Niederlage gegen Freiburg Warum das Aus im DFB-Pokal den FCM zusammenschweißt

Der 1. FC Magdeburg verabschiedet sich nach 120 Minuten gegen den Bundesligisten SC Freiburg aus dem DFB-Pokal. Doch die Partie war trotz des unliebsamen Ergebnisses wichtig. Wie die Spieler sogar Kraft aus der Niederlage schöpfen.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Magdeburgs Spieler werden von ihren Fans gefeiert
Die Fans feierten die FCM-Spieler nach dem Schlusspfiff trotz Niederlage. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Diesen einen besonderen Gang musste Stefan Krämer noch gehen. Zwei Stunden vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg schüttelte der Cheftrainer des 1. FC Magdeburg die Hand von Heinz Krügel – zumindest die vom Denkmal der Trainer-Legende vor der MDCC-Arena. Später erklärte Krämer: "Das habe ich, warum auch immer, bevor wir nach Meppen gefahren sind auch schon gemacht und da hat es Glück gebracht." Der FCM feierte vor einer Woche beim SV Meppen seinen ersten Saisonsieg in Liga drei. Und: "Weil ich ein bisschen abergläubisch bin, habe ich das wieder gemacht."

Der Handschlag mit Heinz Krügel wirkte erneut. Zwar verpasste der FCM gegen den Bundesligisten aus Freiburg die Sensation. Mit 0:1 musste sich Magdeburg nach Verlängerung geschlagen geben. Doch erzählte das Ergebnis nicht, was dieses Spiel für die Mannschaft wirklich wert war. "So komisch es sich auch anhört", sagte FCM-Verteidiger Timo Perthel im Kabinentrakt. "Wir schöpfen Kraft aus dieser Niederlage. Unser Zusammenhalt wurde nochmal gestärkt." Weil es oft die Misserfolge und schweren Zeiten sind, die einen besonders zusammenschweißen – das gilt im Fußball wie im Leben.

Thüringen

Fans des 1. FC Magdeburg 6 min
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Sa 10.08.2019 18:34Uhr 06:23 min

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Christian Streich: Lobeshymne auf die FCM-Fans

So erschien es zum Abschluss symbolisch, wie die entkräftete Mannschaft nach der verlorenen Verlängerung vor "Block U" trat. Der Vorsänger der Ultras sprach ins Mikrofon: "Im Namen von Block U und im Namen der gesamten Fanszene des 1. FC Magdeburg: Danke! Ihr könnt stolz sein, weil ihr 120 Minuten gekämpft und alles gegeben habt."

FCM-Zugang Sören Bertram nickte kurz darauf bei seiner Spielanalyse. "Ja, heute sind wir erstmal niedergeschlagen und erschöpft, aber morgen können wir das vielleicht sein." Der Gang vor den Fan-Block nach dem Spiel? "Das war eine Sensation. Das ganze Spiel war so ein geiles Erlebnis wegen dieses unfassbaren Publikums – für solche Spiele bin ich hierhergekommen." Und das machte allen Lust auf mehr.

Christian Streich, der Gästetrainer, fand nochmal ganz eigene Worte, um die Vorstellung des Magdeburger Anhangs zu loben: "Ich wusste ja, dass es hier laut ist. Aber mir war nicht bewusst, dass es so laut ist. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir Ohrstöpsel mitgebracht. Das ist Wahnsinn. Ich höre kaum noch was." Er sei mit dem SC Freiburg ja schon in vielen Bundesliga-Stadien unterwegs gewesen, aber: "Ich war selten in einem Stadion, in dem es so laut war. "

Laut war es also in der MDCC-Arena. Doch dann war da noch diese Atmosphäre auf den Rängen und auf dem Rasen, die sagte: Hier kämpfen alle für ein Ziel, für die nächste Pokal-Sensation. Hier tritt eine Einheit auf, aus allen Spielern, Verantwortlichen, Trainerteam und Zuschauern.

