Cottbus gegen HFC
Die HFC-Abwehr um Landgraf (l.) und Lindenhahn (r.) ist für die Gegner nur schwer zu knacken. Bildrechte: IMAGO

Analyse nach Sieg in Cottbus Gefestigter HFC

In Cottbus feiert der Hallesche FC den dritten Auswärtssieg der Saison. Der Plan von Trainer Ziegner geht voll auf und der HFC darf den Blick nach oben richten.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Cottbus gegen HFC
Die HFC-Abwehr um Landgraf (l.) und Lindenhahn (r.) ist für die Gegner nur schwer zu knacken. Bildrechte: IMAGO

Es ist nicht überliefert, ob Michael Hiemisch am Mittwochabend unmittelbar nach Abpfiff ein Betretungsverbot für das Stadion der Freundschaft in Cottbus ausgesprochen bekam. Soeben hatte der Hallesche FC, dessen Co-Trainer Hiemisch ist, dort 2:1 gewonnen. Damit endete eine anderthalb Jahre währende Ungeschlagen-Serie der Lausitzer im eigenen Stadion. Der letzte Gast, dem ein Sieg in Cottbus gelang, war im März 2017 der VfB Auerbach. Trainer der Sachsen damals: Michael Hiemisch.

Nun lag es aber wahrscheinlich nicht an der Aura des Co-Trainers, dass der HFC bereits zum dritten Mal in dieser Saison auswärts erfolgreich war. Viel mehr lassen sich ganz rationale Gründe für den Sieg der Saalestädter finden. "Halle spielt einen sehr gefestigten Fußball" hatte Ex-Kapitän Tim Kruse, der nun bei Energie Cottbus unter Vertrag steht, schon vorher im HFC-Podcast Badkurvenversteher gelobt. Und er sollte Recht behalten. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz sprach nach der Partie von einem verdienten Sieg der Hallenser. Wie gefestigt der HFC ist, zeigt sich in vier Aspekten, die das Spiel der Rot-Weißen prägen.

1. Personelle Kontinuität

Die HFC-Mannschaft hat sich gefunden. Sieht man vom Spiel gegen Aalen ab, schickt Trainer Torsten Ziegner eigentlich immer die gleiche Besetzung im 3-5-2-System auf das Feld. Gewechselt wird nur auf ein oder zwei Positionen. Gegen Cottbus stand Matthias Fetsch wieder in der Startelf. Marvin Ajani rückte auf die linke Seite, wo Braydon Manu und Julian Guttau gesperrt fehlten. Ajanis Platz auf der rechten Seite übernahm Tobias Schilk. Die personelle Kontinuität gibt der Mannschaft Sicherheit. Die Laufwege passen, die Spieler wissen, was sie voneinander erwarten können.

So präsentiert sich der HFC auf eine Art und Weise eingespielt, die man nach dem Umbruch vor der Saison nicht unbedingt erwarten durfte. Diese spielerische Sicherheit bekam Cottbus vor allem in der ersten halben Stunde zu spüren. Als Energie-Trainer Wollitz mit einem frühen Wechsel reagierte, lag seine Mannschaft schon 0:2 zurück.

2. Defensive Stabilität

Auch in Phasen, in denen es nicht so läuft, kann sich der HFC auf seine Defensivreihe verlassen. Toni Lindenhahn, Moritz Heyer und Niklas Landgraf wirken, als würden sie bereits seit Jahren zusammen spielen. Unterstützt werden sie von Jan Washausen und Björn Jopek im zentralen Mittelfeld. Mit zehn Gegentoren nach zehn Spielen gehört die HFC-Abwehr zu den besten der Liga. Gegen Cottbus ragte Moritz Heyer mit seiner Zweikampfführung aus dem starken Defensivverbund noch einmal heraus.

Und wenn doch mal ein Fehler passiert, kann sich der HFC in der Regel auf Kai Eisele im Tor verlassen – so wie in der 46. Minute, als er den Cottbuser Ausgleich verhinderte. Vom Gegentor und dieser Szene abgesehen, gelang es den Cottbusern nur noch einmal, im Strafraum gefährlich zu werden.

In einer hitzigen Schlussphase ließ der HFC dann jedoch nichts mehr zu. Die defensive Sicherheit ist einer der Hauptgründe für den momentanen Erfolg des Clubs und gab auch in Cottbus den Ausschlag.

Maximilian Zimmer (Energie Cottbus, l.) erzielt das 1:2
Hier zieht Kai Eisele (r.) den Kürzeren. Meist ist er für den HFC aber ein großer Rückhalt. Bildrechte: IMAGO

3. Selbstverständnis und Selbstvertrauen

Es scheint so, als könne den HFC momentan nichts aus der Ruhe bringen. Zwei Auswärtsniederlagen in Serie und angeknackstes Selbstvertrauen als Folge? Pustekuchen. Den Rückschlägen ließen die Rot-Weißen jeweils einen Sieg als Antwort folgen. Frühe Platzverweise gegen Uerdingen und Wiesbaden? Der HFC war trotzdem beide Male spielbestimmend. Spielausfälle gegen Cottbus und Hansa Rostock? Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Dann wird eben improvisiert und die Mannschaft holt die Punkte später. So wie jetzt gegen Cottbus. Selbstverständnis und Selbstvertrauen stimmen beim Halleschen FC.

