Dr. Michael Schädlich enttäuscht
Michael Schädlichs Tage als HFC-Präsident sind gezählt. Bildrechte: imago/VIADATA

Ende nach 16 Jahren Wie HFC-Präsident Schädlich aus dem Amt gedrängt wurde

Mit der Wahl eines neuen Vorstandes beginnt beim HFC eine neue Ära. Die Zeit von Präsident Michael Schädlich endet in Kürze – mit anderthalbjähriger Ankündigung. Einschätzungen von Oliver Leiste.

Dr. Michael Schädlich enttäuscht
Michael Schädlichs Tage als HFC-Präsident sind gezählt. Bildrechte: imago/VIADATA

Am Ende musste Michael Schädlich die Hände heben. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand hatte dem HFC-Präsidenten am Montag öffentlichkeitswirksam die Pistole auf die Brust gesetzt. "Die öffentliche Hand kann nicht mit einem Verein zusammenarbeiten bzw. ihn finanziell fördern, wenn an dessen Spitze eine Person steht, die als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit tätig war", ließ Wiegand mitteilen. Anlass waren Vorwürfe, dass Schädlich als Inoffizieller Mitarbeiter wesentlich aktiver für die Stasi gearbeitet haben soll, als bisher bekannt war.

Schädlichs Reaktion folgte postwendend. Er erklärte, seine Kandidatur für eine weitere Amtszeit als HFC-Präsident zurückzuziehen. Damit wolle er verhindern, dass Sponsoren ihr bisheriges Engagement seinetwegen zurückfahren. Nach über 16 Jahren an der Spitze des Vereins endet seine Ära beim Halleschen FC, wenn ein neuer Vorstand gewählt wird. "Ein schwerer Schritt" bekräftigte Schädlich hörbar getroffen im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Unruhe von außen

Die Empörung unter den HFC-Fans ist groß. Das wird in zahlreichen Einträgen im Internet deutlich. Im rot-weißen Anhang war und ist Michael Schädlich überaus beliebt. Nicht umsonst wurde er wieder und wieder im Amt bestätigt. Auch bei der Mitgliederversammlung, die am Sonntag stattfinden sollte, wäre eine Wiederwahl wahrscheinlich gewesen – einer Beinah-Insolvenz im Vorjahr und aller Vorwürfe zum Trotz. Schon seit einigen Tagen wittern die Fans eine Verschwörung. Weil es gerade so gut läuft – der HFC gehört zu den Spitzenteams der 3. Liga – soll von außen Unruhe in den Verein gebracht werden.

"Ein demokratischer Prozess"

Dem ist mitnichten so, erklärt Christian Bergmann, Autor des Beitrags im MDR-Magazin "exakt", in dem die neuen Vorwürfe öffentlich wurden: "Wir arbeiten seit ungefähr 18 Monaten an dem Thema Michael Schädlich und seine Stasi-Vergangenheit. Wir haben damals einen Hinweis bekommen, dass seine Stasi-Akte wesentlich umfangreicher ist als bisher gedacht. Es war dann sehr schwierig, die Akte zu bekommen, zu sichten, das hat eine gewisse Zeit gedauert. Die Fertigstellung des Beitrags war dann im November dieses Jahres abgeschlossen. Dann haben wir uns entschieden, diesen Beitrag zu senden. Für uns war es schon klar, dass jetzt Präsidentenwahlen sind."

In der Redaktion habe es durchaus Diskussionen gegeben, ob der Beitrag vor oder nach der Wahl gesendet werden soll. Doch am Ende seien auch Präsidiumswahlen in einem Sportverein ein demokratischer Prozess, so Bergmann.

Mutlosigkeit und Stillstand beim HFC

Anderthalb Jahre Vorlauf also. Vom aktuellen sportlichen Lauf der Rot-Weißen war da noch längst nichts zu ahnen. Und doch hat man den Eindruck, als würde sich nun ein Puzzle zusammenfügen. Vor zwei Jahren träumten sie in Halle ebenfalls vom Aufstieg. Zu Weihnachten stand die Mannschaft von Trainer Rico Schmitt auf Platz 4, der Abstand nach oben war gering. In der Winterpause gelang es dem HFC nicht, einen Torjäger zu verpflichten, in der Rückrunde brach die Mannschaft ein.

