Badkurvenversteher | Folge 41 Rauschenbach: "Der HFC muss zurück in die Stadt"

Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach wird von vielen als der neue starke Mann beim HFC angesehen. Sein Verhältnis zu Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand wird von vielen kritisiert. Im Podcast erklärt er, wie er selbst seine Rolle sieht und was er mit dem HFC erreichen will.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Das Logo des Halleschen FC, daneben steht der Schriftzug Badkurvenversteher, Grafik für den Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT 37 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit Anfang März ist Jens Rauschenbach Mitglied im HFC-Vorstand. Zuvor war er bei den Rot-Weißen vor allem als Projektsteuerer des Stadionneubaus bekannt. Viele fürchten, dass Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand über ihn Einfluss auf den Verein nimmt. Zwar ist Michael Schädlich nach wie vor Vereinspräsident. Doch viele glauben, Rauschenbach sei der neue starke Mann im Hintergrund. Doch wie er sieht er sich selbst? Im HFC-Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet er die wichtigsten Fragen.

Sind Sie Fußballfan?

Natürlich bin ich Fußballfan, sonst wäre ich ja nicht hier. Ich habe zwar selbst Handball gespielt, aber bin dem Fußball in vielen Bereichen verbunden – dem HFC vor allem über den Stadionbau und viele persönliche Erlebnisse.

Wie sind Sie jetzt im Vorstand gelandet?

Es gab schon immer Verknüpfungen zu Michael Schädlich, zum Verein insgesamt. Im Dezember haben uns Verwaltungsrat und die Hauptsponsoren gebeten, die wirtschaftliche Lage anzuschauen. Das haben wir getan. Die Situation war dann, wie sie war und es bestand einiges an Aufräumarbeit. An der Stelle haben mich dann verschiedene Leute gefragt – der bisherige Vorstand, Sponsoren und der Verwaltungsrat. Dem habe ich mich dann gestellt, um jetzt Finanzen und Marketing neu zu sortieren.

Muss sich der HFC um die Lizenz Sorgen machen?

Die Lizenz besteht aus zwei Teilen. Zum einen müssen wir Personen und Organisation nachweisen. Da haben wir mit der Neubesetzung im sportlichen Bereich schon einen großen Schritt getan. Bei finanziellen Themen schaut der DFB ganz genau, ob man die kommende Saison auch wirklich zu Ende spielen kann. Dafür haben wir jetzt alle Verträge unter Dach und Fach – mit einem Etat, der erstmal etwas geringer ist. Aber zumindest bekommen wir damit sauber die Lizenz.

Woher kam das Minus?

Man hat mit Sponsoring-, Zuschauer- und Vermarktungseinnahmen kalkuliert, die so nicht eingetreten sind. Letztlich kann man dann im Laufe einer Saison nicht mehr richtig reagieren. Denn der Spielerkader ist ja da. So etwas darf nie wieder passieren. So eine Rettungsaktion kann man nicht aller paar Tage machen. Das war ein einmaliger Vorgang. Wir müssen wieder mehr mit den Sponsoren und den Zuschauern arbeiten und näher an die Stadt rücken. Wir haben erstmal nur einen Etat von knapp sechs Millionen. Alles was jetzt passiert, wird hoffentlich den Etat erhöhen.

Die Sponsoren fordern Stabilität und Sicherheit für das nächste Jahr. Wir haben einen neuen Unternehmensklub. Das Interesse daran ist sehr groß. Da sind auch einige Mittelständler aus der Region dabei, die unzufrieden waren – mit dem sportlichen, aber auch mit Verlässlichkeit und Familienfreundlichkeit im Stadion.

Wo ist das größte Potenzial für zusätzliche Einnahmen?

Vorstände des HFC v.r. Jürgen Fox (Vorstandschef der Saalesparkasse) , Sanierungsexperte Jens Rauschenbach
Die HFC-Vorstandsmitglieder Jens Rauschenbach (m.) und Jürgen Fox (r.) stehen im halleschen Stadion. Bildrechte: imago/VIADATA

Wenn man sich die Zuschauerzahlen und das leere Stadion ansieht, sieht man ganz klar, welches Potenzial da besteht. Das haben andere Vereine auch besser gemacht. Wir müssen näher in die Stadt, wollen die Leute wieder für den HFC begeistern und familienfreundlicher werden. Dazu haben wir viele Aktionen vor: Der Familienblock zieht auf die Haupttribüne. Die Saisoneröffnung wird diesmal auf dem Markt stattfinden.

