Knappe Niederlage gegen Wolfsburg Wie der HFC im DFB-Pokal ein Ausrufezeichen setzte

Denkbar unglücklich scheidet der Hallesche FC aus dem DFB-Pokal aus. Am Ende steht ein 3:5 gegen Wolfsburg. Doch aus der Niederlage können die Rot-Weißen viel Positives für die Zukunft ziehen.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Felix Drinkuth jubelt nach seinem Treffer zum 1:0
Felix Drinkuth jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Bildrechte: imago images / Eibner
Felix Drinkuth jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 3 min
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Di 13.08.2019 07:54Uhr 02:38 min

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Die Texte für die Zeitungen waren beinah fertig geschrieben, der Andruck saß den Journalisten bei der DFB-Pokalpartie des Halleschen FC gegen Wolfsburg im Nacken. Einer, der zu einem Wolfsburger Medium gehörte, hatte schon gut 15 Minuten vor dem Spielende seine Schlagzeile formuliert: "Nicht souverän, aber in der nächsten Runde", stand in großen Lettern über dem Text, dem nur noch das Bild fehlte. 

Doch in der Nachspielzeit mussten sie alle noch mal von vorne anfangen. Denn der Hallesche FC stemmte sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage und kam durch den eingewechselten Mathias Fetsch zum 3:3-Ausgleich. Ein Moment, den Journalisten hassen, den Fußballfans aber lieben. Schließlich war das Tor der emotionale Höhepunkt einer nervenaufreibenden Partie, die das Potenzial hat, dass man sich in Halle noch lange an sie erinnert. 

Individuelle Klasse gibt Ausschlag

Natürlich könnte man jetzt sinnieren, ob das eine oder andere HFC-Gegentor nicht vermeidbar gewesen wäre. Selbstverständlich waren sie das. Doch die Treffer offenbarten die deutlich höhere individuelle Qualität der Wolfsburger, die Halle über weite Strecken, aber eben nicht komplett kompensieren konnte. 

Wirklich ärgern kann man sich wohl nur über den Zeitpunkt der Tore eins, vier und fünf für Wolfsburg. Das erste fiel direkt nach dem HFC-Führungstreffer. Die letzten beiden unmittelbar zu Beginn der Verlängerung – wenige Minuten nach dem viel umjubelten Ausgleichstreffer. "Da waren wir zu euphorisch. Dann haben die Abstände nicht mehr gepasst und das hat Wolfsburg gnadenlos ausgenutzt", analysierte Trainer Torsten Ziegner. 

"Sensationelle Comebackqualitäten"

Doch natürlich kann man auch versuchen, die positiven Aspekte zu betonen. Und davon gab es im HFC-Spiel reichlich. Drei Tore gegen einen Bundesligisten sind ein starkes Signal. Vor allem nach Standards waren die Rot-Weißen wieder gefährlich. Dass sich die Mannschaft auch vom zweimaligen Rückstand nicht beirren ließ, zeigt die Mentalität des Teams. 

Heute haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt. Viele haben zugeschaut und gesehen, dass es mit uns als Gegner  nicht so einfach ist.

HFC-Torwart Kai Eisele
Robin Knoche erzielt das Tor zum 3:4 für Wolfsburg, Halles Torwart Kai Eisele ist machtlos
Robin Knoche erzielt das Tor zum 3:4 für Wolfsburg, Halles Torwart Kai Eisele ist machtlos. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

Oder um es mit den Worten von Kapitän Sebastian Mai zu formulieren: "Das wir Comebackqualitäten gegen einen Bundesligisten haben, ist sensationell." Zumal der Hallesche FC nicht nur kämpferisch, sondern phasenweise auch spielerisch gut mithielt. Torwart Kai Eisele sagte anschließend: "Heute haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt. Viele haben zugeschaut und gesehen, dass es mit uns als Gegner  nicht so einfach ist. Es ist wichtig zu wissen, was man leisten kann", erklärte der 24-Jährige selbstbewusst und ist sich einer möglichen Folgewirkung für die kommenden Wochen durchaus bewusst.  

Hoffen auf Zuschauer

Nun hoffen sie beim HFC, dass sich die Leistung gegen Wolfsburg nicht nur in Selbstvertrauen und Anerkennung, sondern auch in den Zuschauerzahlen niederschlägt. 13.500 Fans waren am Montagabend da. Ein deutliches Indiz für die Euphorie, die Ziegner und sein Team in den vergangenen Monaten ausgelöst haben. Nur drei Mal seit dem Umbau im Jahr 2011 kamen mehr Fans ins HFC-Stadion. 

Unermüdlich peitschten die Anhänger ihre Lieblinge nach vorne, der Ausgleich in der Nachspielzeit wurde förmlich herbei geschrien. Eine derartige Atmosphäre ist beim Halleschen FC die absolute Ausnahme, doch die derzeitige Bindung zwischen Mannschaft und Fans macht solche besonderen Momente möglich. Trotz der Niederlage dürften die meisten deshalb zufrieden nach Hause gegangen sein. Und Sebastian Mai wünscht sich, möglichst viele von ihnen bald wieder zu sehen: "Vielleicht ist der Schnitt dann in den nächsten Wochen etwas höher als zuletzt." Verdient wäre es sicher.

Wolfsburger Spieler um Torschütze William bejubeln den Treffer zum 2:3.
Wolfsburger Spieler um Torschütze William bejubeln den Treffer zum 2:3. Bildrechte: Picture Point

Am Ende konnte der Kollege aus Wolfsburg dann übrigens doch zu seiner geplanten Schlagzeile zurückkehren. Denn nach zwei frühen Toren in der Verlängerung ließ der VfL Wolfsburg nichts mehr anbrennen und siegte 5:3. Der Hallesche FC wird die Niederlage jedoch verschmerzen können. Wenn die Mannschaft sich die vielen positiven Aspekte des Spiels bewahrt, kann diese Niederlage dabei helfen, sich später in der Saison einen anderen großen Traum zu erfüllen. 

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 16:05 Uhr

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3 Kommentare

13.08.2019 19:05 Jürgen Spichwr 3

Die Spielanlage lässt weiter hoffen. Beste Qualität.
Mit Respekt und Demut weiter so selbstbewusst spielen.

13.08.2019 11:38 EDE 2

Genauso sehe ich das auch, es war ein sehr gutes Pokalspiel es macht Lust auf mehr.

13.08.2019 10:34 sportfrei 1

Das ist der beste HFC seit langem.