheiden. Doch aktuell spielt er deutlich konstanter als seine Vorgänger im FCM-Tor.

Die beste Abwehr der Liga

Von der guten Torwartleistung profitiert der FCM enorm und hat auch deshalb nach 20 Spielen die beste Abwehr der Liga. 21 Gegentore kassierten die Blau-Weißen bisher, nur der HFC hat bislang genauso wenig Tore hinnehmen müssen. Die vergleichsweise stabile Defensive stellt die Gegner vor enorme Herausforderungen und ist der Garant für regelmäßige Punktgewinne. Daran hatte auch Thore Jacobsen großen Anteil, der im defensiven Mittelfeld sicher zu den positiven Überraschungen der Saison gehört.

Beck und Bertram immer für Tore gut

Es ist eine Binsenweisheit, dass du, wenn du hinten sicher stehst, offensiv auch immer Möglichkeiten bekommst, Spiele für dich zu entscheiden. Bestätigt haben das beim FCM der Hinrunde Christian Beck und Sören Bertram. Beide haben bislang acht Treffer, und damit zusammen mehr als die Hälfte aller Magdeburger Tore erzielt. Besonders auffällig ist, dass beide keine lange Anlaufzeit brauchen. Erinnert sei an Bertrams Treffer gegen den HFC, Becks Siegtor in Großaspach oder eben an das 1:1 in Braunschweig. Oft genug reichen beiden wenige Chancen, weshalb sie die Lebensversicherung des 1. FC Magdeburg sind.

Jubel nach Tor 3:0 von Sören Bertram ( 20 1. FC Magdeburg) und Christian Beck ( 11 1. FC Magdeburg).
Sören Bertram und Christian Beck spielen nicht immer gut. Ein Tor der beiden ist trotzdem fast jederzeit möglich. Bildrechte: imago images / Hartmut Bösener

Treue Fans: "Unser Glaube kennt keine Liga"

Die große Besonderheit beim FCM waren auch in dieser Hinrunde die Fans. Trotz des Abstiegs aus der 2. Bundesliga und einer insgesamt mäßigen Hinrunde in Liga 3 ist der Zuspruch ungebrochen groß. Mehr als 3.000 Blau-Weiße begleiteten den Club nach Braunschweig. Dort kamen sie in den seltenen Genuss einer Heimkurve, die ihnen akustisch tatsächlich etwas entgegenzusetzen hatte.

Doch der FCM-Anhang ließ sich davon nicht beirren und trieb die Mannschaft unermüdlich nach vorne. Die Jubelorgien des Teams in der Kurve nach den Toren waren ein Zeichen der Dankbarkeit an die Fans. "Unser Glaube kennt keine Liga" sangen diese kurz vor dem Spielende. Und so lange die Mannschaft so kämpft, wie in der zweiten Halbzeit in Braunschweig, wird sich daran nichts ändern.

Die Flops der Hinrunde

Keine Impulse von der Bank

Dennoch verlief die bisherige Saison bislang alles andere als zufriedenstellend für den FCM. Mit 27 Punkten und Platz 12 steht der Club nach 20 Spielen so schlecht da, wie noch nie in seiner kurzen Drittliga-Geschichte. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Natürlich kann das Verletzungspech der Blau-Weißen nicht völlig ignoriert werden. Mit Mario Kvesic und Dustin Bomheuer fielen fest eingeplante Stützen bislang fast komplett aus. Auch Mittelfeldstratege Jürgen Gjasula fehlte phasenweise. Gerade den Ausfall von Kvesic konnte der FCM nur unzureichend kompensieren. 

Neben den Verletzungen wurde dem 1. FC Magdeburg auch die schwache Bank zum Nachteil. Insbesondere im Offensivbereich konnten Spieler wie Manfred Osei Kwadwo, Sirlord Conteh oder Anthony Roczen nur selten Impulse setzen, wenn sie eingewechselt wurden. Auch bei ihren wenigen Startelf-Einsätzen überzeugten sie kaum. Diese Schwächen im Kader haben erheblich dazu beigetragen, dass die Vorstellungen des FCM sehr schwankend waren. Es ist deshalb verständlich, dass sich Stefan Krämer in der Winterpause erfahrene Verstärkungen wünscht.

