Münsters Kevin Rodrigues Pires und Halles Sebastian Mai kämpfen um den Ball
Der HFC ist stark wie nie, hier Sebastian Mai im Zweikampf mit Kevin Rodrigues Pires. Bildrechte: imago/Kirchner-Media

Aufstiegsplätze im Blick Fünf Gründe für den Lauf beim Halleschen FC

Der Hallesche FC ist in der 3. Liga seit sieben Spielen ungeschlagen und schiebt sich immer näher an die Aufstiegsplätze heran. Am Sonnabend gelang beim 2:1-Erfolg in Münster der nächste Streich. Mit 30 Punkten nach 17 Spielen hat der HFC so viele wie noch nie in seiner Drittligageschichte. Der momentane Lauf hat viel mit der Arbeit von Trainer Torsten Ziegner zu tun, aber nicht nur. Das sind die fünf Gründe, warum der HFC derzeit nicht zu schlagen ist.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Münsters Kevin Rodrigues Pires und Halles Sebastian Mai kämpfen um den Ball
Der HFC ist stark wie nie, hier Sebastian Mai im Zweikampf mit Kevin Rodrigues Pires. Bildrechte: imago/Kirchner-Media

Zusammenhalt

Im Sommer wurde der HFC-Kader runderneuert. Die vielen Zugänge verstanden sich von Beginn an prächtig mit den wenigen Spielern, die geblieben waren. Egal, wen man beim HFC fragt, jeder lobt die Stimmung in der Mannschaft und den Zusammenhalt. "Ich würde uns nicht nur als Arbeitskollegen, sondern auch als Freunde bezeichnen", sagte etwa Mathias Fetsch kürzlich dem Kicker. 

Die Spieler verbringen außerhalb des Trainingsplatzes viel Zeit zusammen, kochen gemeinsam oder schauen in großer Runde andere Fußballspiele. Und davon profitiert die Mannschaft auch auf dem Platz. Man merkt den Spielern an, dass sie Spaß daran haben, miteinander Fußball zu spielen. Dieser Zusammenhalt macht es den Gegnern schon seit dem Saisonbeginn schwer, den Hallleschen FC zu knacken.

Eine Mannschaft, die aus ihren Fehlern lernt, kommt weiter. Das sieht man derzeit beim HFC.

Lernwilligkeit

Als Trainer ist Torsten Ziegner maßgeblich für den derzeitigen Erfolg beim HFC verantwortlich. Er lebt Zielstrebigkeit vor, reagiert schnell mit taktischen Veränderungen auf neue Situationen und scheut sich nicht, unkonventionelle Wege zu gehen. Seine Mannschaft folgt ihm dabei. Spieler wie Trainer – und somit der HFC insgesamt – profitieren von der extremen Lernwilligkeit der Mannschaft. Paradebeispiel ist natürlich Sebastian Mai. Im Sommer kam er aus Münster und war eigentlich als Innenverteidiger vorgesehen. Zum Einsatz kam er auf dieser Position bisher kaum. Stattdessen spielte er erst im Mittelfeld und später sogar im Sturm. Mai lässt sich auf die Ideen seines Trainers ein und setzt diese erfolgreich um. Mit seiner Wucht, aber auch mit gutem Spielverständnis trägt er dazu bei, dass der HFC vor dem Tor gefährlicher ist als in der ersten Saisonphase. 

Ein anderes Beispiel ist das Verhalten in Unterzahl: Schon drei Mal musste der HFC in dieser Saison ein Spiel mit einem Mann weniger beenden. Gegen Uerdingen und Wiesbaden ging es schief. Gegen 1860 München erkämpfte der HFC dann einen Punkt – auch weil die Mannschaft ihre Lehren aus den beiden Niederlagen gezogen hatte. "Diese Erfahrung hat uns geholfen, es besser zu verteidigen", erklärte Kapitän Jan Washausen später. Eine Mannschaft, die aus ihren Fehlern lernt, kommt weiter. Das sieht man derzeit beim HFC.

