Niederlage in Chemnitz "Es passt alles zur miesen Situation" beim HFC

Mit 0:3 unterliegt der HFC in Chemnitz und rutscht in der Tabelle weiter ab. Besonders bitter: Was nach dem nächsten Debakel klingt, war lange eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Enttäuschung bei Toni Lindenhahn, links Sebastian Mai
Gegen Chemnitz gab es für den HFC die nächste Niederlage. Bildrechte: imago images / Kruczynski

Der Gesprächsbedarf war groß nach der 0:3-Niederlage des Halleschen FC in Chemnitz. Minutenlang musste die Mannschaft ihren Fans erklären, wie die erneute Pleite zustande gekommen war. Unüberhörbar schalten auch "Ziegner raus"-Rufe durch das Stadion. Doch schließlich gelang es den Spielern, den eigenen Anhang einigermaßen zu besänftigen.

"Die Leute sind extrem enttäuscht", erklärte Kapitän Jan Washausen, der erstmals in diesem Jahr in der Liga in der Startelf stand. "Wir haben versucht, ihnen klar zumachen, dass wir heute alles probiert haben." Denn obwohl am Ende ein 3:0 steht, hatten die Spieler eigentlich das Gefühl, ein ordentliches Spiel gemacht zu haben, so Washausen.

Systemwechsel wirkt – zunächst

Und die Sichtweise des 31-Jährigen ist durchaus nachvollziehbar. Nach drei Pleiten in Serie, inklusive der Blamage im Landespokal gegen Halberstadt, begann der HFC mit deutlich veränderter Formation. Vom bislang praktizierten 3-5-2-System stellte Ziegner auf ein 4-4-2 um. Defensive Sicherheit war oberstes Gebot bei diesem Gastspiel in Chemnitz.

Der Plan ging zunächst auf. Auch kämpferisch überzeugte der HFC – im Gegensatz zum Halberstadt-Spiel. Ab und an kombinierte sich der CFC zwar über Außen in den Strafraum, wirklich brenzlig wurde es aber nur selten. Etwa in der 50. Minute, als Chemnitz nach einer Ecke den Innenpfosten traf. 

Erst kein Glück und dann auch noch Pech

Umgekehrt kam auch der HFC kaum zu nennenswerten Chancen. Mit die beste verursachte der Chemnitzer Abwehrspieler Reddermann, der beim Versuch zu klären die eigene Torlatte traf. Es ist das Glück in solchen Situationen, das dem HFC in der aktuellen Phase grundsätzlich fehlt. Denn aus so einer Situation mal in Führung zu gehen, würde der Mannschaft sicher enorm helfen.

Doch gerade als man das Gefühl hatte, der Hallesche FC würde das Spiel Schritt für Schritt in die gegnerische Hälfte verlagern, schlug der CFC zu. Nachdem Ex-HFC-Spieler Davud Tuma den Torwart der Rot-Weißen, Kai Eisele, umgerannt hatte, gab es zur Überraschung fast aller Elfmeter. Eine Fehlentscheidung, denn Tuma foulte Eisele und nicht umgekehrt. Den Strafstoß verwandelte Philipp Hosiner sicher. "Das passt alles zur beschissenen Situation", schimpfte Jan Washausen anschließend.

Immer wieder gravierende Stellungsfehler

Schaut man auf die Entstehung des Elfmeters, sieht man aber auch, dass es in dieser Situation sicher nicht nur Pech war, dass der Treffer fiel. Nach einem Befreiungsschlag der Chemnitzer verliert Niklas Kastenhofer im Mittelfeld das Kopfballduell. Weil Janek Sternberg links zu hoch steht, kann ihm Tuma überhaupt erst davon laufen. Und andere Spieler hätten im Gegensatz zu Tuma wahrscheinlich längst den Abschluss gesucht, sodass ein Tor auch ohne Elfmeter wahrscheinlich gewesen wäre.

Es ist diese Art von Fehlern, die derzeit symptomatisch für den HFC sind. Denn schon in den Vorwochen ermöglichten die Rot-Weißen ihren Gegnern durch falsche Positionierung viel zu oft, die Abwehr mit wenigen Kontakten zu überspielen und so die schnellen Gegenspieler in Szene zu setzen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Denn in dieser Szene wurde letztendlich das Spiel verloren. Dass Chemnitz noch zwei weitere Treffer erzielte, als der HFC versuchte, das Spiel zu drehen, ist da fast schon nebensächlich.

Philipp Hosiner vom CFC verwandelt einen Foulelfmeter nach Foul an Davud Tuma
Der Elfmeter brachte Halle auf die Verliererstraße. Entscheidend war jedoch der Fehler vorher. Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Abstiegskampf statt Aufstiegstraum

Was bleibt, ist die vierte Pflichtspielniederlage im Jahr 2020 für den Halleschen FC. Der Abstand auf die Abstiegsplätze ist für den HFC inzwischen geringer als auf die Aufstiegsplätze. Logisch, dass Sportdirektor Ralf Heskamp deshalb sagt: "Der Abstiegskampf geht jetzt los. Da sind wir drin und dessen sind wir uns bewusst." Den Trainer will er dabei – im Gegensatz zu einigen Fans – nicht zur Disposition stellen. "In der Hinsicht werden in dieser Woche keine Gespräche geführt", bekräftigt Heskamp.

Diese Aussage ist durchaus verständlich, wenn man anerkennt, dass aus den letzten Spielen die richtigen Schlüsse gezogen wurden. Die Umstellungen kann man – wohlwollend betrachtet – in diese Richtung deuten. Doch klar ist auch, der Hallesche FC braucht schnellstmöglich Punkte, um nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. Das geht nur über kleine Erfolgserlebnisse und über defensive Sicherheit. "Und wenn du es mal schaffst, das Glück zu erzwingen", weiß Heskamp. Das Spiel gegen die spielstarke Reserve des FC Bayern wäre da ein guter Startpunkt. 

Das HFC-Team vor den verbitterten Fans
Nach der Pleite mussten die HFC-Profis ihren Fans Rede und Antwort stehen. Bildrechte: imago images / Kruczynski
Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR Sport im Osten | 09. Februar 2020 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2020, 21:44 Uhr

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