Muss mit roter Karte vom Platz Sirlord Conteh (1. FC Magdeburg)
Sirlord Conteh gehört in dieser Saison beim FCM bislang zu den Enttäuschungen. Bildrechte: imago images / Hübner

Auch Stammspieler lassen Konstanz vermissen 

Zur Wahrheit gehört aber ebenfalls, dass auch die Stammspieler nur selten ihr komplettes Potenzial abgerufen haben. Oft war dann von den fehlenden Erfahrungen einer jungen Mannschaft die Rede. Dabei spielen die meisten von den Spielern, die regelmäßig zum Einsatz kommen, seit Jahren in der 2. und 3. Liga.

Trotzdem wechselten sich begeisternde Spiele wie gegen 1860 München, Würzburg oder den HFC immer wieder mit Partien ab, in denen die Mannschaft wenig zielstrebig und phasenweise mut- und planlos wirkte. Als Beispiele seien die Vergleiche mit Chemnitz oder Kaiserslautern genannt. Allgemein hatte der FCM oft gegen tiefstehende Gegner Probleme.

Zwei Gesichter gegen Braunschweig

Und auch gegen Braunschweig zeigte der FCM wieder seine zwei Gesichter. Das kämpferische und mitreißende bekamen die Fans erst nach den Platzverweisen zu sehen – und waren dann zurecht völlig begeistert. Solange elf gegen elf gespielt wurde, wirkten die Blau-Weißen jedoch einmal mehr harm- und ideenlos.

Natürlich ist es legitim, wenn Trainer Stefan Krämer nach der Partie sagt: "Wer glaubt, dass wir eine gute Mannschaft wie Braunschweig einfach so dominieren, ist sicherlich schief gewickelt." Wenn man aber in 30 Minuten nicht einmal in die Nähe des gegnerischen Tores kommt und sich bei Einwürfen in der gegnerischen Hälfte mitunter kein FCM-Spieler bewegt, spricht das nicht unbedingt für einen mutigen Angriffsplan.

Große Versprechen, wenig Ertrag

Und diesen Punkt muss sich der Trainer direkt ankreiden lassen. Denn bei seiner Vorstellung im Sommer versprach er genau das: mutigen Angriffsfußball. Man wolle hoch pressen und dem Gegner "richtig Stress machen", sagte Krämer damals. Und auch während der Saison wählte er immer wieder Formulierungen, die die Fans mit maximaler Vorfreude, aber auch mit enormen Erwartungen ins Stadion lockten.

"Da musst du dein Herz und deine Seele auf dem Platz lassen und einfach abliefern", sagte Krämer etwa vor dem Spiel gegen Kaiserslautern. Oft genug folgten solchen Ankündigungen Enttäuschungen, weil die Mannschaft eben nicht wie gewünscht ablieferte.

Maik Franz: "Ein Spiegelbild der Saison"

Sportchef Maik Franz war nach der Partie in Braunschweig jedenfalls bedient. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Zuletzt hatte er der Mannschaft ein Mentalitätsproblem attestiert. Diesmal monierte er zum wiederholten Male die genannten Schwächen und die fehlende Konstanz der Mannschaft. "Das heute war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Wir werden die Hinrunde jetzt sehr ausführlich analysieren und dann ein Statement abgeben", kündigte er an und ließ so Raum für Spekulationen.

Maik Franz (Magdeburg)
FCM-Sportchef Maik Franz ist genervt von den wechselhaften Vorstellungen der Mannschaft. Bildrechte: imago images / Hübner

Christian Beck: "Wir sind eine geile Truppe"

Deutlich besser gelaunt trat Kapitän Christian Beck nach dem Spiel vor die Journalisten. Was nur zu verständlich ist, hatte er doch gerade mit allerletzter Kraft einen Punkt in Braunschweig verteidigt. "Man hat gesehen, dass wir eine geile Truppe sind. Was heute passiert ist, müssen wir mit in die Rückrunde nehmen."

In den bisherigen 20 Spielen sei der FCM – mit Ausnahme des Braunschweig-Spiels zum Auftakt – nicht schlechter als der Gegner gewesen. "Aber manchmal zu naiv oder zu dumm", sagt Beck und ergänzt: "Diese Fehler müssen wir abstellen. Dann bin ich mir sicher, dass wir mit diesem Trainerteam und der Mannschaft in der Rückrunde erfolgreich spielen werden."

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

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