In der Folge warf Oberbürgermeister Bernd Wiegand dem HFC Mutlosigkeit und Stillstand vor. Und begann, sich fortwährend in die Belange des Vereins einzumischen. Das ist ziemlich genau anderthalb Jahre her. Ende 2017 kam es dann zum Knall. Wiegand forderte Schädlich auf, die Bücher offen zu legen. Der langjährige Vizepräsident Jörg Sitte musste wenig später seinen Posten als Marketingleiter aufgeben. Kurz darauf offenbarte der Hallesche FC erhebliche finanzielle Probleme, stand kurz vor der Insolvenz. Diese Entwicklung hatte sich jedoch mit einigem Vorlauf angekündigt, Wiegand wusste davon.

Dramatisches Ende eines Schauspiels

In einer Nacht- und Nebelaktion trat Sitte als Vorstand zurück. Der Verwaltungsrat ernannte daraufhin mit Jens Rauschenbach, Jürgen Fox und Lucas Flöther drei neue Vorstandsmitglieder, die gemeinsam mit Schädlich und Ralph Kühne den Notvorstand bildeten. Schädlichs Macht beim HFC war damit gebrochen, auch wenn er Präsident blieb. Gleichzeitig wurde der Verein jedoch gerettet Städtische Unternehmen und Fanspenden schlossen die finanzielle Lücke.

In der Folge schienen sich die Wogen geglättet zu haben. Das neue Vorstandsteam arrangierte sich und arbeitete, unterschiedlichen Ansichten zum Trotz, gemeinsam für die Rettung und Weiterentwicklung des Vereins. Im Sommer verließ der langjährige Manager Ralph Kühne den Vorstand. Später kündigte auch Lucas Flöther an, nicht kandidieren zu wollen. Es blieben Schädlich, Rauschenbach und Fox, die den Verein künftig zu Dritt führen wollten. Bis Schädlich nun kurzfristig doch zum Aufgeben gezwungen wurde. Der dramatische letzte Akt eines Schauspiels, das den Halleschen FC in den vergangenen anderthalb Jahren verändert hat.

Machtspielchen stehen im Vordergrund

Es fällt nicht sonderlich schwer, die einzelnen Schritte nun als Teil eines großen Ganzen zu sehen. Schädlich bestätigt, dass er den Eindruck hatte, dass er aus dem Amt gedrängt werden soll. Wer dafür verantwortlich ist, will er nicht spekulieren. "Ich habe natürlich eine Vermutung, beweisen kann ich es nicht." Angesprochen auf die jüngsten Enthüllungen erklärt Schädlich: "Die Vorwürfe sind aus meiner Sicht nicht neu. Man kann sie aber natürlich als Sensation verkaufen, wenn man damit etwas bezwecken will." Zudem betont er, sich immer wieder, auch öffentlich, für seine Fehler entschuldigt zu haben.

Dr. Bernd Wiegand, Dr. Michael Schädlich, Manfred Maas und Holger Stahlknecht
Bernd Wiegand (l.) erntet für seinen Umgang mit dem HFC viel Kritik. Bildrechte: imago/VIADATA

Deutlicher wird Landessportbund-Präsident Andreas Silbersack, der Bernd Wiegand im kommenden Jahr als Oberbürgermeister der Stadt Halle beerben will: "Die direkte Einmischung eines Oberbürgermeisters in die Angelegenheiten eines Sportvereins ist gelinde gesagt ungewöhnlich. Offensichtlich stehen hier persönliche Ressentiments und Machtspielchen im Vordergrund. Ich würde mich nicht wundern, wenn die neuen Stasi-Vorwürfe bewusst als Teil einer Intrige gestreut wurden."

