Ungewissheit in der dritten Liga FCM und HFC für Saisonabbruch: Zwischen Zuspruch und Vorwurf

In der ersten und zweiten Bundesliga wird ab dem 15. Mai wieder Fußball gespielt. FCM und HFC wollen indes den Saisonabbruch in der dritten Liga. Fans und Landespolitik unterstützen diese Position. Doch es gibt auch Kritik.

Leeres Stadion
Das Magdeburger Stadion ist während der Veranstaltungssperre ein Ort der Leere und Stille. Bildrechte: MDR/Julian Mengler

Der 1. FC Magdeburg und der Hallesche FC sind sich einig: Die Drittliga-Saison sollte nach Meinung der Klubs nicht fortgesetzt werden. Nach dem Beschluss, die Bundesligisten ab 15. Mai vor leeren Rängen spielen zu lassen, positionierten sich FCM und HFC erneut klar gegen eine solche Regelung für die dritthöchste Spielklasse – und sie wissen die Landespolitik auf ihrer Seite.

Nach einer 45-minütigen Videokonferenz von Ministerpräsident Reiner Haseloff mit HFC-Präsident Jens Rauschenbach und FCM-Manager Mario Kallnik stand für den Landeschef fest: "Es kann beim Fußball nicht nur um erste und zweite Liga gehen." Haseloff forderte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, ein tragfähiges Finanzkonzept für die dritte Liga zu erstellen – vor allem für die nächste Saison.

Haseloff: Keine Sonderrolle für den Fußball

Noch ist ungewiss, wie es für FCM und HFC weitergeht. Am 25. Mai soll auf einem Außerordentlichen Bundestag des DFB über das weitere Vorgehen in der dritten Liga sowie der Frauen-Bundesliga entschieden werden.

Eine Sonderrolle für die Drittliga-Klubs wird es in Sachsen-Anhalt nicht geben. Grund sei laut Haseloff auch eine "gesellschaftliche Verantwortung", die die Klubs für Sachsen-Anhalt tragen. Ohnehin sind Drittliga-Spiele auf Basis der aktuellen Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus nicht erlaubt, sportliche Wettkämpfe bis zum 27. Mai verboten.

HFC 2 min
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Mi 06.05.2020 16:53Uhr 01:38 min

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Video

Kein Training bei FCM und HFC

Bei einer Abstimmung aller Drittliga-Vereine hatten sich FCM und HFC zuletzt bereits für einen Abbruch der Saison ausgesprochen. Beide Klubs werden auch das Training in Kleingruppen nicht wieder aufnehmen – obwohl das erlaubt wäre.

"Ohne absehbare und klare Perspektive [...] ist dies auch aus Verantwortung für unsere Mitarbeiter und die finanzielle Situation des HFC nicht sinnvoll", sagte HFC-Präsident Jens Rauschenbach.

HFC-Präsident Jens Rauschenbach.
HFC-Präsident Jens Rauschenbach Bildrechte: imago images/VIADATA

FCM-Manager Mario Kallnik erklärte: "Das Wohl und die Gesundheit der Mitarbeiter des 1. FC Magdeburg stehen für alle verantwortlich handelnden Gremien fest im Vordergrund." Das geplante Saisonende zum 30. Juni sei nicht mehr haltbar.

Geschäftsführer Mario Kallnik 1. FC Magdeburg
FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik Bildrechte: imago images/Picture Point

Harte Vorwürfe an FCM und HFC

Beide Klubs hatten zuletzt kritisiert, dass das Hygienekonzept für die erste und zweite Bundesliga in der dritten Liga aus finanziellen und organisatorischen Gründen schlicht nicht umsetzbar sei. Robert Marien, Vorstandschef des F.C. Hansa Rostock, bestritt das im NDR: Das Konzept sei zwar "eine Herausforderung", aber "umsetzbar".

Sein Vorwurf in Richtung Halle und Magdeburg: "Es gibt ein Bundesland mit Sachsen-Anhalt, indem der Klassenerhalt politisch gesichert werden soll." Sowohl FCM als auch HFC befinden sich sportlich in Abstiegsgefahr, während Rostock noch aufsteigen kann – besser gesagt: könnte.

Robert Marien
Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Der Klassenerhalt soll politisch gesichert werden.

Robert Marien, Vorstandschef F.C. Hansa Rostock

HFC und FCM: Zuspruch von den Fans

Bei den Fans ernteten FCM und HFC indes viel Zuspruch. So erklärte die aktive Fanszene des FCM am Mittwoch: "Wir wollen den Verantwortlichen des 1. FC Magdeburg den Rücken stärken, sich weiterhin gegen eine zeitnahe Wiederaufnahme des Ligaspielbetriebs auszusprechen."

Weiter hieß es: "Der Profifußball, so weit entfernt von der Basis und der Anhängerschaft wie nie zuvor, zeigt in diesen Tagen sein wahres Gesicht. Die Gesundheit der Spieler, ein verzerrter Wettbewerb, das unnötige Ausreizen von knappen Testressourcen, die Vorbildfunktion – all diese Punkte sind nur Nebensache, wenn es in Wirklichkeit nicht um den Fußballsport geht, sondern ausschließlich um eine elitäre Sonderrolle und hunderte Millionen von Euro." Auch die Fanszene des Halleschen FC positionierte sich bereits klar gegen Geisterspiele.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Mai 2020 | 19:00 Uhr

29 Kommentare

Seniorfan vor 20 Wochen

Sehr zutreffendes Interview mit Soeren Bertram in der Volksstimme heute. Dieser Meinung sind bestimmt viele Spieler. Aber der DFB hat ja einen Maulkorb erteilt.

Seniorfan vor 20 Wochen

Bin voll der selben Meinung. Der CFC hat sich zum Handlungsgehilfen und damit zum Liebling des DFB und seinen Vasallen in Bayern gemacht. Das Geschenk (Lizenz) kam ja schon. Noch vor Wochen hat man über ein weiteres Minus wegen zu geringer Zuschauerzahlen lammentiert und reicht es trotz Insolvenz für Geisterspiele. Ein Schelm wer Schlechtes denkt. Hoffentlich bleiben die anderen stark in ihrer Meinung und treten nicht an dazu die beiden die die Bedingung Saisonende 30.06. fordern. Will mann dann 8-
10 Mannschaften absteigen lassen.

Realist2 vor 20 Wochen

Ich bin glaube ich ein ganz großer Fußballfan, aber man sollte sich endlich darauf einigen, dass die Saison gelaufen ist und daran arbeiten die neue Saison vorzubereiten für "ALLE" !!! Schluss mit Fußball. Die Handballer haben es super vorgemacht. Die erste und zweite Bundesliga sind nicht allmächtig. Immer wieder werden Profis mit überzogenen Gehältern bevorteilt, daran sind auch die Vereine beteiligt. Nein... hier hört jedes Verständnis auf!!! Mein Enkel mit fünf Jahren ist seit zwei Monaten Blind... Dass sind menschliche Probleme die unser "SUPER-Staat" nicht unterstützt...aber Fußballmillionäre...abartig...

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