HFC-Spieler jubeln vor der Fankurve
Zwischen den HFC-Spielern und der Fankurve ist im Laufe der Saison eine besondere Verbindung gewachsen. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

Der HFC ist wieder da DANKBARKEIT

Nach Jahren überwiegender Tristesse hat der HFC die Menschen in Halle in der abgelaufenen Spielzeit wieder begeistert. Der Club ist zurück im Herzen der Stadt. Auf dem Weg dorthin hat MDR SACHSEN-ANHALT Kapitän Jan Washausen eine Saison lang begleitet. Herausgekommen ist eine vierteilige Serie. Im vierten Teil geht es um Wertschätzung und Anerkennung.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

HFC-Spieler jubeln vor der Fankurve
Zwischen den HFC-Spielern und der Fankurve ist im Laufe der Saison eine besondere Verbindung gewachsen. Bildrechte: MDR/ Stefan Röhrig

Mallorca-Fahrten erfreuen sich unter Fußballern großer Beliebtheit. Zum Saisonende gehört es für viele Mannschaften einfach dazu, nochmal gemeinsam zu feiern. Dabei ist es fast egal, ob die Saison wirklich erfolgreich war. "Aber eigentlich" sagt HFC-Kapitän Jan Washausen, "müsste man diese Tour nicht am Ende, sondern vor der Saison machen. Das würde den Zusammenhalt stärken und man könnte auch die neuen Spieler noch mal auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen."

Doch vor die Saison hat der Fußballgott die Vorbereitung gesetzt, Waldläufe, Konditionseinheiten und Taktikbesprechungen. Für ein paar Tage gepflegte Feierei ist da kein Platz.

Das mit dem Zusammenhalt haben sie beim Halleschen FC trotzdem ziemlich gut hinbekommen. Schon in der Anfangszeit verstanden sich die Spieler der neu zusammengestellten Mannschaft ausgesprochen gut. Mit den Erfolgen der Hinrunde wuchs diese Gefühl weiter. Aus Kollegen wurden Freunde und aus der grauen HFC-Maus ein Spitzenteam der 3. Liga. 33 Punkte holte der HFC bis zur Winterpause. Halle träumte den Aufstiegstraum. Daran konnten auch die zwischenzeitlichen Zweifel des Frühjahrs nichts ändern.

"Geile Reaktion"

Dennoch gab es einen Moment, in dem sich vieles zum Schlechten hätte drehen können. Nach der Heimniederlage gegen Wehen Wiesbaden war das, am 23. März. Der HFC verlor 4:1 und allen schien klar, dass es für ganz oben noch nicht reichen würde. Enttäuschung, vielleicht sogar Frust auf den Rängen wäre die naheliegende Folge gewesen. Stattdessen wurde die Mannschaft von Torsten Ziegner lautstark gefeiert.

Eine Reaktion, die Jan Washausen sehr beeindruckte: "Nach einer 1:4-Niederlage erwartest du, dass ein paar Becher aus der Kurve geflogen gekommen. Aber die Reaktion war geil. Die Fans haben uns gezeigt, dass sie weiter hinter uns stehen."

Zusammenhalt als Markenzeichen

Die Fans waren dankbar, dass eine Mannschaft für sie bis dahin neun Monate lang an ihre Grenzen gegangen ist. Und die Spieler waren glücklich, dass sie auch in schweren Momenten eine derartige Unterstützung erfuhren. "Nur zusammen" ist seit 2016 der Slogan des Halleschen FC. Und nie war er so greifbar wie in den Wochen nach dem Wiesbaden-Spiel. In der spannendsten Phase der jüngeren Vereinsgeschichte wurde die Verbindung zwischen Fans und Mannschaft zum rot-weißen Markenzeichen. Der Zusammenhalt sorgte dafür, dass der HFC nochmal aufholen konnte.

Und auch Trainer Torsten Ziegner half seiner Mannschaft, in dem er sie daran erinnerte, was das Team in der Hinrunde stark gemacht hatte. "Das Trainerteam hat analysiert, wie wir in der Hinrunde zu Chancen gekommen sind", sagt Jan Washausen. Die Erkenntnis: "Da war halt oft ein langer Ball, festmachen, auf Außen legen und Zug zum Tor. Da haben wir als Mannschaft uns auch extrem wohl mit gefühlt." Der HFC schaffte es, mit dieser Spielweise in der Saisonendphase wieder Siege zu holen.  

Rechnung geht nicht auf

Doch eine Rechnung ging nicht auf. "Wir hatten in der Winterpause gesagt, wenn wir in Rückrunde genauso viele Punkte holen wie in der Hinrunde, steigen wir auf", erinnert sich Kapitän Washausen. Am Ende jeder Halbserie waren es exakt 33. Doch weil Osnabrück und Karlsruhe sehr konstant agierten und Wiesbaden eine sensationelle Aufholjagd hinlegte, blieb für den HFC nur Platz vier. Wobei man das nur getrost streichen kann.

Am vorletzten Spieltag platzte der Aufstiegstraum. Weil man sich darauf aber schon vorbereiten konnte, war es kein Riesenschock, sagt Jan Washausen: "Wir wussten, dass die Gegner mitspielen müssen. Das haben sie in dem Fall leider nicht gemacht. Es war also nicht so, als hätte einem jemand den Teppich unter den Füßen weggezogen. Klar waren wir traurig, aber wir sind nicht aus allen Wolken gefallen."

Eine besondere Saison

Denn diese Saison wird trotzdem eine Besondere bleiben. Nach Jahren des Stillstands bewegt sich beim HFC wieder etwas. Ende der vergangenen Saison forderte der heutige Präsident Jens Rauschenbach: "Wir müssen näher in die Stadt, wollen die Leute wieder für den HFC begeistern und müssen familienfreundlicher werden." Saisoneröffnung, Fanshop am Markt oder Weihnachtsmarkt belegen: In all diesen Punkten ist der HFC vorangekommen. Dazu hat das neue Präsidium genauso beigetragen wie das Trainerteam.

Und auch die Spieler haben einen enormen Anteil daran. Weil sie bis zum Schluss nicht aufgegeben und gekämpft haben. Weil sie es einerseits mit ihrer Spielweise, aber auch mit ihrem sympathischen und bodenständigen Auftreten die Menschen in Halle für sich gewonnen haben. Das ist viel mehr, als man vor der Saison erwarten konnte. Und schlägt sich der laut wahrnehmbaren Dankbarkeit der Fans nieder. Denn nicht enden wollender Jubel wurde in den letzten Saisonwochen zum Ritual.

Der Hallesche FC ist wieder da. Zwar nicht in der 2. Bundesliga. Aber dafür, und das ist viel wichtiger, in den Herzen der Fans. Und hat sich so die Mallorca-Reise zum Saisonende mehr als verdient.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 17:16 Uhr

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