Der Sponsor Sunmaker auf den Trikots vom FCM und HFC.
Ein Sponsor für alle: Das Logo von sunmaker ist auf vielen Drittligatrikots zu sehen. Bildrechte: Collage: MDR/IMAGO/Florian Leue

Trikotwerbung Sunmaker bei FCM und HFC: Ein Brustsponsor für alle

Sieben Vereine, ein Trikotsponsor: Ein Wettanbieter sorgt mit seiner offensiven Expansion in der 3. Liga für Aufsehen. Auch bei FCM und HFC wirbt das Unternehmen. Das wirft eine Reihe von Fragen auf.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Der Sponsor Sunmaker auf den Trikots vom FCM und HFC.
Ein Sponsor für alle: Das Logo von sunmaker ist auf vielen Drittligatrikots zu sehen. Bildrechte: Collage: MDR/IMAGO/Florian Leue

Wenn in gut drei Wochen die neue Saison in der 3. Liga beginnt, erleben Fußballfans ins Sachsen-Anhalt ein Novum. Denn erstmals werden der 1. FC Magdeburg und der Hallesche FC mit dem gleichen Trikotsponsor auflaufen. Genau wie Zwickau, Jena, Rostock, Münster und Mannheim. Dem Vernehmen nach könnte noch der MSV Duisburg hinzukommen, eine Bestätigung steht aber noch aus. Künftig spielen also bis zu acht der 20 Drittligavereine mit dem gleichen Sponsorenlogo auf der Brust.

Außerdem wirbt der Wettanbieter "sunmaker" bei drei Zweitligisten und beim Bundesligaaufsteiger Paderborn. Hinzu kommen Partnerschaften mit dem Handball-Bundesligist Melsungen, mit dem Magdeburger Boxstall SES Boxen und im E-Sport. Das offensive Auftreten des Portals sorgt für Aufsehen, kommt bei den Vereinen und dem DFB offenbar aber gut an.

Glücksspielwerbung? Kein Problem!

Mario Kallnik
FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Wer über Fußballwetten und Glücksspiel spricht, landet auch schnell bei Themen wie Spielmanipulation oder Spielsucht. Beim Halleschen FC und beim 1. FC Magdeburg sind sie sich dessen durchaus bewusst, sehen im Engagement ihres Sponsors jedoch grundsätzlich kein Problem. "Jeder Verein von der ersten bis zur dritten Liga hat einen Wettanbieter als Werbepartner", sagt etwa HFC-Präsident Jens Rauschenbach im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. "Warum sollten wir uns dem verschließen?" FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik ergänzt: "Für uns ist das eine sehr gute Partnerschaft."

Beide verweisen darauf, dass sich die Partnerschaft ausschließlich auf das Sportwettenportal beziehe, während Werbung für das ebenfalls zum Unternehmen gehörende Online-Casino ausgeschlossen sei. Zudem kommt von beiden Funktionären der Hinweis, dass die Aktivitäten anderer Sponsoren in der Regel auch nicht hinterfragt würden, obwohl es dafür durchaus Ansätze gäbe. Zum Beispiel beim Engagement des Automobilkonzerns Volkswagen, der durch den Dieselskandal in Verruf geraten ist, oder beim Bewerben von Biermarken.

Regionale Sponsoren können nicht mithalten

Die beiden großen Fußballvereine Sachsen-Anhalts betrachten den Wettanbieter vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive und sind dankbar für sein Engagement. Nicht zu unrecht. Denn das Unternehmen bietet dem FCM und dem HFC finanzielle Möglichkeiten, die im Trikotsponsoring in dieser Spielklasse nicht selbstverständlich sind. Der FCM bekommt in der 3. Liga etwa 400.000 Euro pro Saison. In der 2. Bundesliga dürfte es doppelt so viel gewesen sein. Der HFC erhält in dieser Spielzeit gut 325.000 Euro. Offiziell bestätigen wollen die Vereine diese Summen nicht. Die Unterschiede ergeben sich aus der unterschiedlichen Zuschauerzahl und der damit verbundenen Reichweite. 

Jens Rauschenbach (Vorstand HFC)
HFC-Präsident Jens Rauschenbach Bildrechte: imago/VIADATA

Sponsoren aus Magdeburg oder Halle können diese Summen nur bedingt aufbringen. "Das sunmaker bei so vielen Vereinen Trikotpartner ist, zeigt deutlich, dass das Angebot von sunmaker für die Trikotwerbung gegenüber den regionalen Angeboten deutlich höher steht", sagt Kallnik. Rauschenbach sieht es ähnlich, betont aber zugleich die Bedeutung der regionalen Förderer. "Wir haben insgesamt 480 Sponsoren. Gerade unsere bisherigen Hauptsponsoren – die Saalesparkasse und die Stadtwerke – unterstützen uns weiterhin in erheblichem Umfang. Wir sind also nicht abhängig von einem Partner und achten auch darauf, dass eine derartige Abhängigkeit gar nicht erst entsteht."

Tatsächlich machen Sponsorengelder etwa die Hälfte der Einnahmen beim HFC aus – gut 3,5 Millionen Euro kommen nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT so in die Kassen. Der Anteil des Brustsponsors daran beträgt also weniger als zehn Prozent. Beim FCM dürfte das Verhältnis ähnlich sein.

2021 im Blick

Natürlich unterstützt sunmaker die zahlreichen Vereine nicht aus reiner Gutmütigkeit, oder weil das Unternehmen Fußballspiele in Liga 3 so interessant findet. Hinter dem Engagement stecken klare Interessen.

