Fußballspieler bei einem Fußballspiel
Der Hallesche FC war im Herbst kaum zu stoppen. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

Der HFC ist wieder da WEITERENTWICKLUNG

Nach Jahren überwiegender Tristesse hat der HFC die Menschen in Halle in der abgelaufenen Spielzeit wieder begeistert. Der Club ist zurück im Herzen der Stadt. Auf dem Weg dorthin hat MDR SACHSEN-ANHALT Kapitän Jan Washausen eine Saison lang begleitet. Herausgekommen ist eine vierteilige Serie. Im zweiten Teil geht es um die Weiterentwicklung des Teams – und viele Festtage im Herbst.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Fußballspieler bei einem Fußballspiel
Der Hallesche FC war im Herbst kaum zu stoppen. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

Es war eine Geste, die Jan Washausen viel bedeutete. Mitte Oktober feierte der HFC-Kapitän seinen 30. Geburtstag in einer Bar in Halle. Dass die Mitspieler, mit denen er sich am besten versteht – Marvin Ajani etwa oder Bentley Baxter Bahn – dabei sein würden, davon konnte man ausgehen. Dass aber tatsächlich fast die ganze Mannschaft seiner Einladung folgen würde, hatte Washausen nicht unbedingt erwartet. Umso größer war die Freude, als sie alle kamen. Das Wochenende war spielfrei, bis tief in die Nacht wurde gefeiert.

In den Folgewochen gab es für die HFC-Profis noch einiges mehr zu feiern. Die gemeinsamen Ausflüge ins Nachtleben wurden fast zum Ritual. Was auch daran lag, dass der Hallesche FC in jenen Wochen unerwartet erfolgreich war. Doch der Reihe nach.

Niederlage gegen Rostock wird zum Wendepunkt

Wenige Tage nach Washausens Geburtstag verlor der HFC das Nachholspiel gegen Hansa Rostock mit 0:1 und stand auf Platz acht der Tabelle. Obwohl die zu Saisonbeginn neu zusammengestellte Mannschaft spielerisch und kämpferisch bis dato fast durchweg überzeugt hatte, hing sie im Mittelfeld der Tabelle fest. Wieder einmal. Dabei war der HFC doch angetreten, um dem Mittelmaß der Vorjahre endlich zu entfliehen.

Doch in den Folgewochen sollte sich das grundlegend ändern – aus der grauen Maus HFC entwickelte sich bald ein Spitzenteam der 3. Liga. Die Partie gegen Hansa war dabei eine Art Wendepunkt. Viel Aufwand, wenig Ertrag – diese bis dato häufiger gültige Bilanz musste der Hallesche FC an jenem 16. Oktober zum vorerst letzten Mal ziehen. Anschließend blieb der Club zwei Monate lang unbesiegt, gewann von sieben Spielen fünf und schob sich Schritt für Schritt an die Spitzenplätze heran.

Fußballspieler bei einem Fußballspiel
Gegen Unterhaching erzielte Jan Washausen sein einziges Saisontor. Es war das erste von sieben Spielen in Serie, die der HFC nicht verlor. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

"Da kräht kein Hahn mehr nach"

"In den letzten Spielen haben wir davon profitiert, dass wir früh in Führung gegangen sind", analysierte Kapitän Washausen dann kurz vor Weihnachten. "Der Unterschied zu den Spielen davor ist aber, dass wir es nun auch schaffen, das zu verteidigen." In dieser Phase profitierten die HFC-Spieler von ihrer enormen Lernwilligkeit. Zu Gute kam der Mannschaft auch eine verbesserte Effizienz vor dem Tor.

Vor allem Mathias Fetsch traf im Oktober und November fast wie er wollte. "Da gab es anfangs riesen Diskussionen" blickt Washausen kurz vor Weihnachten zurück. "Momentan kräht da kein Hahn mehr nach. Gefühlt ist das zwei Jahre her. Was das angeht haben wir einen Entwicklungsschritt gemacht."

Festtage im Herbst

Folge: Der ohnehin große Zusammenhalt in der HFC-Mannschaft wuchs weiter. Und den Spaß, den die Spieler zusammen hatten, zeigten sie auch öffentlich. "Weil es der Erfolg hergab, sind wir samstags auch oft weggegangen", erinnert sich Washausen. "Manchmal sind wir mit zehn, 15 Mann in der Palette [einer beliebten Disko in Halle, Anm. d. Red.] aufgetaucht. An anderen Abenden ging es in einer größeren Gruppe zum Kickern nach Leipzig."

Auch die Fans spüren die Entwicklung und honorieren sie. Der Zuschauerschnitt ist schon im Herbst deutlich höher als in der Vorsaison. Und zum HFC-Weihnachtsmarkt am 9. Dezember ist die Stimmung nach drei Siegen in Serie prächtig. "Letztes Jahr waren 3.000 Leute da. Diesmal kamen über 4.000. Es war brechend voll", erklärte Washausen beeindruckt. Er hat nicht unrecht, wenn er behauptet, dass dies nicht nur mit dem sportlichen Erfolg, sondern auch mit dem bescheidenen und sympathischen Auftreten der Mannschaft zu tun hat.

Unerwartete Freizeit

Die Erfolgsserie reißt schließlich gegen den KSC. 0:3 verliert der HFC das Spitzenspiel im eigenen Stadion. Jan Washausen war da notgedrungen schon im Urlaubsmodus. Ein Muskelfaserriss hatte den Kapitän in den letzten Wochen des Jahres außer Gefecht gesetzt. Er machte das Beste aus der Situation und nutzte die freie Zeit, um sein BWL-Studium voranzubringen. Kurzfristig absolvierte der 30-Jährige die letzte Prüfung. Nun fehlt nur noch die Diplomarbeit.

Während der Festtage im Herbst hat Jan Washausen auch privat sein neues Glück gefunden – in Person der Unternehmensberaterin Janina aus Frankfurt. Deswegen kam es ihm nicht ganz ungelegen, vor Weihnachten ein bisschen mehr Zeit für die Geschenksuche zu haben. Auch wenn er natürlich liebend gern mit seinen Kollegen auf dem Platz gestanden hätte.

"Spaß und Unbekümmertheit behalten"

Denn gegen Zwickau folgt unmittelbar vor Weihnachten der nächste Sieg. Mit 36 Punkten – so viele wie noch nie in der Drittligageschichte des Vereins – geht der Hallesche FC in die Winterpause. Im Umfeld beginnen Aufstiegsträume zu wachsen. Und nicht nur da. Auch die Spieler wissen, was die Stunde geschlagen hat. "So wie es aussieht, müssen wir in der Winterpause eine Aufstiegsprämie verhandeln", sagt Jan Washausen lachend.

Wohlwissend, dass diese Aufgabe als Kapitän vor allem ihm zufällt. "Wenn man so nah dran ist und es vernünftig läuft, will man es auch schaffen", lässt er keinen Zweifel am neuen Saisonziel. Und wünscht sich kurz vor Weihnachten doch etwas anderes. Nämlich, dass "wir den Spaß und die Unbekümmertheit behalten". Denn diese Eigenschaften haben mit dazu geführt, dass der Hallesche FC im Herbst jede Menge zu feiern hatte.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 18:56 Uhr

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1 Kommentar

25.05.2019 00:38 Der Sams 1

Kein Hahn, kein krähen.
97409

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