Fußballspieler bei einem Fußballspiel
Jan Washausen (r.) und Sebastian Mai sind die Anführer beim HFC – und verstehen sich zudem gut. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

Der HFC ist wieder da FREUNDE

Nach Jahren überwiegender Tristesse hat der HFC die Menschen in Halle in der abgelaufenen Spielzeit wieder begeistert. Der Club ist zurück im Herzen der Stadt. Auf dem Weg dorthin hat MDR SACHSEN-ANHALT Kapitän Jan Washausen eine Saison lang begleitet. Herausgekommen ist eine vierteilige Serie. Im ersten Teil geht es zurück zum Beginn der Saison und zu Washausens ersten Wochen in Halle. Über eine junge Mannschaft, die sich gefunden hat.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Fußballspieler bei einem Fußballspiel
Jan Washausen (r.) und Sebastian Mai sind die Anführer beim HFC – und verstehen sich zudem gut. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

Ein sonniger Nachmittag im vergangenen September in Halle: Jan Washausen hat soeben die zweite Trainingseinheit des Tages absolviert. Nun sitzt er im Innenhof eines Cafés in der Kleinen Ulrichstraße. Im Hintergrund toben Kinder, ihre Mütter schlürfen Latte Macchiato. Washausen ist zwar ziemlich platt, doch nun lehnt er sich zurück und genießt den Moment. Hier, im Herzen von Halle, fühlt sich der HFC-Kapitän pudelwohl. "Mir ist es schon wichtig, dass mir die Stadt, wo ich spiele, auch gefällt", erklärte er vor Saisonbeginn im Podcast "Der Badkurvenversteher". Und Halle gefällt ihm ausgesprochen gut. Als Washausen zu erzählen beginnt, merkt man schnell, der Mittelfeldspieler ist angekommen in der Saalestadt. Und so wie ihm geht es den meisten HFC-Spielern.

Rückblick: Gut drei Monate zuvor war der Hallesche FC in die Saisonvorbereitung gestartet. Der Kader wurde im Vergleich zum Vorjahr runderneuert. der HFC begrüßte gleich 15 Zugänge. Zudem übernahm mit Torsten Ziegner ein neuer Chef an der Seitenlinie. Am zweiten Trainingstag folgte bereits das erste Highlight: die Saisoneröffnung. Tausende Fans empfingen die Mannschaft auf dem Marktplatz. Ein Moment, der bei Spielern und Trainern Eindruck hinterließ.

"Man fühlt sich, als hätten wir bereits die Meisterschaft gewonnen. An diesen Moment können wir uns immer wieder erinnern, wenn mal die Säge klemmt", sagte Co-Trainer Michael Hiemisch im Anschluss. Und mit der Saisoneröffnung erfüllte sich auch das erste Mal der Wunsch der Verantwortlichen, den HFC zurück ins Herz der Saalestadt zu bringen.

Rückschlag zum Saisonauftakt

Die Vorbereitung lief gut und insbesondere ein Sieg gegen Bundesligist Nürnberg sorgte für ordentlich Euphorie vor dem Start. Diese wurde jedoch gleich im ersten Saisonspiel erheblich gedämpft. Der HFC verlor 0:2 in Zwickau – dem alten Arbeitgeber von Ziegner, Washausen und auch Bentley Baxter Bahn.

Gegen Fortuna Köln folgte eine weitere Niederlage. Das so vielversprechende HFC-Projekt, es drohte frühzeitig in einen Negativstrudel zu geraten. Es war eine Phase, die den HFC-Kapitän extrem genervt hat: "Weil es auch keine leichte Phase für die Mannschaft war", erinnert sich Washausen an jenem Nachmittag im Cafe. "Ich war natürlich auch neu dazu gekommen. Trotzdem bin ich ja Kapitän und will natürlich gerade dann der Mannschaft auch helfen. Das ist dumm gelaufen." Doch lange hadern liegt dem Mittelfeldspieler nicht. "Was willst du da machen", fragt er, ohne eine Antwort zu erwarten.

Getöse nur auf dem Platz

Gegen Jena gelang der Befreiungsschlag. 3:0 gewann der HFC das Auswärtsspiel. Und in den Folgewochen rückte der HFC mit starken Leistungen in die Spitzengruppe vor.

Lautes Getöse liegt den HFC-Spielern dabei jedoch nicht, hat Washausen – der selbst auch kein Lautsprecher ist – beobachtet: "Ich habe schon in einigen Mannschaften gespielt. Bei uns ist es vor dem Spiel relativ ruhig. Das ist aber kein Zeichen dafür, dass wir unkonzentriert sind oder jemand Angst hat. Wir sind von den Charakteren her eine Mannschaft, die einfach ihre Arbeit macht. Wir haben da keinen dabei, der vor dem Spiel groß rumschreit. Aber auf dem Platz brennen alle gut ihr Feuerwerk ab."

