Am Stadion in Halle HFC-Fandemo: "Dass wir hier sind, nervt den DFB"

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

HFC-Fans haben am Mittwochabend in Halle neben dem Stadion demonstriert, während gleichzeitig ihr Team spielte. Es war die erste derartige Fanaktion nach der Corona-Pause. Neben dem Protest gegen den DFB ging es noch um etwas anderes: Zusammenhalt.

HFC-Fandemo
Etwa 300 HFC-Fans haben sich am Mittwochabend am Stadion versammelt. Bildrechte: MDR/ Andreas Feineis

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, es handelte sich um ein normales HFC-Heimspiel an diesem Mittwochabend. Eine Stunde vor der Partie gegen Eintracht Braunschweig herrschte auf der Straße emsiges Gewusel. Doch die Fans – etwa 300 waren es am Ende – waren nicht gekommen, um ihre Mannschaft im Stadion anzufeuern. Zuschauer sind bei Drittligaspielen derzeit bekanntermaßen nicht erlaubt. Stattdessen wollten die Anhänger ein Zeichen gegen den DFB setzen. Den hierzulande ungeliebten Fußballverband, der gegen den zähen Widerstand des HFC sowie weiterer Vereine die Saisonfortsetzung durchgesetzt hat.

Und so hatten sie kurzerhand eine Demonstration angemeldet. Direkt neben dem Stadion, eine halbe Stunde vor Spielbeginn. Zu Beginn wurde noch mal ausdrücklich auf Abstandsgebot und Maskenpflicht hingewiesen. Alsbald standen dann aber doch die meisten in kleineren Gruppen zusammen. Auch die Masken verschwanden schnell wieder in den Taschen. Man merkte den Fans an, dass sie die Gemeinschaft, die manchen von ihnen seit Jahrzehnten Halt gibt, vermisst hatten. Und so gab es dann auch viel zu erzählen.

"Fans sind fußballrelevant"

Zunächst stand jedoch tatsächlich der Protest im Vordergrund. "Fans sind fußballrelevant" war auf einem riesigen Banner zu lesen, das am Zaun gegenüber des Stadions hing. Am Marathontor wurden unfreundliche Grüße direkt an den DFB adressiert. "Dass wir heute hier sind, nervt den DFB", sagte ein Redner. Womit er wahrscheinlich recht hat. Denn die größte Sorge der Funktionäre vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Coronapause waren tatsächlich größere Fanansammlungen in Stadionnähe. Die könnten, so die Befürchtung der Verantwortlichen, den ganzen Geisterspielplan platzen lassen. Wenn nämlich die Politik infolge solcher Fanansammlungen die Erlaubnis zum Spielen wieder einkassieren sollte.

"Nur zusammen" mit Leben gefüllt

Der Fanprotest in Halle war der erste dieser Art in Deutschland. Die HFC-Fans hoffen nun, dass andere Fanszenen mit ähnlichen Aktionen nachziehen. Ihre Botschaft ist klar: "Wenn wir nicht ins Stadion dürfen, dann soll auch nicht gespielt werden."

In diesem Zusammenhang verwies einer der Redner auf das gesellschaftliche Engagement der HFC-Fans zu Beginn der Krise. Damals gab es Spruchbänder für medizinisches Personal. Auch initiierten die Fans eine Blutspendenaktion. Während der Rede gab es zudem Applaus für die HFC-Führung, die in den Augen ihrer Anhänger im Streit mit dem DFB großes Rückgrat bewiesen hat. "Nur zusammen, unser Vereinsslogan, wurde tatsächlich mit Leben gefüllt", lobte der Redner.

Fanradio gelingt ein kleiner Sieg

Als das Spiel schon etwa zehn Minuten lief, wurde auch die Übertragung des Fanradios gestartet, was die Fans als kleinen Sieg über den DFB bejubelten. Denn eigentlich müssten nach dem Hygienekonzept auch die Fanreporter draußen bleiben. Das HFC-Fanradio wehrte sich aber und schrieb sogar einen Brief an DFB-Präsident Fritz Keller.

Unterstützung kam vom halleschen Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby. Schließlich willigte der Verband ein und erlaubte die Übertragung. Vorstandsmitglied Steffen Kluge und Verwaltungsrat Carsten Böhme sprangen kurzerhand als Moderatoren ein.

Ein fast normales Heimspiel

Doch was die Fans zu hören bekamen, sorgte ziemlich schnell für Ernüchterung. Chancen für die Rot-Weißen gab es kaum. Die meisten Zuhörer schweiften bald in Gespräche mit ihren Nebenleuten ab. Manche schauten das Spiel auf ihren Handys – bei dem Bezahlsender, der in den Reden zuvor ebenfalls heftig kritisiert worden war. Zehn Minuten vor der Halbzeit erzielte Braunschweig schließlich das einzige Tor des Tages.

Die HFC-Fans glaubten nicht daran, dass ihr Team das Spiel noch drehen würde. Schon in der Halbzeit begann das Aufräumen. Und so war es am Ende dann doch irgendwie ein ganz normales Heimspiel im Jahr 2020, bei dem HFC-Fans in unschöner Regelmäßigkeit traurig nach Hause gehen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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