Heimsieg gegen HFC Das gehaltene Versprechen des FCM

Der 1. FC Magdeburg gewinnt daheim gegen den Halleschen FC. Trotz aller Bekundungen im Vorfeld wird deutlich: Dieser Erfolg bedeutet dem Verein und seinem Umfeld doch weit mehr als nur drei Punkte.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

1.FC Magdeburg - Hallescher FC emspor, v.l. Magdeburg um Stefan Kraemer Magdeburg, Trainer links Jubel über den Sieg
FCM-Trainer Stefan Krämer (links) und sein Team bejubeln den Heimsieg gegen Halle. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Manchmal fängt ein einziger Moment die Bedeutung des großen Ganzen ein. Im ersten Augenblick nach dem Abpfiff des Heimspiels des 1. FC Magdeburg gegen den Halleschen FC war das so. All die Jubelschreie, all die Menschen, die sich in den Armen lagen, all das zeigte: Dieser Sieg war dem FCM und seinen Fans so viel wert.

Mit 1:0 setzte sich der FCM gegen den HFC durch. Halle verlor damit die Tabellenführung. Magdeburg sprang auf den siebten Tabellenplatz. Pikanterweise dank Sören Bertram, dem ehemaligen HFC-Kicker, der mit seinem Tor in der 43. Minute den vierten Saisonsieg sicherte. Und der bedeutete trotz aller Bekundungen im Vorfeld weit mehr als drei Punkte.

"Heute", sagte FCM-Mittelfeldmann Jürgen Gjasula nach Schlusspfiff dann auch, "haben wir für die Fans gewonnen, die im Stadion waren, für die, die nicht da waren, für die Region, für den Verein und für uns selbst. Das war ein unheimlich wichtiges Spiel. Deshalb sind wir sehr glücklich."

Vorsänger im FCM-Mannschaftskreis: "Ansporn für uns"

Es war das erste Aufeinandertreffen beider Klubs seit anderthalb Jahren. Eine Partie, die bereits im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt hatte. Denn die aktive Fanszene des 1. FC Magdeburg, die Ultras des "Block U" hatte ihren Boykott erklärt. Der Grund: der Tod von Hannes Schindler vor drei Jahren. Der FCM-Fan war nach einer Auseinandersetzung mit HFC-Anhängern aus einem Zug gestürzt und gestorben. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Für viele Anhänger des FCM bleiben jedoch Fragen offen. Durch ihr Fernbleiben wollten sie erreichen, dass "dieses und zukünftige Spiele an Bedeutung verlieren", erklärten die Ultras in einer Mitteilung.

Nach dem Auswärtsspiel vor einer Woche in Köln (1:1) standen zwei Vorsänger des "Block U" im Mannschaftskreis. Sie erklärten den FCM-Profis auch kurz die Entscheidung. "Das haben wir verstanden und respektiert. Sie haben uns da auch nochmal Mut zugesprochen, weil sie auch gesehen haben, dass die Leistung in Köln schon gut war, nur das Ergebnis nicht. Diese Worte waren Ansporn für uns", erzählte Tarek Chahed.

1.FC Magdeburg - Hallescher FC emspor, v.l. Juergen Gjasula Magdeburg, 10 bedankt sich bei den Fans,
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Heute haben wir für die Fans gewonnen, die im Stadion waren, für die, die nicht da waren, für die Region, für den Verein und für uns selbst. Das war ein unheimlich wichtiges Spiel. Deshalb sind wir sehr glücklich.

FCM-Profi Jürgen Gjasula

Der 23 Jahre alte Chahed spielt seit 2015 bei den Profis des FCM. Die Partie am Sonnabend war sein fünftes Duell mit dem HFC. "Diesmal war es anders, als in den Jahren davor. Sonst hatten wir gegen den HFC immer volles Haus", sagte der Offensivmann. Aber: "Die Fans, die da waren, haben ordentlich Rabatz gemacht. Es hat Spaß gemacht, vor ihnen zu spielen." Und: "Schon in der Kabine habe ich gemerkt, dass bei uns heute jeder unbedingt diesen Sieg wollte."

Mit dem Heimsieg gegen Halle hielt der FCM auch ein – unausgesprochenes – Versprechen an seine Fans. Denn auch Sportchef Maik Franz hatte vor der Partie im MDR-Podcast "Neues vom Krügel-Platz" erklärt: "Wir haben jetzt anderthalb Jahre lang nicht den Fußball gespielt, den sich alle erhofft haben. Trotzdem haben unsere Fans immer hinter uns gestanden. Das war und ist unbeschreiblich. In diesem Spiel müssen wir ihnen jetzt etwas zurückgeben. Da gibt es keine Ausreden."