Braydon Marvin Manu (23, Halle), Jan Washausen (21, Halle), Toni Lindenhahn (6, Halle) und Marvin Ajani (22, Halle) vor der Pyro der Halleschen Fans.
Der Sieg in Jena brachte für den HFC die Wende. Bildrechte: imago/Picture Point

"Ziehsohn" Ajani

Selbst eine unglückliche Niederlage gegen Uerdingen konnte die gute Stimmung nicht trüben. "Trotz der Niederlage hatte man das Gefühl, es hat Spaß gemacht, mit diesen Jungs zu arbeiten. Wenn das so weiter geht, werden wir noch viel Freude haben."

Wie zur Bestätigung betritt in dem Moment Marvin Ajani das Café. "Mein Ziehsohn", sagt Washausen grinsend. Denn beide verbringen fast täglich viel Zeit zusammen und stehen damit sinnbildlich für die ganze Mannschaft.

Ajani hat einen Reserveschlüssel zu Washausens Wohnung. Manchmal vergisst er sogar, Bescheid zu sagen, wenn er sich abends zum Fußballgucken einlädt, erzählt der Kapitän lachend. Und ist dann schon da, wenn Washausen nach Hause kommt.

Sichtbarer Zusammenhalt

Spaß ist ein ganz wesentliches Element in dieser ersten Saisonphase beim HFC. Weil sich die Spieler untereinander gut verstehen, haben sie einen Zusammenhalt entwickelt, der im rauen Profifußball zumindest nicht selbstverständlich ist. Alle, die man danach fragt, erzählen davon. Toni Lindenhahn etwa oder Sebastian Mai. Schon in der Vorbereitung haben sich die Spieler gegenseitig bei den Umzügen geholfen. Obwohl sie sich damals noch gar nicht richtig kannten.

Tatsächlich kann man den Zusammenhalt sogar sehen. Etwa, wenn die HFC-Spieler in großen Gruppen in Halles Innenstadt zusammen essen gehen. Oder an den vielen Fahrrädern, die beim Training auf dem Stadionparkplatz stehen. Die "Fahrradgang" ist so etwas wie das Markenzeichen des HFC im vergangenen Spätsommer. Phasenweise kam mehr als die Hälfte der Spieler mit dem Rad zu den Übungseinheiten.

Ein erster Schritt

"Wir sind keine Mannschaft mit irgendwelchen Allüren", erklärt der 30-jährige Washausen. "In Halle liegen die Vorteile auf der Hand. Wenn du einigermaßen günstig wohnst, kommst du mit dem Fahrrad teilweise schneller voran, hast keinen Stress." Er selbst geht mit gutem Beispiel radelnd voran. Und hat sein faltbares Reserverad an Bentley Baxter Bahn verliehen.

Eigentlich nur übergangsweise, aber daraus wurde schnell eine Dauerleihgabe. "Gebührenfreies Leasing nennt man das wohl", sagt Washausen lachend. Es ist ein weiterer Beleg für die gute Stimmung, die zum Ende des Sommers im HFC-Team herrscht.

Fußballspieler bei einem Fußballspiel
Das HFC-Motto "Nur zusammen" wurde noch von keiner HFC-Mannschaft so gelebt, wie von der aktuellen. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

"Nur zusammen"

Wohl noch nie hat eine HFC-Mannschaft das Club-Motto "Nur zusammen" so mit Leben gefüllt, wie die aktuelle. Bei den Fans kommt das gut an. Nachdem die Zuschauerzahlen seit Jahren rückläufig waren, steigen sie nun wieder. Die Stimmung im Stadion ist gut, auch nach Niederlagen wie gegen Uerdingen gibt es Applaus.

Das erste Saisondrittel war das beste, was der HFC bisher in seiner Drittligageschichte gespielt hat. Der erste Schritt auf dem Weg zurück in die Herzen der Hallenser, er ist gemacht.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 19:03 Uhr

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3 Kommentare

24.05.2019 09:36 Hettstedt 3

Sehr sehr anständige Saison.

Halb Zwickau ist ja niedlich.
Halle ist in allen Belangen größer als Zwickau, ergo auch ein Schritt nach vorne für jeden der ihn geht.

Jetzt aber mit derselben Energie die Vorbereitung für die neue Saison angehen, wer weis was dann möglich ist...

23.05.2019 22:05 Egal 2

Wayne... Nachdem Ziegner jetzt halb Zwickau zurückgeholt hat, gehts hoffentlich genauso fix wieder zurück in untere Tabellenregionen.

23.05.2019 19:45 sportfrei 1

Zwei kleine Hinweise: Gegen Uerdingen wurde das Heimspiel nicht verloren, im Gegenteil. Wahrscheinlich ist Wehen gemeint.
Der Zuschauerschnitt ist, legt man die Zahlen im Kicker zugrunde (welche auch offizielle DFB-Zahlen sind), genau 7.732.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Es geht in diesem Text um das erste Viertel der Saison. Das Hinspiel beim KFC Uerdingen wurde verloren.
Die Zuschauerzahl wurde in der abgebildeten Form vom HFC bestätigt.