Tarsis Bonga (CFC) prüft Alexander Brunst (Magdeburg)
Trotz eines phasenweise dominanten Auftritts hatte der FCM am Ende Glück, in Chemnitz nicht zu verlieren. Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

0:0 in Chemnitz Der fragile Aufschwung beim FCM

Beim 0:0 in Chemnitz holt der FCM einen am Ende einen glücklichen Punkt. Nach starkem Beginn zeigt sich, dass die Mannschaft noch längst nicht da ist, wo sie sein möchte.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Tarsis Bonga (CFC) prüft Alexander Brunst (Magdeburg)
Trotz eines phasenweise dominanten Auftritts hatte der FCM am Ende Glück, in Chemnitz nicht zu verlieren. Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Seit vier Punktspielen ohne Niederlage und in dieser Zeit nur zwei Gegentore: Nimmt man nur diese beiden Werte, könnte der 1. FC Magdeburg ein Spitzenteam sein. Doch von diesem Anspruch sind die Blau-Weißen aktuell meilenweit entfernt. Das 0:0 in Chemnitz am Freitagabend war bereits das dritte Unentschieden in der noch jungen Saison. Der FCM tritt auf der Stelle.

"Auf einem guten Weg"

Dabei hatten die Magdeburger in den vergangenen Tagen so hoffnungsvoll geklungen, sich nach schwierigem Start bereits gefunden zu haben. "Ich glaube, als Mannschaft kommen wir immer besser ins Rollen", sagte Sören Bertram im Podcast "Neues vom Krügel-Platz".

Einige Tage zuvor hatte Co-Trainer Silvio Bankert nach dem Spiel in Meppen von einem klaren Aufwärtstrend gesprochen. "Da hat man gesehen, dass etwas zusammenwächst. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg" so Bankert. Auch wenn er einschränkte, dass das ganze Gebilde noch recht fragil sei.

Viel Ballbesitz, wenig Chancen

Natürlich kann man die mannschaftliche Entwicklung nicht mit der spielerischen gleichsetzen. Doch in Chemnitz zeigte der FCM, dass er noch nicht die Stabilität hat, die er nach fünf Spielen in Liga drei gerne hätte. In der ersten Halbzeit dominierten die Magdeburger das Spiel klar, hatten gefühlt 75 Prozent Ballbesitz. Ging der Ball doch mal verloren, gewannen ihn die FCM-Kicker innerhalb weniger Sekunden wieder zurück.

Wirklich klare Chancen gab es dennoch kaum. Sören Bertram vergab die beste, als er an gleich einem halben Dutzend CFC-Verteidigern vorbeirauschte und anschließend am Chemnitzer Torhüter scheiterte. Gegen die tiefstehenden Sachsen – alle elf CFC-Spieler verteidigten weit in der eigenen Hälfte – tat sich Magdeburg schwer, Lücken zu finden. Das Spiel erinnerte an die Auftaktpartie gegen Eintracht Braunschweig. Mit dem Unterschied, dass die FCM-Verteidiger den Ball stets sicher zu ihren Mitspielern brachten. "Wir haben gut gespielt, aber vor allem auch gut abgesichert", lobte Trainer Stefan Krämer anschließend im Interview bei Magentasport.

Ballverluste in den "falschen Zonen"

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. Magdeburg konnte dann nicht mehr die Dominanz ausstrahlen, wie noch vor der Pause. "Da haben wir häufig in Zonen den Ball verloren, aus denen der Gegner gut umschalten konnte", analysierte Krämer. Und meint damit Ballverluste in der eigenen Hälfte. Auch sei die Absicherung nicht mehr so gut gewesen.

Die Folge: Chemnitz kam durch Bonga und Tuma zu hochkarätigen Chancen. FCM-Torwart Alexander Brunst parierte zwei Mal glänzend. Zudem hatten die Magdeburger zwei Mal Glück: Für ein Bertram-Foul im Strafraum hätte es durchaus Elfmeter geben können. Langer traf fünf Minuten vor Schluss per Kopf die Latte.