Zunächst geht es darum, sich im hart umkämpften Wett- und Glücksspielmarkt zu behaupten und die eigene Bekanntheit zu erhöhen. Schließlich werden mit Online-Glücksspiel auch in Deutschland jährlich Milliarden umgesetzt. Im Gegensatz zu anderen Anbietern will das Unternehmen dabei auch direkt in den Stadien mit den Fans in Kontakt kommen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Die 3. Liga ist dabei vor allem deshalb interessant, weil die Kosten für das Sponsoring im Vergleich zur Bundesliga relativ gering sind: "In der 3. Liga können wir mit mehreren Vereinen zusammenarbeiten und somit mehr unserer Kunden abdecken. Mit einem Verein in der Bundesliga erreichen wir nicht so viele Fans wie bei zehn Vereinen in der 3. Liga", so der Sprecher. Insgesamt liegt das Sponsoringvolumen von sunmaker für alle Vereine bei geschätzt acht Millionen Euro.

Glücksspielstaatsvertrag Der Glücksspielstaatsvertrag regelt die Betriebs- und Werbemöglichkeiten von Casinos, Spielhallen und Onlineportalen. Neben der staatlichen Lotto-Gesellschaft verfügen derzeit eine zweistellige Zahl von Wettportalen über eine Konzession, also eine Betriebserlaubnis. Ohne eine solche Konzession ist das Anbieten von Glücksspielen in Deutschland verboten – theoretisch. Denn die meisten Anbieter haben ihren Firmensitz im Ausland und bieten ihre Glücksspiele online an. So können sie von deutschen Behörden nicht belangt werden. Die aktuelle Version des Glücksspielstaatsvertrags verstößt in Teilen gegen EU-Recht. Spätestens 2021 soll über eine Neuregelung des Staatsvertrags entschieden werden.

Neben den wirtschaftlichen Zielen hat das Wettportal aber auch ein politisches Anliegen. Denn mit seinem Engagement wirbt die Firma für eine Liberalisierung des Wettmarktes und möchte sich für die Änderungen beim Glücksspielstaatsvertrag in Position bringen, die 2021 anstehen. Dann läuft der bisherige Vertrag aus und viele Onlineportale hoffen, dass die bisher sehr strikten Regelungen und das staatliche Glücksspielmonopol dann deutlich gelockert werden.

Logo des 1. FC Magdeburg 75 min
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Entspannter DFB

Der DFB, unter dessen Dach die 3. Liga organisiert wird, sieht das Vorgehen des Wettanbieters entspannt. "Der Umstand, dass sich ein Unternehmen bei sieben Vereinen in einer Liga als Partner engagiert, zeigt die gestiegene Attraktivität der 3. Liga und ihre positive Entwicklung", heißt es aus der Verbandszentrale.

Eine Einflussnahme des Sponsors auf das Spielgeschehen befürchtet der DFB genauso wenig wie die beteiligten Vereine. So erklärte ein Sprecher des Verbandes: "Grundsätzlich gibt es klare Regeln, was zulässig ist und was nicht. Die reine Tatsache, dass jemand Hauptsponsor bei Verein A und bei Verein B ist, ist gemäß den Statuten nicht zu beanstanden."

Glücksspielprävention

Die Wettanbieter, die in der 3. Liga aktiv sind, weisen auf ihren Internetseiten auch auf die Gefahren von Spielsucht hin. Während die Vereine mit den Wettportalen vor allem zusammenarbeiten, um ihre Werbeflächen zu vermarkten, kümmert sich der DFB auch aktiv um Spielsuchtprävention. Dazu kooperiert er mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Zusammenarbeit. Zum Angebot der BzgA gehört auch eine Sensibilisierung über die Gefahren von Spielsucht sowie eine Erstberatung, wenn man feststellt, dass man dem Glücksspiel verfällt. Hierfür wird eine kostenlose, zweisprachige und anonyme Hotline angeboten. Die Webseiten www.spielen-mit-verantwortung.de und www.check-dein-spiel.de sind zwei umfangreiche Hilfs- und Beratungsportale zum Thema Glücksspielsucht.

Beratung und Hilfe

Wenn Sie selbst Probleme mit dem Spielen haben oder sich Sorgen um eine angehörige Person machen, wenden Sie sich an unser Beratungstelefon. Das Beratungsteam der BZgA ist unter der Rufnummer 0800-137-2700 kostenfrei und anonym erreichbar. 

Zwei Wettanbieter auf dem Trikot

Kurios: Mit bwin hat der DFB ebenfalls einen Wettanbieter als Partner. Schon in den vergangenen Jahren agierte das Unternehmen als Ligasponsor für die 3. Liga. Inzwischen wurde die Kooperation um drei Jahre verlängert und auf Nationalmannschaft und DFB-Pokal erweitert. Künftig werden viele Drittligisten also gleich zwei Logos von Wettanbietern auf dem Trikot tragen: Das von sunmaker auf der Brust und bwin auf dem Ärmel.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2019, 10:21 Uhr

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5 Kommentare

28.06.2019 15:44 Altlehrer 5

Also wie man bei dem Anbieter Casino und Sportwetten trennen will, ist mir schleierhaft. Beides läuft über ein Portal, wobei der Casinobetrieb bei sunmaker traditionell das Hauptgeschäftsfeld darstellt. Die Sportwetten machen mehr den Eindruck, eine Alibifunktion für Werbepartner zu erfüllen.

28.06.2019 11:40 Mike 4

Bleibt für die Vereine nur zu hoffen, dass alles vernünftig läuft und nicht nur eine Geldwäschemaschine läuft.....

28.06.2019 11:34 Sr.Raul 3

Korrektur: "... Bettenlager".

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