Stabilität

Torsten Ziegner hat eine feste Stammelf entwickelt. Oder besser gesagt: eine Stamm-Zwölf. Vor Torwart Kai Eisele verteidigen normalerweise Toni Lindenhahn, Moritz Heyer und Niklas Landgraf. Davor räumen Jan Washausen, Bentley Baxter Bahn oder Björn Jopek ab. Marvin Ajani und Braydon Manu wirbeln auf außen und im Angriff sind Sebastian Mai, Mathias Fetsch und Pascal Sohm gesetzt. Natürlich können immer nur elf spielen, doch wenn Sperren oder Verletzungen es nicht verhindern, kommen diese zwölf jedes Mal zum Einsatz – zur Not als Einwechsler. Die Eingespieltheit gibt der Mannschaft Stabilität, so dass sich auch Spieler, die nicht so oft zum Zug kommen, schnell zurecht finden. Zuletzt waren das etwa Fynn Arkenberg oder Davud Tuma. 

Bescheidenheit

Andere Vereine in der 3. Liga haben klar das Ziel formuliert, aufzusteigen. Beim HFC war davon nach dem verkorksten Vorjahr keine Rede. Und auch in der aktuellen Phase mit sieben Spielen ohne Niederlage und nur einem Punkt Rückstand auf Platz 2 lehnt sich in Halle niemand zu weit aus dem Fenster. Man wolle möglichst lange oben dabei bleiben, wiegeln die Beteiligten ab, wenn man sie nach möglichen Aufstiegsambitionen fragt. Und diese Bescheidenheit könnte zum Trumpf werden, wenn es die Mannschaft dadurch schafft, sich auch in Zukunft auf Fußball zu konzentrieren.

Der Trainer schenkte Mathias Fetsch Vertrauen und ließ ihn in einer schwierigen Phase immer spielen. Und der Stürmer zahlt es nun mit Toren zurück.

Mathias Fetsch

Die bislang letzte Niederlage kassierte der HFC Mitte Oktober gegen Hansa Rostock. Von diesem Spiel blieb vor allem eine kläglich vergebene Chance von Mathias Fetsch in Erinnerung. Es könnte so etwas wie der Wendepunkt der Saison gewesen sein. Denn zehn Tage später erzwang der bis dato glücklose Stürmer ein Tor in Würzburg, als er den Ball aus wenigen Zentimetern Entfernung ins Tor schob. Und seitdem läuft es bei Mathias Fetsch und deshalb auch beim HFC. In den vergangenen fünf Spielen traf Fetsch fünf Mal. Damit hat er ganz erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung bei den Rot-Weißen. 

Ganz nebenbei erfüllt der Angreifer damit auch die Prophezeiung seines Trainers Torsten Ziegner. "Der Fetsch wird seine Tore noch machen", hatte er gebetsmühlenartig wiederholt, als der Genannte noch regelmäßig beste Möglichkeiten liegen ließ. Der Trainer schenkte Mathias Fetsch Vertrauen und ließ ihn in einer schwierigen Phase immer spielen. Und der Stürmer zahlt es nun mit Toren zurück.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Dezember 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2018, 11:53 Uhr

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7 Kommentare

03.12.2018 11:48 revolvere 7

ich hätte auch sagen können: es gibt nur einen toni lindenhahn, und der spielt bei uns. es ist für den club existentiell, da weiter zu machen und idenditäten zu schaffen.
die zwei jahre davor, wie @ 2 schreibt, kennen wir ja alle.

03.12.2018 11:15 revolvere 6

freilich hesskamp, aber da dürfte herr ziegner ein wörtchen mitgeredet haben. denn nur so funktioniert das.
viel spricht dafür, dass junge spieler kommen und die lücken füllen werden. dann können wir sagen: wir haben alles richtig gemacht.

03.12.2018 10:57 Tomate 5

@4 Kann man nur zustimmen. Er hatte nicht nur bei den neuen ein gutes Auge sonder hat meines Erachtens auch die vorhanden Spieler gut mit den Neuen verstärkt und dabei auch auf die Caracktere geachtet. Hoffe immer noch wir können alle Spieler halten in die neue Saison.