Schweres Erbe

Wer auch immer das Ziel hatte, Schädlich loszuwerden, er hat es erreicht. Doch der Wechsel an der Spitze des Halleschen FC wurde dadurch nur vorgezogen. Schädlich ist 65 Jahre alt und sagt: "Die nächste Amtszeit wäre sowieso meine letzte gewesen. In der wäre es auch darum gegangen, einen neuen Präsidenten aufzubauen."

Ein solcher Nachfolger wird sich nun schnell finden müssen. Die Mitgliederversammlung, auf der der neue Vorstand gewählt wird, findet am 3. Februar statt. Die Kandidaten müssen schon Anfang Januar bekannt gegeben werden. Jens Rauschenbach betonte am Mittwoch erneut, dass er für das Präsidentenamt  nicht zur Verfügung steht. Auch wenn er weiterhin bereit ist, im Vorstand mitzuarbeiten. Jürgen Fox musste als Chef der Saalesparkasse schon Anfang des Jahres versprechen, nicht das Präsidentenamt beim HFC zu übernehmen. Es braucht mindestens einen weiteren Kandidaten, um den Vorstand satzungsgemäß zu besetzen.

Mit viel PS in die Zukunft?

Wer auch immer noch antritt, müsste dann direkt Präsident werden. Und mit dem Vorwurf der Fans leben, von Bernd Wiegand ins Amt gehievt worden zu sein. Ein Umstand, der Zusammenarbeit auf vielen Ebenen beim HFC schwierig gestalten dürfte. Die wichtigste Aufgabe des aktuellen Vorstands ist es nun, jemanden zu finden, der Schädlichs große Lücke beim HFC schließen kann und dem die Fans vertrauen. Denn im Gegensatz zur Notbesetzung Anfang des Jahres treffen diesmal die Mitglieder die Entscheidung.

Einer, der diesen Anspruch erfüllen könnte, ist Volker Ciesiolka. Der Unternehmer ist Inhaber einer Autohauskette und schon jetzt im Verwaltungsrat beim HFC aktiv. Neben dem HFC engagiert er sich auch schon lange als Sponsor bei anderen Sportvereinen in Halle – etwa der Eishockeymannschaft Saalebulls. Wirtschaftliches Know-how und ein Verständnis für die besonderen Bedürfnisse eines Vereins vereint Ciesiolka also. Ob er tatsächlich antritt, ist bislang aber unklar.

Michael Schädlich kümmert es nicht, wer sein Nachfolger wird. Er will in den kommenden Wochen dennoch mithelfen; "dass wir oben dran bleiben". Und wünscht sich nichts sehnlicher als den Aufstieg. Auch wenn er den dann nicht mehr als Präsident, sondern nur noch als HFC-Fan feiern kann.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 16:35 Uhr

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86 Kommentare

13.12.2018 15:43 Hans Frieder Leistner 86

Da scheinen - oder wollen - mich ein paar Schreiber falsch verstanden zu haben. Mit Denunziant meinte ich nicht den MDR sondern die Petzer der Stasi. Wer nicht denunziert hat braucht sich doch nicht getroffen zu fühlen.

13.12.2018 14:39 Gerechtigkeit beginnt mit der Wahrheit 85

@84. Chemieschwein. BIs auf Mord ist ohnehin alles verjährt und den Beiträgen habe ich nicht entnehmen können, dass Dr.Schädlich eine strafbare Handlung vorgeworfen wird. Auch ins Gefängnis hat er niemanden gebracht(Stand jetzt)

13.12.2018 13:41 Chemieschwein 84

@76 nicht alles was bei der Staatssicherheit und in den Organen der DDR gelaufen ist ,war auch mit den DDR Gesetzen abgedeckt und strafbar . Ich währe mit diesen Behauptungen zurückhaltender , denn nicht alles ist offengelegt . Einer der so ausgeliefert hat , wusste was mit diesen politischen Gefangen passiert , und ist genauso ein Täter ! Was davon strafbar ist oder auch nicht , müssen Leute bewerten die mit den Gesetzen der DDR vertraut sind , aber bitte nicht diese Genossen ,die dieses Recht 40 Jahre gebeugt haben .