Badkurvenversteher | Folge 36 HFC: Das große Ismail-Atalan-Interview

Oliver Leiste
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Wegen des Coronavirus hat HFC-Trainer Ismail Atalan aktuell mehr Zeit, sein Team kennenzulernen als ursprünglich geplant. Wie nutzt er sie? Was hat er langfristig beim HFC vor? Im Podcast spricht er über seine Pläne mit den Rot-Weißen, die Trennung von seiner Familie und seinen Umgang mit Rassismus.

Logo des Halleschen FC und der Spieler Tobias Schilk 49 min
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Vor zwei Jahren war Ismail Atalan schon einmal ein Thema beim Halleschen FC. Damals lehnte er das Angebot ab. Nach seinem Job in Bochum brauchte er Zeit, um über seine Arbeit und mögliche Fehler zu reflektieren, sagt er heute. Zudem war seine Frau schwanger und die Familie gerade dabei, ein Haus zu bauen. Nun haben Verein und Trainer doch zueinander gefunden. Atalan sagt: "Die Gespräche mit Jens Rauschenbach und Ralf Heskamp haben mir ein unglaublich gutes Bauchgefühl gegeben. Es war das erste Gespräch, bei dem ich im Anschluss dachte, ok, da lohnt es sich mal, die Familie alleine zuhause zu lassen."

MDR SACHSEN-ANHALT traf den Trainer zum großen Interview. In Folge 36 des Badkurvenverstehers spricht er über ...

… abgesagte Spiele – ab Minute 1:00

In der 3. Liga wurden wegen der Corona-Epidemie zunächst zwei Spiele abgesagt. Kommt das Atalan, der den HFC erst vor zwei Wochen übernommen hat, entgegen? "Nein, eigentlich nicht", sagt er. "Denn wir hatten in den vergangenen Tagen schon eine gute Tendenz – auch im Spiel gegen Ingolstadt." Trotzdem ist er nicht traurig, nun etwas Zeit zu haben. Um das Team besser kennenzulernen und um an Details zu arbeiten.

… den Zustand der Mannschaft – ab Minute 9:00

Leistungstests, Psychologe, Athletiktrainer – in seinen ersten Wochen beim HFC hat Ismail Atalan viele Maßnahmen ergriffen, die im Trainingsalltag nicht unbedingt alltäglich sind. Dabei ging es aber nicht darum, die Arbeit seines Vorgängers Torsten Ziegner komplett in Frage zu stellen. "Ich brauche die Werte und bestimmte Voraussetzungen für die Art Fußball, die wir spielen wollen", erklärt der Trainer. Mithilfe der Leistungswerte bestimmen wir die Trainingssteuerung.

… seine Art, Fußball spielen zu lassen – ab Minute 10:30

"Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch", sagt Atalan. "Ich kann nicht zwei Fünferketten aufstellen und warten, bis der Gegner einen Fehler macht." Stattdessen soll sein Team den Gegner früh attackieren und so zu Fehlern zwingen. Die Spieler sollen ihren Kontrahenten Stress bereiten und das Spiel kontrollieren. "Die Zuschauer sollen erkennen, da ist eine Mannschaft mit einem klaren Plan auf dem Platz und den versucht sie umzusetzen. Die Leute sollen sehen, dass wir in der Woche gearbeitet haben."

Zudem fordert Atalan unbedingten Siegeswillen und gibt zu, dass er deshalb den Schiedsrichter auch manchmal nervt. "Generell geht es darum, mit sehr viel Tempo zu spielen. Ich habe eine Schwäche für schnelle Spieler. Aber ich möchte auch zu jeder Phase des Spiels einen klaren Plan haben."

HFC-Trainer Ismail Atalan mit Headset, daneben Schrift "Ismail Atalan im Interview" 49 min
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Do 12.03.2020 18:45Uhr 49:07 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/sport/hfc/podcast-hfc-ismail-atalan-interview-team-plaene-trennung-familie-rassismus100.html

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Video

… Co-Trainer Joseph Laumann – ab Minute 20:00

Co-Trainer von Ismail Atalan ist Jo Laumann – wie schon in Lotte und Bochum. "Es ist wichtig, einen Vertrauten im Verein zu haben", erklärt der Fußballlehrer. "Jeder Trainer, der in eine neue Stadt zieht, wünscht sich jemanden, der weiß, wie er tickt. Ich entscheide alles im Team – mit dem Torwarttrainer oder der sportlichen Leitung. Aber es ist wichtig, dass einer dabei ist, der sofort weiß, welche Gedanken du hast. Und ein Co-Trainer sollte immer loyal sein." Atalan hat in Laumann diese Person gefunden.

… Sebastian Mai – ab Minute 24:00

Abwehr oder Sturm – Sebastian Mai hat beim HFC schon auf vielen Positionen Akzente gesetzt. Zuletzt setzte ihn Atalan im Mittelfeld ein. "Basti ist für mich ein extrem wichtiger Ansprechpartner. Als Mensch, als Typ, als Führungsspieler ist er mir unheimlich wichtig. Ich habe selten einen Kapitän gehabt, mit dem wir uns auf Anhieb so gut verstanden haben. Seine Meinung ist mir wichtig, seine Spielintelligenz beeindruckt mich und er ordnet dem Erfolg alles unter – auch seine eigene Position." Auf Nachfrage erklärt Atalan dann, dass Jan Washausen weiterhin Kapitän bleibe. Allerdings stand der aufgrund einer Verletzung zuletzt nicht zur Verfügung.

… Zukunftsplanungen beim HFC – ab Minute 35:00

Als Trainer ist Atalan das erste Mal von seiner Familie getrennt. Ob sie im Sommer auch nach Halle zieht, ist derzeit noch offen. Für den HFC hat der Trainer dagegen schon einen klaren Plan: "Wenn wir das umsetzen können, was wir uns vorstellen, werden wir nächste Saison eine sehr erfolgreiche Runde spielen", verspricht er. Wie sich der Kader verändert, hängt in erster Linie davon ab, welche Spieler der Verein halten kann. "Wir wollen auf jeden Fall mehr Tempo in unseren Kader bekommen", so Atalan. "Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass in den vergangenen beiden Jahren vieles richtig gemacht wurde."

… Rassismus – ab Minute 40:00

"Ich bin schon als Kind mit Rassismus konfrontiert worden. Denn ich bin Kurde. Ich habe oft da Gefühl, Rassismus wird nur auf Deutschland bezogen. Aber Rassismus gibt es weltweit. Ich habe das nie verstanden. Aber ich weigere mich auch, mir darüber Gedanken zu machen. Denn das ist für mich kein Gedankengut." Deswegen liest Atalan keine Hasskommentare und versucht, rassistische Verhaltensweisen auch sonst nicht an sich heranzulassen.

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Wo der Podcast zu hören ist

Podcasts FCM und HFC
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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. März 2020 | 19:00 Uhr

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