v.l. Antonios Papadopoulos Halle, 8 nach vergebener Chance in der Nachspielzeit enttäuscht.
Mit der Niederlage in Magdeburg hat der HFC auch die Tabellenführung eingebüßt. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Dämpfer im Aufstiegskampf Wie sich der HFC in Magdeburg eine blutige Nase holte

Der Hallesche FC verliert das Spiel in Magdeburg und zugleich die Tabellenführung. Aus den vergangenen sechs Spielen holten die Rot-Weißen nur einen Sieg. Um oben dabei zu bleiben, ist nun ein Lernprozess erforderlich.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

v.l. Antonios Papadopoulos Halle, 8 nach vergebener Chance in der Nachspielzeit enttäuscht.
Mit der Niederlage in Magdeburg hat der HFC auch die Tabellenführung eingebüßt. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Den Spaß ließen sich die Magdeburger nicht nehmen. Nach dem 1:0-Sieg gegen den Halleschen FC wurde kurzerhand ein Zeitungsartikel an die Kabinentür der Rot-Weißen geklebt. "Boyd kündigt Nasenbluten an" war darüber in großen Lettern zu lesen. Unter der Woche hatte der Stürmer mit markigen Worten ein intensives Derby versprochen. Und dabei auch die Möglichkeit erwähnt, dass ein Gegner nach einem Zweikampf mit ihm Nasenbluten haben könnte.

Matchplan nicht umgesetzt

Stattdessen hat sich der HFC in Magdeburg – im übertragenen Sinne – selbst eine blutige Nase geholt und neben dem Spiel auch die Tabellenführung verloren. Während das Abrutschen auf Platz zwei Terrence Boyd nicht sonderlich störte, ärgerte ihn die Niederlage sehr. "Es war für einige – mich eingeschlossen – das erste Derby hier im Club. Da ist das Ergebnis sehr enttäuschend. In den letzten Monaten haben wir attraktiven Fußball gespielt. Davon war heute nichts zu sehen", monierte der Angreifer, dass der Matchplan des Trainers nicht ordentlich umgesetzt wurde.

Doch es war nicht nur die spielerische Qualität, die fehlte, sondern auch die Überzeugung, ist er sich sicher: "In einem Derby heißt es alles zu geben. Und das haben wir nicht getan."

Es ist eine Herausforderung, Woche für Woche gleich fokussiert und konzentriert zu sein und das gleiche Niveau immer wieder auf den Platz zu bekommen. Das erfordert eine extreme mentale Stärke.

HFC-Trainer Torsten Ziegner

Loblieder verfrüht?

Die Niederlage für den HFC war die erste seit Mitte August. Achtmal bleib die Mannschaft von Trainer Torsten Ziegner seitdem ungeschlagen. In den vergangenen sechs Partien, die gegen Magdeburg eingeschlossen, gelang jedoch auch nur ein Sieg. Lässt sich daraus eine Tendenz ableiten? Waren die Loblieder auf das Spitzenteam HFC vielleicht verfrüht?

Ziegner: "Platz zwei hätte ich so unterschrieben"

Nicht unbedingt, glaubt Ziegner und verweist nicht zu Unrecht darauf, dass die Spiele zuletzt unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen standen. Das Unentschieden gegen Münster wird nach einem vermeintlichen Wechselfehler noch vor dem Sportgericht verhandelt.

In Braunschweig belohnte sich der HFC nicht mit dem Sieg für eine starke Leistung. Mannheim wurde im eigenen Stadion abgeschossen. Dem gegenüber stehen zwei schwächere Heimauftritte gegen Zwickau und Meppen. Ziegners Fazit: "Wir haben nach 14 Spielen 25 Punkte und stehen auf Platz zwei. Das hätte ich vor der Saison so unterschrieben."

Lektion: Nicht nachlassen

Seiner Meinung nach muss das Team nach einer guten Entwicklung zuletzt nun eine schwierige Lektion lernen: "Es ist eine Herausforderung, Woche für Woche gleich fokussiert und konzentriert zu sein und das gleiche Niveau immer wieder auf den Platz zu bekommen. Das erfordert eine extreme mentale Stärke. Da bekommen wir aktuell noch genügend Lehrgeld."