Obwohl sich zahlreiche Fanclubs an dem Boykott der Ultras beteiligten, erschienen 17.449 Zuschauern in der MDCC-Arena. Bemerkenswert: Der traditionelle Wechselgesang zwischen den Tribünen funktionierte zeitweise auch ohne die Organisation der Vorsänger von "Block U".

FCM-Torschütze Bertram: "Eine geile Geschichte!"

Ausreden, ein gutes Stichwort. Denn die gab es auch bei Torschütze Sören Bertram nicht. Der 28-Jährige wurde bei der Spielervorstellung von den 2.000 HFC-Fans ob seiner Vergangenheit in Halle – Bertram kickte von 2013 bis 2016 beim HFC – gnadenlos ausgebuht. Umso emotionaler war sein Jubel nach dem Tor. Bertram rannte direkt zu FCM-Trainer Stefan Krämer.

Warum? "Sören hat ganz vernünftig trainiert in dieser Woche, außer bei einer Spielform. Da habe ich ihm gesagt: 'Ey, Junge, konzentriere dich mal.' Er hat geantwortet: 'Ich hebe mir das für Samstag auf.' Und dann haben wir uns einfach gefreut, dass er sein Versprechen gehalten und seine Ankündigung wahrgemacht hat", erklärte Krämer.

Sören Bertram sagte dazu: "Eine geile Geschichte! Ich glaube, auch dem Trainer sind nach dem Tor ein paar Steine vom Herzen gefallen. Die Vorzeichen waren besonders, deshalb war es umso cooler für uns, dieses Spiel zu gewinnen. Leider war 'Block U' nicht da, aber wir haben auch für sie eine starke Leistung abgeliefert. Auch die Leute, die im Stadion waren, haben uns richtig gut unterstützt. Und endlich konnten wir uns mal belohnen für den Aufwand, den wir seit Wochen betreiben."

1.FC Magdeburg - Hallescher FC emspor, v.l. Soeren Bertram Magdeburg, 20 Jubel, Torjubel, jubelt über das Tor
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Die Vorzeichen waren besonders, deshalb war es umso cooler für uns, dieses Spiel zu gewinnen.

FCM-Torschütze Sören Bertram

Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen präsentierte sich der FCM vor dem Tor effektiver – auch wenn erneut einige aussichtsreiche Chancen, vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit, ungenutzt blieben. Doch im Mittelfeld verteilte Jürgen Gjasula die Bälle exzellent. Auf der linken Abwehrseite überzeugte Leon Bell Bell immer wieder auch mit gelungenen Offensivaktionen. Und auch Tarek Chahed nutzte seine Chance auf ungewohnter Position ganz vorn im Sturm neben Christian Beck. Gleich mehrere Spieler dienten als Hoffnungsträger für die kommenden Wochen beim FCM.

Doch Trainer Krämer mahnte sogleich: "Wir haben ein Spiel gewonnen, das entlässt uns aber nicht aus der Verantwortung, genau so beharrlich und fleißig und mit absoluter Überzeugung weiterzuarbeiten. Wir dürfen jetzt nicht meinen, es geht mit einem Schritt weniger, das geht es nämlich nicht. Es gab heute auch nur drei Punkte."

Und doch war allen nach dem Abpfiff klar: Bei diesem Sieg ging es schlussendlich doch um mehr – um Genugtuung, um den Lohn für die harte Arbeit der vergangenen Wochen und vor allem um gehaltene Versprechen.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2019, 18:49 Uhr

6 Kommentare

hettstedt vor 4 Wochen

Glückwunsch zum verdienten Sieg!
@W.Merseburger: Der Autor hat schon weitaus parteiischer pro fcm geschrieben, da ist dieser Artikel hier sehr harmlos.

MDR-Team vor 4 Wochen

Wir haben zwei Artikel zu dem gestrigen Spiel. Die Analyse über den HFC lesen Sie hier: https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/sport/hfc/analyse-hfc-derbyniederlage-beim-fcm-100.html

IHH vor 5 Wochen

Es war eine Wohltat gegen eine Stadt, gegen einen Verein und gegen Fans zu gewinnen, die ich überhaupt nicht mag ( das ist die abgeschwächte Version )

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