Das war gewiss bereits in den vergangenen beiden Heimspielen in der Liga so gewesen – allerdings nicht mit dieser Intensität. Und es war ein wichtiges Zeichen für den Klub, der in den vergangenen Monaten nach dem Abgang des Meistertrainers Jens Härtel und zahlreichen Identifikationsfiguren zumindest Gefahr lief, etwas Identität zu verlieren. Stefan Krämer sagte nun zum ausgezeichneten Zusammenspiel zwischen Fans und Team: "Die Zuschauer geben eine unfassbare Energie ab. Das macht Spaß, da an der Linie zu arbeiten. Der Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen, sie hat alles rausgeknallt."

Wer zusammen kämpft, ist füreinander da

Die Pokalpartie gegen Freiburg zeigte: Mit Magdeburg wird in der dritten Liga zu rechnen sein. Auch wenn der Saisonbeginn mit fünf Punkten aus vier Partien durchwachsen verlief. "Wenn wir so gegen Chemnitz spielen, dann können wir das Ergebnis sicher anders gestalten als heute", sagte Sören Bertram mit Blick auf das Auswärtsspiel beim Chemnitzer FC. Und Freiburgs Trainer Streich lobte: "Magdeburg war sehr organisiert, sehr ballsicher, hat mutig nach vorne gespielt, körperlich topfit."

Torwart Slexander Schwolow (Freiburg) gegen Soeren Bertram (FCM)
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Das ganze Spiel war so ein geiles Erlebnis wegen dieses unfassbaren Publikums – für solche Spiele bin ich hierhergekommen.

FCM-Zugang Sören Bertram

Elf neue Spieler hat der FCM im Sommer verpflichtet. Hinzu gesellten sich Talente aus dem eigenen Nachwuchs. Die Anzahl der Abgänge: 17. Die neu zusammengestellte Mannschaft musste sich erst finden, befindet sich noch immer in diesem Prozess. "Dieser Teamspirit, dieser Mannschaftsgeist kommt Stück für Stück – auch, wenn es mal nicht so läuft. Da wächst was zusammen", erzählte Co-Trainer Silvio Bankert bereits vor dem Freiburg-Spiel im MDR-SACHSEN-ANHALT-Podcast "Neues vom Krügel-Platz".

Wer zusammen kämpft und trotzdem verliert, ist anschließend füreinander da – auf dem Platz und abseits davon. Das bestätigte sich am Samstagnachmittag. Genau wie die Tatsache, dass der Handschlag zwischen Stefan Krämer und dem Heinz-Krügel-Denkmal offensichtlich Glück bringt – oder zumindest für eine prima Leistung des FCM sorgt.

Im "Block U" weht eine Fahne, die das Konterfei von Heinz Krügel zeigt und auf der geschrieben steht: "Haltet meinen FCM in Ehren." Und das hat das aktuelle Team gegen Freiburg ohne Frage getan.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 10:45 Uhr

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7 Kommentare

12.08.2019 14:16 Mara 7

Schade Schade Schade....

Es sollte mal wieder nicht sein, den Jungs kann man keinen Vorwurf machen, Sie haben 120 Minuten stark gekämpft alles gegeben....
Leider war das Glück nicht auf unserer Seite, obwohl es verdient gewesen wäre nach dieser starken Leistung..
Ein Klassenunterschied war kaum erkennbar, die Stimmung im Stadion war Sensationell, das es sogar Herrn Streich zu laut war...(ein sehr sympathischer Trainer)....
Mit so einer Leistung sollte es kein Problem sein die Liga zu halten...

Glückwunsch an den SC Freiburg, ich sage mal zu dem unverdienten Sieg.....Gewonnen ist Gewonnen....
Auch ein großes Lob an die Fan's von Freiburg die sich hervorragend benommen haben,nicht immer läuft es so friedlich ab...
Ich wünsche den Freiburger in der Liga und 2.Runde viel Erfolg...

Mit den Schiedsrichter ist und wird es immer ein Problem sein....

Unseren Jungs wünsche ich am Freitag viel Glück das man die 3.Punkte mit nach Hause nimmt...

BWG

12.08.2019 11:47 Lon Suder 6

Träumt weiter, die Hoffnung stirbt zuletzt.

11.08.2019 15:03 Blau 5

Tolles Spiel Jungs, nur das Glück war leider auf der andere Seite.
Jetzt 100% auf die Bundesliga konzentrieren und nur das Zählt jetzt.