Christian Beck und Felix Schiller freuen sich über den Aufstieg.
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Gastkommentar zum Aufstieg "Mit blau-weißer Liebe an deiner Seite, FCM"

Kerstin Kinszorra ist Sprecherin der Stadt Magdeburg. Täglich repräsentiert sie die Landeshauptstadt nach außen. Ganz nebenbei – oder hauptsächlich – ist sie aber auch Fan des FCM. Und kann deshalb so gut wie kaum jemand sonst beurteilen, welche Wirkung die FCM-Erfolge für Magdeburg haben. In der Außenwahrnehmung, aber auch in der Stadt selbst. Ein Gastkommentar.

Christian Beck und Felix Schiller freuen sich über den Aufstieg.
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Der Text für diesen Kommentar war eigentlich am Freitagabend (20.4.) schon fertig. Und er klang gut, war gefüllt mit wohl gewählten Sätzen und angemessen für jemanden, der täglich mit Worten arbeitet und in meiner Position arbeitet. Doch jetzt, mehr als 24 Stunden später, muss ich den Text noch einmal umschreiben. Weil sich der angemessen sachliche Ton nicht mehr richtig anfühlt für diese Wahnsinnsleistung, die der 1. FC Magdeburg an diesem Tag vollendet hat. Die Krönung einer starken Saison, die ja quasi noch drei Zugaben in Form von Punktspielen bereithält. Spieler, Verein, Fans – diese Einheit war in den vergangenen Monaten beinahe unschlagbar, sie war zu spüren – auf dem Platz und auf den Rängen. Und deshalb glaube ich es selbst einem gestandenen Spieler wie Dennis Erdmann, wenn er sagt, dass er so etwas noch nicht erlebt hat.

Kerstin Kinszorra
Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra Bildrechte: Stadt Magdeburg

Ich möchte jetzt nicht weit ausholen und einen historischen Rundumschlag anstrengen, aber diese Stadt hat auf die Ankunft im Profi-Fußball so lange warten müssen. 25 Jahre, eine Generation. Magdeburg hat gebraucht, um sich zu berappeln – so wie der Club nach der Wende plötzlich zu kämpfen hatte, hatten es auch viele Magdeburgerinnen und Magdeburger, deren Leben nach der politischen Wende 1989/90 auf den Kopf gestellt wurde. An Fußball wollten da viele nicht mehr denken, der Europapokal-Ruhm von 1974 war verblasst – neue Heldentaten auf dem Platz nicht in Sicht.

Stadt und Club im Wandel

Doch so wie ich seit circa zehn Jahren merke, wie die Stadt dynamischer wird, die Bevölkerung wächst, viele neue Jobs entstehen und an vielen Stellen gebaut wird – genau von so einer Welle des Aufschwungs wurde auch der FCM erfasst. Kluges Wirtschaften und eine stabile Vereinsführung, dazu gute Personalentscheidungen im Spieler- und Trainerbereich – es klingt so einfach, doch erst in den letzten Jahren konnte der Club davon profitieren. Über die Psychologie, die Seele des Spiels und wie sich das auf die Fans und letztlich auf die Stadt überträgt, könnte ich stundenlang reden.

Über Spieler, die die FCM-DNA verinnerlicht haben, einen Trainer, der so herrlich bodenständig ist, über die umsichtige Clubführung, einen tollen Vereinspräsidenten, und letztlich all diejenigen, die den Club ausmachen: Fans. Die unermüdlich auf die Erfolge gewartet haben. Die ins Ernst-Grube-Stadion und später ins neue Stadion gezogen sind, als es nichts groß zu feiern gab. Die demütig darauf gewartet haben, dass der "schlafende Riese" erwacht, um mal ein beliebtes Bild zu strapazieren.

Seitdem reißen diese Fans viele neue Anhänger mit. Und alle zusammen sorgen jedes Mal aufs Neue für eine eindrucksvolle Kulisse bei Heimspielen. Diese fast grenzenlose Begeisterung – sie wird dafür sorgen, dass Magdeburgs Name über die Region hinausgetragen wird. Das alles ist beste Werbung für unsere Stadt. Die Euphorie und die Freude – die empfinden die FCM-Fans so ehrlich und so tief, das können PR-Profis kaum inszenieren.

Der schönste Magdeburger Größenwahn

Der 1. FC Magdeburg steht seit 2015 endlich da, wo er laut Fans und deren wiedererstarktem Selbstbewusstsein schon längst hingehörte: im Profifußball. Ab der nächsten Saison gleichberechtigt zum Beispiel neben Berlin, Bochum und Braunschweig (Grüße in die Partnerstadt!). Für all die Teams der 2.Liga freut es mich, denn sie werden die Größten der Welt zuhause erleben können. Der sogenannte Magdeburger Größenwahn – nie hat er sich schöner angefühlt als am 31. Mai 2015. Dachte ich. Seit gestern weiß ich es besser: 21. April 2018 15.54 Uhr ist mein neuer Maßstab für kollektives Durchdrehen im positivsten und schönsten Sinne. Von diesen Eindrücken werden die Magdeburgerinnen und Magdeburger und die vielen Fans in der Region noch sehr lange zehren und sich begeistert erinnern. 2007… war da was?

Nach dem Umbau können bald mehr als 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ins Magdeburger Stadion gehen – von diesen Zahlen träumen die meisten Drittligisten und tatsächlich auch viele Zweitligisten. Fest steht, dass ich dann eine von den rund 30.000 Menschen sein werde, die ihr Team anfeuern, beklatschen und laut singen.

Von daher: Danke, FCM! Für diese tollen Jahren und diese Momente des Glücks, in denen all die ernsten Themen für eine Weile zurückstehen. Stets an Deiner Seite, erfüllt mit blau-weißer Liebe, die mir und vielen anderen Magdeburgern nicht mehr aus dem Sinn geht.

#nurderFCM #einmalimmer

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. April 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2018, 18:19 Uhr

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2 Kommentare

24.04.2018 17:38 Gert 2

Da kann man als Hallenser wirklich neidisch werden, wenn man bedenkt, daß die Magdeburger nicht so unter den Koloss Leipzig zu leiden haben. Glückwunsch zum Aufstieg. Trotzdem siegt der HFC am Wochenende. Das wäre eine schöne Pokalrevanche.

22.04.2018 20:13 Blau 1

Trotz aller Kritik früher, ein Riesen Lob der ganzen Mannschaft, ihr habt es verdient 2Bundesliga.