Manuel Schäffler (Wiesbaden) trifft hier zum 0:3 für Wiesbaden im Spiel des HFC Hallescher FC vs. SV Wehen Wiesbaden
Im Spitzenspiel sah der HFC alt aus – und verlor 1:4. Bildrechte: imago images / VIADATA

Zusammenhalt trotz Niederlage "Reaktionen aus der HFC-Kurve waren geil"

Nächstes Spitzenspiel, nächste herbe Niederlage: Der HFC verliert zuhause gegen Wehen Wiesbaden 1:4. Doch weil Fans und Mannschaft zusammenstehen, ist der Aufstiegstraum noch längst nicht ausgeträumt.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste

Manuel Schäffler (Wiesbaden) trifft hier zum 0:3 für Wiesbaden im Spiel des HFC Hallescher FC vs. SV Wehen Wiesbaden
Im Spitzenspiel sah der HFC alt aus – und verlor 1:4. Bildrechte: imago images / VIADATA

Normalerweise laufen die Pressekonferenzen nach den Spielen der 3. Liga immer gleich. Die Trainer erzählen ein, zwei Minuten darüber wie sie das Spiel gesehen haben. Dann gibt es einige wenige Fragen und dann ist die Veranstaltung schon wieder vorüber.

Nach der Partie des Halleschen FC gegen Wehen Wiesbaden, wich HFC-Trainer Torsten Ziegner vom gewohnten Protokoll ab. Ihm war es wichtig, sich zuerst bei den Fans zu bedanken, bevor er über das Spiel sprach: "Dass uns 8.000 Leute heute bei diesem Spielverlauf unterstützt haben, ist nicht selbstverständlich. Das spricht dafür, dass der Zusammenhalt innerhalb des Vereins extrem groß geworden ist und dass die Fans anerkennen, was die Jungs leisten."

Was war passiert? Die HFC-Anhänger hatten ihre rot-weißen Lieblinge nach dem Abpfiff noch minutenlang lautstark gefeiert. Und das obwohl ihre Mannschaft gerade 1:4 verloren hatte.

Wehen Wiesbaden zeigt Qualitäten eines Spitzenteams

Doch der Reihe nach. Der HFC ging als Tabellenvierter in das Spitzenspiel gegen den punktgleichen Dritten Wiesbaden. Die Hallenser wollten sich dabei den dritten Platz zurückerobern und beweisen, dass sie zu recht zu den vier Topteams der Liga gehören. Das ging gründlich schief. Wehen Wiesbaden drückte von Beginn an und erarbeitete sich anfangs eine Vielzahl von Standards.

Nach einer 1:4-Niederlage erwartest du, dass ein paar Becher aus der Kurve geflogen gekommen. Aber die Reaktion war geil.

Jan Washausen

Bereits in der siebenten Minute verwandelte Moritz Kuhn einen Freistoß direkt zur Gästeführung. Es war bereits sein viertes Freistoßtor in dieser Saison. In der 23. Minute traf Nicklas Shipnoski nach einem langen Diagonalball sehenswert zu 2:0. Diese beiden Szenen zeigten, was dem HFC im Vergleich zu Osnabrück, Karlsruhe und Wehen Wiesbaden – diese drei Mannschaften stehen derzeit auf den Aufstiegsplätzen – unter anderem noch fehlt: Abgezocktheit, Nervenstärke und individuelle Qualität.

HFC mit Angst vor dem Verlieren

Direkt nach der Pause fiel das 3:0 und erst danach fand der HFC richtig ins Spiel. Moritz Heyer traf nach 57. Minute zum 1:3 und anschließend hatte der Hallesche FC seine beste Phase, dominierte und drängte auf den Anschlusstreffer. Die Fans honorierten das und trieben ihre Mannschaft lautstark nach vorn. Wirklich zwingende Chancen gab es aber nur wenige. Stattdessen fiel das 4:1.

Torsten Ziegner
HFC-Trainer Torsten Ziegner Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch warum erwachte der HFC erst so spät? Torsten Ziegner begründet es, wie schon nach der Niederlage gegen Osnabrück, mit der "Angst vorm Verlieren": "Es ist kein physisches Problem und liegt auch nicht an der Einstellung. Es war eher ein blasses Gesicht vor dem Spiel. Die Jungs waren extrem aufgeregt." Schließlich seien noch nicht viele Spieler beim HFC in Positionen gewesen, wo es um so viel geht. "Man kann viel gewinnen, aber inzwischen auch was verlieren", erläutert der Trainer.

Fans würdigen Einsatz

Aber obwohl der HFC verloren hat und der Rückstand auf Wehen Wiesbaden nun drei Punkte beträgt, kann der Club immer noch ziemlich viel gewinnen. Schließlich sind es "nur drei Punkte und nicht zehn oder 20", bekräftigt Torsten Ziegner. Bis dato hat der Hallesche FC eine starke Saison gespielt und der Aufstieg ist weiter möglich.

Genau diese Entwicklung würdigten die mehr als 8.000 Fans dann auch nach Schlusspfiff. Kapitän Jan Washausen nahm den Beifall dankbar zur Kenntnis: "Nach einer 1:4-Niederlage erwartest du, dass ein paar Becher aus der Kurve geflogen gekommen. Aber die Reaktion war geil. Die Fans haben uns gezeigt, dass sie weiter hinter uns stehen."

Noch eine Chance

Und daraus sollte der HFC Kraft ziehen. Denn der Jubel der Fans kann zugleich als Botschaft verstanden werden: "Macht weiter so, lasst euch nicht hängen. Dann ist noch vieles möglich." Der HFC spielt in den kommenden Wochen ausschließlich gegen Mittelfeldmannschaften, die bei weitem nicht die Qualität der Top 3 haben. Siege fallen da womöglich leichter.

Zudem lassen auch Osnabrück, Karlsruhe und Wehen Wiesbaden regelmäßig Punkte liegen. Wenn der Hallesche FC also konstant punktet, wird er auch weiter in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen bleiben. Und hat am letzten Spieltag in Karlsruhe noch eine letzte Chance zu zeigen, dass er doch eine richtige Spitzenmannschaft ist.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 13:10 Uhr

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9 Kommentare

24.03.2019 18:49 katerspeedy 9

Sicher ist noch alles möglich ! Nur Ziegner muss auch mal seine Hausaufgaben machen und mal den Gegner studieren. Zum wiederholten mal fällt einen auf das die Gegner immer bestens auf den HFC eingestellt sind und Halle kein Gegenmittel findet . Es wird einfach nicht taktisch ungestellt. Und er sollte mit den Stürmern Torabschlüsse üben bis zum kotzen!!

24.03.2019 18:27 HFCer 8

@7 .. danke so sieht es aus. Wir ham noch lange nicht genug. Der allgemeine HFC fan ist viel leid gewöhnt. So eine geile Saison hatten wir seid den Aufstieg 2012 nicht mehr
@3... es war vor allen block 19 . Die immer zur Mannschaft stehen..

24.03.2019 16:18 SGDHarzer66 7

Die Saison ist noch lang, aus dieser Sicht noch alles möglich.
Wenn der HFC alles reinwirft, was möglich ist, werden das die Fans auch honorieren.
Also lasst euch nicht entmutigen...

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