4. Sturmtank Sebastian Mai

Sebastian Mai
Sebastian Mai ist die Allzweckwaffe beim HFC. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Torsten Ziegner lebt die "Egal-immer-weiter-Mentalität" vor, seine Mannschaft zieht mit. Bestes Beispiel: Sebastian Mai. Der Verteidiger war zu Saisonbeginn gesperrt. Moritz Heyer vertrat ihn im Abwehrzentrum so gut, dass er fortan gesetzt war. Ziegner verpflanzte Mai daraufhin zunächst ins Mittelfeld. Dort lief es nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Also entwickelte Ziegner eine neue Idee. Schon gegen Wiesbaden lief Mai als Angreifer auf. "Wir wollen konsequent über die Flügel spielen und unsere wuchtigen Angreifer mit Flanken füttern", erklärte Ziegner vor der Partie in Cottbus. Weil Pascal Sohm verletzt ausfiel, kam Mai wieder im Sturm zum Zug.

Der Plan funktionierte, Ajani und Schilk schlugen zahlreiche Flanken. Oft sehr ungenau, sodass der Schachzug mit den zwei "Brechern" – neben Mai agierte Fetsch – auf den ersten Blick nur bedingt zum tragen kam. Und trotzdem voll aufging. Denn Mai war an beiden Toren beteiligt. Beim 1:0 verlängerte er einen langen Ball nach vorne. Fetsch leitete ihn weiter, Bahn vollendete. Vor dem 2:0 schickte Mai Ajani den linken Flügel entlang. Der spielte ausnahmsweise flach ins Zentrum und fand dort Jopek, der traf.

Trainer Ziegner fühlte sich anschließend bestätigt. "Manche finden es unglaubwürdig, Mai da vorne spielen zu lassen", sagte er im Interview bei Telekom Sport. "Aber es ist kein Zufall, dass er bei beiden Toren mit drin hing." Und ergänzte dann: "Mai wird seine Tore noch machen." Fast so, als wäre es völlig selbstverständlich, dass ein Verteidiger einen Haufen Tore schießt.

Anschluss an die Spitze möglich

Weil der HFC so gefestigt auftritt, erscheint es durchaus möglich, dass in diesem Jahr der Sprung in die Spitzengruppe gelingen kann. Es wäre im siebenten Drittligajahr das erste Mal, dass der Hallesche FC dauerhaft in diese Gefilde vordringt. Erst nach zehn Spielen hat die Tabelle eine gewisse Aussagekraft, betonen Vertreter aller Vereine immer wieder. Diese zehn Spiele haben die Rot-Weißen nun absolviert. Weil die Partie gegen Hansa Rostock aber noch fehlt, ist die Aussagekraft aus HFC-Sicht jedoch überschaubar.

Mit einem Sieg gegen Hansa könnten die Hallenser mit dem Drittplatzierten Preußen Münster gleichziehen. Bei einer Niederlage verweilen sie im Mittelfeld. Logisch, dass ihnen ersteres lieber wäre. Doch für einen Sieg werden sie die ganzen Stärken der vergangenen Wochen wieder aufbieten müssen: defensive Stabilität, Selbstvertrauen und Spielfreude. Die Wucht von Sebastian Mai, egal wo er dann spielt. Und vielleicht auch die Aura von Michael Hiemisch. Denn der Co-Trainer wird am Dienstag gegen Rostock natürlich wieder dabei sein.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 06:44 Uhr

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3 Kommentare

12.10.2018 00:43 HFC Trebnitz 3

Denke auch das der HFC in die richtige Richtung fährt. Hoffe es bleibt so und wir können uns diese Saison richtig gut in der Liga festigen und unsere Mannschaft noch weiter ihr Spiel im Abschluss ausbaut. Wenn noch alle Spieler in der nächsten Saison gehalten werden und nicht wieder auseinander gerissen werden würde ich mal leise sagen das wir vielleicht einen Blick in eine andere Richtung werfen könnten. RWE aus Trebnitz und Jungs macht weiter so

11.10.2018 19:26 SLK rotundweiß 2

Hab auch das Gefühl das es in der Mannschaft stimmt und alle gut harmonieren , es sieht auch zb gegen Wiesbaden oder Uerdingen als nicht gewonnen wurde flüssiger und technisch stärker aus als in den letzten Jahren und wenn wir mal mit 11 Mann durch spielen dürfen sind wir echt erstaunlich stark und machen unsere all zu wichtigen pkte
Gerade wo jetzt 4 runter gehen... nicht auszudenken.....
Hoffe das es jetzt gegen Hansi auch noch was zu holen ist und unser Schmuckkästchen gut besucht wird
RWG aus dem SLK Land

11.10.2018 13:13 sportfrei 1

Im Gegensatz zur Zeit unter Schmitt sieht das jetzt so richtig nach Fussball aus. Noch nicht über 90 Minuten, aber die anderen Truppen in der Liga sind auch nicht viel besser. Eine ist für den Anderen da, man hilft sich. Freue mich auf Rostock.