Durchschlagskraft fehlt

Aufgrund des Spielverlaufs kann der 1. FC Magdeburg mit dem Punkt einigermaßen zufrieden sein. Dennoch dürfte das Ergebnis für einiges Grübeln sorgen. Denn zum wiederholten Mal entwickelten die Blau-Weißen nicht die Durchschlagskraft, die es braucht, um konstant zu punkten. Das 5-4-1-System, in dem die Chemnitzer verteidigten, bezeichnete Krämer als das System, "das am schwierigsten zu bespielen ist". Braunschweig stand genauso tief, auch da hatte Magdeburg Probleme.

Krämer: "Mehr Dribblings, mehr Mut"

Die nächsten beiden Gegner sind 1860 München und Jena. Zwei Teams, die wie Chemnitz im Tabellenkeller stecken. Es ist also nicht zu erwarten, dass die beiden den FCM mit offenem Visier empfangen werden. "Da brauchen wir mehr Dribblings, mehr Bewegung und noch mehr Mut", erklärte Krämer nach dem Spiel. Wohlwissend, dass das leichter gesagt, als tatsächlich umgesetzt ist.

Die Ansätze und Ideen stimmen beim FCM, das wurde gegen Chemnitz deutlich. Genauso jedoch der Umstand, dass noch einiges zu tun ist, bevor aus der fragilen eine nachhaltige Entwicklung wird. Der 1. FC Magdeburg, das scheint nach dem Unentschieden klar, wird noch einige Zeit brauchen, bevor er wirklich ins Rollen kommt.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. August 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 09:21 Uhr

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5 Kommentare

18.08.2019 10:07 fläming 5

@MLink-Berlin wir werden mit SK auch keinen Blumentopf mehr gewinnen, darauf wette ich.
Er ist ein netter Kerl, aber eben kein Erfolgstrainer.
Bei Chahed und Costly darf kein Vertrag mehr verlängert werden. Sie werden uns nicht weiterhelfen können. Der verdienstvolle C.Beck hilft uns zur Zeit auch nicht mehr. Der FCM muß aufhören den Härtelschen Personenkult weiter zu betreiben. Drittligafußball ist Leistungssport und muß auch so gehandhabt werden. BWG

17.08.2019 21:49 abc 4

Es ist schon beeindruckend, wie diverse Beteiligte die Situation schön reden, der MDR eingeschlossen. Wo ist die kritische Auseinandersetzung, auch durch den Heimatsender?
Alles andere als oben mitzuspielen, ist enttäuschend für einen Absteiger. Ambition, eine angemessene Reflexion und sportliche Kompetenz sehen anders aus.

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
In unseren Augen setzt sich der Artikel kritisch mit der Lage auseinander. Eine Beispielpassage: "Aufgrund des Spielverlaufs kann der 1. FC Magdeburg mit dem Punkt einigermaßen zufrieden sein. Dennoch dürfte das Ergebnis für einiges Grübeln sorgen. Denn zum wiederholten Mal entwickelten die Blau-Weißen nicht die Durchschlagskraft, die es braucht, um konstant zu punkten."

17.08.2019 21:32 Einmal Fan immer Fan 3

Das hat nichts mit Fussball zu tun,das ist nur ein "rumgegurke",was der FCM dort bietet. Ich vermisse die Leidenschaft und den Kampfgeist im Spiel. Aber diese Tugenden sind dem Club mit dem Aufstieg in Liga 2 verloren gegangen. Ich denke ,dass einen wesentlichen Anteil an diesem Gelämmer die Vereinsführung ( Herr Kallnik und Herr Franz ) zu verantworten haben. Wenn nicht bald etwas auf den Transfermarkt geschieht,sehe ich den Club mit diesem Kader die nächste Saison in der 4 Liga spielen.

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