Auf überregionale Sponsoren zu warten, ist relativ schwierig. Es gibt ein paar Ansätze. Aber für die 3. Liga sind überregionale Sponsoren eher untypisch.

Aufgabenverteilung im Vorstand Michael Schädlich: Präsident – Spielbetrieb, Vereinsorganisation und Fanbetreuung
Jens Rauschenbach: Finanzen und Marketing
Jürgen Fox: Nachwuchsentwicklung
Lucas Flöther: Verträge und Verhandlungen
Ralph Kühne: Begleitung Kaderplanung

Wer hat die Macht beim HFC?

Es gab noch keine Schlägerei. Es gibt Diskussionen, klar. Aber die waren alle sehr sachlich. Und bei allen Themen gab es zum Schluss einstimmige Entscheidungen. Da ist kein Tumult und keine Einflussnahme. Es ist auch nicht so, dass einer voranprescht. Jeder bringt seine Erfahrungen ein und das funktioniert. Man kann nicht sagen, dass einer komplett bestimmt, wo es lang geht.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Michael Schädlich beschreiben?

Unser Verhältnis ist sehr gut. Wir arbeiten sehr eng zusammen und stimmen uns zu allen Marketingthemen ab. Es gibt keinen Grund, da etwas rein zu interpretieren. Wir sind sehr sachlich unterwegs und kennen uns viele Jahre. Deswegen ist da eine Vertrauensbasis da.

Wer wird Marketingleiter?

Beim Marketingleiter sind wir in Gesprächen. Bisher hat Jörg Sitte den Bereich Marketing und Geschäftsstelle geleitet. Da wird nun Ersatz gesucht. Die Anforderungen sind ganz klar: Sportbezug – optimalerweise auch im Fußball – Erfahrungen in Sponsoring und Marketing. Etwas verkünden können wir da noch nicht.

Es gab immer wieder Vorwürfe zu Vetternwirtschaft zwischen ihrer Firma und Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Kann das negative Auswirkungen auf den Verein oder ihre Arbeit beim HFC haben?

Erstens muss man sagen, dass sich alle Dinge, die da dargestellt wurden, in Luft aufgelöst haben. Alle, die das wollten – auch die Stadträte – konnten Akteneinsicht nehmen. Wenn da was gefunden worden wäre, wäre da sicher darüber berichtet worden. Deshalb bin ich sehr entspannt. In dieser Stadt ist politisch sehr viel Bewegung. Aber daran beteilige ich mich nicht. Das halten wir vom Verein fern.

Im Vorstand geht es absolut sachlich zu. Da sitzt auch kein Oberbürgermeister am Tisch. Das ist ein Vereinsgremium, für das es wichtig ist, dass dort keiner von der Stadt Einfluss nimmt. Wir fragen da auch niemanden. Die Entscheidungen treffen wir in diesem Vorstand.

Werden Sie den FCM vermissen?

Für den Moment nicht. Aber das Ziel muss natürlich sein, irgendwann wieder gegeneinander zu spielen.

Werden Sie sich für den neuen Vorstand zur Wahl stellen?

Keiner der Beteiligten hat sich bisher dazu geäußert. Wir stecken voll im Tagesgeschäft. Das Wichtigste ist jetzt Stabilität und Saisonvorbereitung. Da ist momentan keine Zeit für Diskussionen über die Ausrichtung.

Sie haben Vorschläge für den aktuellen Mann der Woche? Senden Sie Ihren Kandidaten mit Begründung per Mail an online-sachsen-anhalt@mdr.de oder auf Twitter @Daniel_George92 oder @LeisteO.

Wo der Podcast zu hören ist

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
Bildrechte: MDR/ARD/Apple

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 17:49 Uhr

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