Die HFC-Fans auf der Tribüne.
Der Gästeblock in Magdeburg wird am 26. November wohl weitgehend leer bleiben. Bildrechte: Gaby Conrad

Derby am 26. November HFC-Fans verzichten auf Anreise nach Magdeburg

Seit einigen Tagen wurde es schon vermutet, nun ist es gewiss: Der Großteil der HFC-Fans wird nicht zum Auswärtsspiel nach Magdeburg reisen – aus Respekt vor dem verstorbenen FCM-Fan Hannes, wie die Ultragrupierung "Saalefront" mitteilte.

von Oliver Leiste

Die HFC-Fans auf der Tribüne.
Der Gästeblock in Magdeburg wird am 26. November wohl weitgehend leer bleiben. Bildrechte: Gaby Conrad

Das Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC am 26. November wird weitgehend ohne Gästefans ausgetragen. Das ist seit Mittwoch Gewissheit. Auf ihrer Interseite veröffentlichte die "Saalefront", die führende Ultragruppierung des Vereins, ein Statement. Darin erklärte die Gruppe, dass sie auf das Spiel verzichten werde und rief auch alle anderen HFC-Fans dazu auf, dem Spiel in Magdeburg nicht beizuwohnen. Mittlerweile haben gut 30 weitere HFC-Fanklubs ihre Unterstützung zum Schreiben bekundet. Wörtlich hieß es:  "Trotz aller Bedeutung dieses Derbys gibt es wichtigere Dinge im Leben, als ein Fußballspiel. Wir können nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen. Ein Mensch ist gestorben. An ein "normales" Derby ist an diesem Tag absolut nicht zu denken!"

"Kein normales Derby"

Begründet wird der Schritt mit Respekt vor dem Tod von FCM-Fan Hannes. Dieser war im Oktober aus einem Zug gestürzt und später an den Folgen des Unfalls gestorben. Vorausgegangen war dem Sturz eine Auseinandersetzung mit HFC-Fans, die sich ebenfalls im Zug befanden.

Der Tod von Hannes stelle den traurigen Höhepunkt einer immer härter geführten Auseinandersetzung beider Fanszenen dar. Deshalb sei es zum jetzigen Zeitpunkt wichtig, einer weiteren Eskalation in jener Auseinandersetzung entgegenzuwirken, hieß es weiter.

Busse abgesagt

Schon vor einigen Tagen wurden die Fanbusse, die HFC-Fan Jürgen Böhm immer organisiert, für den 26. November abgesagt. Darüber hatte die Mitteldeutsche Zeitung berichtet. Sicherheitsbedenken wurden als Grund genannt. Nach Hannes‘ Tod ist die Angst vor Racheaktionen groß. Zudem soll es laut MZ ein Treffen der führenden Ultra-Köpfe von HFC und FCM gegeben haben, bei dem der Verzicht verabredet wurde. Im Gegenzug werden die FCM-Anhänger auf das Rückspiel in Halle verzichten, hieß es.

Ob der Gästeblock am 26. November aber tatsächlich leer bleibt, steht noch nicht fest. Bislang habe der HFC noch gar kein Gästekontingent erhalten, sagte FCM-Pressesprecher Norman Seidler. Es stehe noch ein Treffen von Präsidiumsmitgliedern beider Vereine an, wo über das Spiel gesprochen wird. Einige HFC-Fans kündigten zudem an, sich das Derby auf keinen Fall entgehen lassen zu wollen. Sie planen ihre Reise nach Magdeburg, auch wenn die "aktive Szene" darauf verzichtet.

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 10:33 Uhr

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21 Kommentare

12.11.2016 02:44 Dirk Beockhaus 21

Also ich habe für den Selbstausschluss gar kein Verständnis! Das Leben muss weiter gehen, Hannes' Tod is nicht geklärt, stimmt. Aber die eigene Mannschaft schwächen und noch dazu die HFC Fans die trotzdem anreisen? Völliger Blödsinn. Und Leute, ist ja nicht so, dass wir freiwillig die Backe hinhalten würden, wir setzen uns zur Wehr, ganz klar. Da wird das Unglück um den armen Hannes noch so richtig hoch gepuscht. Der sitzt auf einer Wolke und schüttelt nur den Kopf. Mal friedlich und vernünftig jeder die eigene Mannschaft angefeuert, DAS wäre ja mal ein Fortschritt gewesen. Wenn ich das s hin höre, wir hätten nen Klos in der Hose, wir verzichten aus Respekt, wir "deeskalieren" und der ganze Schwachsinn. Alle aus Halle nach Magdeburg, friedlich und laut, DAS hätte Hannes wohl gewollt.

11.11.2016 21:32 Echo 20

@Thüringer: Du hast aber auch so was von garnichts verstanden. Die ganzen .....vergleiche der Jogginghosenfraktion gehen hier wie da einem Großteil der Fans gehörig auf den Keks. Die Absage hat sicher nichts mit "KLOS" in der Hose zu tun. Ich habe die letzten Jahre in MD die "Gastfreundschaft" erleben dürfen und könnte schon aus diesem Grund nachvollziehen, dass da die Lust auf Fußball abhanden kommen kann. Es hat in dem konkreten Fall aber andere, absolut nachvollziehbar Gründe, ob Du es wahrhaben willst oder nicht. Ich persönlich finde es schade und hätte mir lieber einen vollen Block gewünscht, der friedlich und mit entsprechenden Statements ein Zeichen setzt. Eine weitere Eskalation will (bei Dir bin ich mir nicht ganz sicher) keiner. Von daher ist die Reaktion OK. RWG

11.11.2016 20:09 Hallorenkugel 19

Eine Gruppe von Idioten, die die Symbole des HFCs trugen, haben an einer Situation mitgewirkt, die zum Tod eines Menschen führte. Was erwartet man nun von der Fangemeinschaft, die weder dabei war, noch die Beteiligten kennt? Aus den Erfahrungen der letzten Derbys und aus der jetzigen Situation heraus, ja mit der Androhung auf Racheaktionen, da frage ich, warum sollten die Fans, die nichts damit zu tun hatten, ihre Gesundheit und vielleicht sogar ihr Leben aufs Spiel setzen? Respekt und der Mut, hier deeskalierend zu wirken, das ist Vernunft. Wer es als Angst beschreibt, der soll es tun, ist mir egal. Es geht um Fußball, um nichts anderes. Ich finde die Entscheidung richtig. Wenn der Magdeburger immer noch den wahren HFC Fan Heuchelei vorwirft, der hat es nicht verstanden.