Beim 3:3 gegen Meppen verschenkte der HFC leichtfertig den Sieg. "Schlampig" nennt es Ziegner. "Heute waren wir nicht schlampig", sagt er dagegen über den Auftritt in Magdeburg. "Stattdessen haben wir einen Millimeter nachgelassen. Wir haben noch nicht die Gabe, dauerhaft nicht locker zu lassen. Heute haben wir fünf Minuten locker gelassen, da ist Magdeburg zurück ins Spiel gekommen."

Stürmer ohne Abschluss

Und während beim FCM Chancen und sogar das entscheidende Tor folgten, wuchs beim HFC die Verunsicherung. Die beiden Stürmer Boyd und Jonas Nietfeld kamen im ganzen Spiel nicht zu einem Abschluss. Was aber auch an Schwächen und Hektik im Aufbauspiel lag. Zudem lief die Defensive zu oft hinterher.

"Da sind wir dann passiv gewesen und das ist schlecht", gibt Ziegner unumwunden zu. Es gilt also, an der Konstanz und an der Überzeugung in jedem Moment des Spiels zu arbeiten, wenn der HFC weiter zu den Spitzenteams der 3. Liga gehören will.

Jubel bei Terrence Boyd, Hallescher FC.
Eine provokante Äußerung von Terrence Boyd hatte vor der Partie für Aufsehen gesorgt. Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Boyd: "Sowas gehört dazu"

Diese Lehre nimmt der Club mit in die kommenden Wochen. Schon gegen 1860 München kann er es nächsten Samstag wieder besser machen.

Bleibt noch die Frage, ob auch Terrence Boyd seine Lektion gelernt hat. Der Stürmer lacht und schüttelt mit dem Kopf. "Ach nö. Ich habe ja auch einen auf den Kopf bekommen" erinnert er sich an einige harte Zweikämpfe. "Es ist nun mal ein Derby, da gehört so etwas auch ein bisschen dazu."

Aber für ihn gehört dann genauso dazu, dem Gegner Respekt zu zollen, zu gratulieren und den Torschützen Sören Bertram nach dem Spiel in den Arm zu nehmen. Und spätestens dann hatten sicher auch alle den Spruch vorher vergessen.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2019, 20:19 Uhr

10 Kommentare

Machdeburjer vor 4 Wochen

Ändert trotzdem nicht die Niederlage vom Samstag.
Und bekanntermaßen wird am Ende zusammen gezählt.
Während manche dann einfach rein gehen, klopfen andere halt nur von außen an.
Tristesse seh ich eher woanders, wenn man Ins weite Rund schaut...

Hallenserin vor 4 Wochen

Bezüglich der Mittelfeldspieler stimme ich revolvere voll zu.

Ich wiederhole meine Einladung an das Trainerteam, sich das Spiel aus der Fanperspektive anzusehen. Eingang zwischen Block 18 und 19, dann links abbiegen.

Das heißt nicht, dass ich mit der Mannschaft unzufrieden bin, im Gegenteil! Das Problem gerade ist, dass wir wissen, dass die Jungs das besser können.

Banne vor 4 Wochen

Tja,irgendwie hat Magdeburg den Sieg(leider)mehr verdient gehabt!Wir haben die 1.HZ ganz gut mitgehalten,doch auch hier wieder die Chancen die wir hatten,liegen gelassen!Die 2.HZ hatte ich ein Aufbegehren von unserer Mannschaft erwartet,doch nichts.Ich hatte den Eindruck das Magdeburg den Sieg mehr wollte.Einige unserer Spieler spielten unter ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten! Ich fand das Björn,Patrick,BBB,Jan einfach die Bissigkeit für so ein Derby fehlen ließen und die Mannschaft im ganzen in der 2.HZ nie Zugriff zum Gegner so richtig bekamen!Die 2.HZ war nicht das Gelbe vom Ei.Nun gilt es ganz schnell wieder in die Spur zu finden!Am Samstag wäre ein guter Grund gegen die Löwen wieder zu zeigen was wir eigentlich drauf haben-es muss mal wieder auch ein Heimsieg her!! Unser Coach TZ wird sicher auch die richtigen Schlüsse bei der Aufstellung zum Samstag schließen!Eventuell brauchen ein paar Spieler auch mal eine Pause!Ich hoffe auch das Sebastian bald wieder spielen kann. RWG

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