Tor zum 2:0 durch Stefan Kleineheismann (HFC)
Stefan Kleineheismann (r.) bejubelt seinen Treffer zum 2:0. Es war sein Abschiedsgeschenk an den HFC. Bildrechte: IMAGO

Analyse zum HFC-Saisonabschluss Nichts, was bleibt

Die meisten Spieler und Trainer Schmitt gehen beim Halleschen FC von Bord. Viel wird von ihnen nicht in Erinnerung bleiben. Doch die Ursachen für die fehlende Entwicklung sind nicht nur im sportlichen Bereich zu suchen.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Tor zum 2:0 durch Stefan Kleineheismann (HFC)
Stefan Kleineheismann (r.) bejubelt seinen Treffer zum 2:0. Es war sein Abschiedsgeschenk an den HFC. Bildrechte: IMAGO

Hilal El-Helwe sorgte für Aufsehen auf dem Trainingsplatz. Die Sonne schien am Dienstag vom wolkenlosen Himmel und der Libanese hatte sich sämtliche Ärmel und Hosenbeine hochgekrempelt. "Willst du braun werden", fragte ein Beobachter am Zaun. "Klar", rief der Stürmer. "Damit ich zumindest irgendwas aus Halle mitnehme." Ein Spaß, natürlich. Aber irgendwo auch die bittere Wahrheit, die für El-Helwe genauso gilt wie für die meisten seiner Mitspieler. Und auch für Trainer Rico Schmitt.

Durchlaufstation im Lebenslauf

Am Samstag absolvierte der Hallesche FC sein letztes Pflichtspiel in dieser Saison. Gegen Zwickau gab es einen 2:0-Sieg. Nun steht nur noch ein Freundschaftsspiel gegen den VfB Stuttgart an (Dienstag, 19 Uhr). Danach verlassen Schmitt, sein Co-Trainer Marco Kämpfe und mindestens 17 Spieler den Verein. Lange erinnern wird man sich an die meisten von ihnen wohl nicht. Für viele der Beteiligten wird der Hallesche FC eine Durchlaufstation im Lebenslauf bleiben.

Wirklich vorangekommen ist hier in den vergangenen Jahren kaum jemand. Die Spieler nicht, der Trainer nicht und der Verein erst recht nicht. Drei 13. Plätze in Serie sprechen Bände. Der Hallesche FC ist im unteren Mittelfeld der 3. Liga hängen geblieben. Alle Ziele in den vergangenen Jahren wurden verfehlt. Einzige Ausnahme war Torwart Fabian Bredlow. Nach zwei Jahren beim HFC wechselte er zum 1. FC Nürnberg und ist mit den Franken nun in die Bundesliga aufgestiegen. 

Mit dem aktuellen HFC-Team sollte der Sprung in die Spitzengruppe der Liga gelingen. Selbst vom Aufstieg träumten viele Fans und sicher auch mancher Spieler. Untermauern konnte diese Ambitionen kein Spieler über einen längeren Zeitraum. Deshalb scheint es fast folgerichtig, dass sie nun woanders ihr Glück suchen.

Ursachen für die Stagnation 

Die Ursachen für die Mittelmäßigkeit sind hinlänglich erklärt worden. Nach einem guten Start unter Schmitt zum Ende der Saison 2015/16 krankte es in seiner ersten kompletten Spielzeit vor allem in der Offensive. Trotzdem gelang zwischenzeitlich der Sprung in die Spitzengruppe. Der Traum von Höherem, er schien tatsächlich greifbar. In der Rückrunde folgte der Einbruch. Die defensive Stabilität ging verloren, nach vorne gelang wochenlang gar nichts mehr.

In der Saison 2017/18 hatte der HFC in den ersten Monaten mit unfassbarem Verletzungspech zu kämpfen. Teilweise standen nur noch 13 Feldspieler zur Verfügung. Es ist dem Team hoch anzurechnen, dass es in dieser Phase zusammenrückte und trotzdem ordentlich punktete. Als einige wichtige Spieler zurückkehrten, wuchs der Abstand zur Abstiegsregion schnell. Im zweiten Halbjahr war der Verlauf ähnlich. Einem wechselhaften Start folgte eine Phase mit drei Niederlagen. Doch bevor es wirklich gefährlich werden konnte, gab es eine Serie von sechs Spielen ohne Niederlage. 

Was wäre drin gewesen?

Oft fragt man sich, was möglich gewesen wäre, wenn die Mannschaft mal wirklich durchgezogen hätte. Wenn Gefahr bestand, unten rein zu rutschen, war der HFC immer da. Doch immer wenn es in der Tabelle nach oben hätte gehen können, hatte man das Gefühl, dass die Mannschaft das Tempo rausnahm. Der Vorwurf der fehlenden Mentalität kam – aller gegenteiliger Beteuerungen von Trainer und Spielern – zu recht. Dabei war Mentalität genau das Kriterium, mit dem der Neuanfang vor zwei Jahren eingeläutet wurde.

Linie verloren

Die Ursachen dafür, dass der HFC nicht weitergekommen ist, sind aber nicht nur im sportlichen Bereich zu suchen. Seit dem Abgang von Trainer Sven Köhler im Sommer 2015 hat der Verein seine Linie verloren. Auf Sicherheit folgte Risiko, auf personelle Kontinuität folgten Machtkämpfe hinter den Kulissen. "Der HFC ist wieder ein Verein wie jeder andere geworden," sagte Ex-Spieler Florian Brügmann im Winter. 

