Hallescher FC gegen Carl Zeiss Jena
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Analyse HFC lernt Probleme einer Spitzenmannschaft kennen

Der Hallesche FC zeigt gegen Jena ein gutes Spiel, kommt aber doch nicht über ein 0:0 hinaus. Die Rot-Weißen lernen jetzt, was es heißt, vom Rest der Liga als Aufstiegskandidat ernst genommen zu werden.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Hallescher FC gegen Carl Zeiss Jena
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Torsten Ziegner hat es im Winter bereits geahnt: Weil der HFC derzeit zu den besten Mannschaften der 3. Liga gehört, haben die Gegner ihr Spiel umgestellt. Schon gegen Fortuna Köln war das zu beobachten und bestätigte sich nun gegen Jena. Die Konkurrenten stehen sehr tief und wollen den HFC nicht zum Spielen kommen lassen. Gleichzeitig lauern sie auf Konter.

Das Umkehrspiel, das die Hallenser in vielen Spielen der Hinrunde so stark gemacht hat, ist in der Form nicht mehr möglich. Hat auch Stürmer Mathias Fetsch beobachtet: "Welche Qualitäten wir haben, wissen wir. Aber das weiß inzwischen auch die ganze Liga. Deshalb steht Jena auch so tief und versucht, nicht offen gegen uns zu stehen."

Der nächste Entwicklungsschritt

Schon in der Winterpause hat der HFC deshalb an neuen Lösungen gearbeitet. Spielformen standen im Trainingslager in der Türkei und auch danach fast täglich auf dem Plan. "Die Gegner sollen überrascht werden. Torsten Ziegner ist ja auch bekannt dafür, dass er gerne Neues ausprobiert", hat MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporterin Stefanie Blochwitz in der Türkei beobachtet.

Wir werden in den wenigsten Spielen auf Mannschaften treffen, die uns vorne attackieren, wo wir Riesenkonterräume kriegen. Sondern wir müssen erstmal die Gegner knacken. 

Torsten Ziegner

Die Umstellung der Spielweise ist der nächste Entwicklungsschritt auf dem Weg zu einem Spitzenteam. Von einer Kontermannschaft hin zu einer, die Ball und Gegner kontrolliert und sich so Lücken erspielt. Und nach dem Sieg in Köln und dem 0:0 gegen Carl Zeiss Jena lässt sich festhalten: Der HFC ist auf einem guten Weg, aber noch längst nicht da, wo er hin möchte. Denn bereits in Köln tat sich die Mannschaft von Trainer Ziegner schwer. Eine feine Einzelaktion von Bentley Baxter Bahn brachte hier die Entscheidung.

Wenig hochkarätige Chancen gegen Jena

Gegen Jena kontrollierten die Hallenser von Beginn an das Geschehen. Chancen blieben aber in der ersten Halbzeit Mangelware. Das kann man der Mannschaft negativ als Ideenlosigkeit auslegen. Oder positiv mit Geduld beschreiben.

In der zweiten Halbzeit bewies der HFC, dass es wohl eher letzteres war. "Wir haben versucht, über Spielverlagerungen Räume zu schaffen", analysiert Kapitän Jan Washausen. "Das hat dann in der zweiten Halbzeit ganz gut geklappt. Da haben wir Halbchancen und ein paar gute Chancen bekommen, wo wir an guten Tagen ein oder zwei Tore machen."

Es fehlt nicht nur Glück

Weil der HFC diszipliniert war und das Spiel bis zum Schluss immer wieder auf die Außen verlagerte, ergaben sich zunehmend Räume gegen einen müder werdenden Gegner. Insgesamt wirkte der Auftritt der Rot-Weißen über weite Strecken sehr erwachsen und abgeklärt. Doch am Ende war es eben nicht nur fehlendes Glück, dass der Ball nicht rein ging.

Stattdessen war die Qualität der Chancen nicht ausreichend, monierte Torsten Ziegner:  "Klar braucht man gegen eine Mannschaft, die so kompakt steht, auch mal Glück, dass der Ball genau dorthin kommt, wo gerade keiner von denen ist. Insgesamt war es aber zu wenig an Gier. Vor allem im gegnerischen Sechzehner." Da habe entweder die Präzision gefehlt, um den Mitspieler zu finden, erklärte der HFC-Trainer. Oder der Abschluss sei nicht so gewesen, dass es eine hochkarätige Torchance wurde.

Mechanismen weiter verfeinern

In den kommenden Wochen wird sich an der Ausrichtung der Gegner wenig ändern, ist Ziegner überzeugt: "Wir werden in den wenigsten Spielen auf Mannschaften treffen, die uns vorne attackieren, wo wir Riesenkonterräume kriegen. Sondern wir müssen erstmal die Gegner knacken." Seine Aufgabe ist es nun, die HFC-Spieler darauf weiter vorzubereiten und die neuen Mechanismen weiter zu verfeinern.

Seit Ziegners Amtsübernahme im Sommer zeichnet sich seine Mannschaft durch eine große Lernwilligkeit aus. Schon mehrfach gewöhnte sie sich an neue taktische Ideen und passte sich an veränderte Rahmenbedingungen an. Deshalb kann man davon ausgehen, dass der HFC auch die neue Situation mit tiefstehenden Gegnern annimmt. Und vielleicht schon gegen Kaiserslautern am kommenden Sonnabend noch bessere Lösungen findet, um die Abwehrreihen zu knacken.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

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Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2019, 09:38 Uhr

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1 Kommentar

03.02.2019 21:24 MAGNETO 1

Was ich immer sage: Wir sind eben noch keine Spitzenmannschaft ! Das hat z.B. das Heimspiel gegen den KSC gezeigt.
Wir sind oben mit dabei, mehr nicht.
Aber was heißt eigentlich mehr nicht? 22 Spiele und 40 Punkte, da lauf ich mit Dauergrinsen herum :))))