Stefan Kleineheismann, der gegen Zwickau ein Tor erzielte, schlägt in die gleiche Kerbe: "Als ich kam, war Sven Köhler hier sieben Jahre Trainer. Ich hätte nie geglaubt, dass das alles so eine Dynamik aufnimmt." Der Abwehrspieler hatte zu Wochenbeginn überraschend seinen Abschied verkündet. Eigentlich hatte sich sein Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert. Nun zieht es ihn nach Schweinfurt. Aus familiären Gründen und weil er dort seine Trainerkarriere vorbereiten kann. Aber die Wirrungen der vergangenen Monate haben sicher auch ihren Teil zum Wechsel beigetragen. Genau wie die insgesamt unbefriedigende sportliche Bilanz, wie Kleineheismann zugibt: " Wir haben es uns alle etwas anders, etwas positiver vorgestellt und schon gehofft, in höhere Tabellenregionen zu kommen. Leider haben wir auch nur einmal den Pokal geholt. Es war nicht so erfolgreich, wie wir uns das gewünscht haben."

"Wieder in ruhiges Fahrwasser"

All das ist nun Geschichte. Mit der Saison endet ein schwieriges Kapitel beim Halleschen FC. Es gibt einen neuen Vorstand, eine neue sportliche Leitung und viele neue Spieler. Sie alle werden zeigen müssen, ob sich höhere Ansprüche in Halle als Drittligamittelfeld wirklich erfüllen lassen. Stefan Kleineheismann hat zum Abschied vor allem einen Wunsch für den Verein: "Ich wünsche dem HFC, dass er wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt."

Wenn das eintritt, ist auch relativ wahrscheinlich, dass der Erfolg nach Halle zurückkehrt. Die Zuschauerzahlen würden dann ziemlich sicher wieder steigen. Und auch im Landespokal wird es ohne den FCM leichter für den HFC. Es ist also nicht unmöglich, dass die nächste Generation beim HFC erfolgreicher wird als die aktuelle. Und dann auch etwas mehr aus Halle mitnimmt als nur ein paar Sonnenstrahlen. 

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Quelle: mdr/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 12. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2018, 10:56 Uhr

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6 Kommentare

14.05.2018 14:27 MLink-Berlin 6

Wünsche H... eine erfolgreiche Saison 2018/19!!! Genug ausgemistet habt ihr ja bereits...
Nun in kleinen Schritten was großes aufbauen und es klappt auch mit einem Aufstieg in den nächsten Jahren!
Werd auch weiterhin die Entwicklung von H... verfolgen, schon allein weil es im weitesten Sinne eine weitere Heimatmannschaft ist!
Mit ansprechenden Leistungen kommt auch wieder Freude bei euch Fans auf!!!
Ob da Ziege bei dem Abgang in Zwickau der Richtige ist wird sich zeigen, wenn nicht dann zeitnah entsorgen und nicht wieder so lange dran festhalten...
Allen Rot-Weißen eine entspannte Sommerpause :-)

BWG aus der Mudderstadt

13.05.2018 23:40 Hallodri 5

Den Leserkommentaren stimme ich zum Großteil,dem MDR nur teilweise zu.Andreas hat völlig recht. Wir in Halle sollten froh sein,die Klasse gehalten&finanziell(so siehts aus) das Gröbste durchgestanden zu haben. Ich persönlich ziehe folgendes Fazit für 17/18. Offensiv gar nicht so schlecht ABER defensiv Auweia. Ergebnis Platz 13. Wann haben wir seit dem Aufstieg denn mal einen 3Tore Rückstand aufgeholt(1:4Paderborn)? In der Vergangenheit hatten wir immer EINEN Goalgetter(Osawe,Furuholm), ja das stimmt. War der aber abgemeldet,war Ruhe im Sturm. Dieses Jahr waren wir wesentlich schlechter ausrechenbar.
Und ich stimme Merseburger zu. Sobald ein Spieler der 3.Liga einigermaßen körperlich&technisch beschlagen ist,ist er weg! Also Koll. Leistner vom MDR,ein bisschen differenzierter die Leistung vom HFC diese Saison betrachten. Vom Aufstieg war NIE die Rede! Platz 6-8 war das Ziel. Ich finde es richtig,daß die neue Sportleitung jeden Stein umdreht&versucht auch neue Wege zu gehen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALTS:

Hallo Hallodri,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Die defensiven Nachlässigkeiten dieser Saison habe ich gar nicht erwähnt. Viel mehr geht es bei mir um die fehlende Einstellung einiger Spieler. Vom Aufstieg war im Umfeld durchaus die Rede, vor einigen Monaten auch noch im Präsidium. Das es als Ziel formuliert wurde, habe ich an dieser Stelle nicht geschrieben. Insofern bin ich unsicher, was ich tatsächlich differenziert betrachten soll.

Herzliche Grüße
Oliver Leiste

13.05.2018 18:28 Katerspeedy 4

Ich bin froh das Schmitt und seine Bande endlich gehen. Für mich war es die unsymphatischte Mannschaft seit dem der HFC in der dritten Liga spielt. Und das Schmitt auch nach dem 1.4. noch machen durfte was er will kann eigentlich nur an seinen Vertrag liegen. Ich hätte ihn nach dem MD Pokal Spiel gefeuert. Spätestens aber nach dem Würzburg Spiel . Das mache ich auch dem neuen SD und der Vereinsführung zum Vorwurf. Da hätte man ein Zeichen gesetzt und der HFC hätte wahrscheinlich noch seine beste Drittliga Saison gespielt. Ich hoffe das niemals mehr ein Trainer soviel Macht in Halle bekommt .

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