Gedenken an die Opfer von Halle mit Banner: «ZUSSAMMEN GEGEN GEWALT RASSISMUS UND ANTISEMITISMUS»
Die Gewalttat vom 9. Oktober war auch beim Spiel gegen Meppen präsent. Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Zwischen Trauer und Ekstase Wie der HFC einen besonderen Zusammenhalt entwickelt hat

Nach emotional schwierigen Wochen sind der HFC und sein Umfeld enger zusammengerückt. In die Trauer nach dem Anschlag mischt sich eine gewisse Aufbruchstimmung, die für den Club eine große Hilfe sein kann.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Gedenken an die Opfer von Halle mit Banner: «ZUSSAMMEN GEGEN GEWALT RASSISMUS UND ANTISEMITISMUS»
Die Gewalttat vom 9. Oktober war auch beim Spiel gegen Meppen präsent. Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Es war ein denkwürdiges Wochenende beim Halleschen FC – mit Trauer, Freude und Ekstase. Mit Momenten voller Symbolik. Und einem wilden 3:3 gegen Meppen. Dabei rückte das Spiel ob der anderen Geschehnisse fast ein wenig in den Hintergrund.

13.000 Euro für Hinterbliebene gespendet 

Natürlich gab es erneut eine Schweigeminute für die beiden Opfer des Anschlags vom 9. Oktober. Die Fankurve, vor dem Spiel schwarz verhüllt, zündete zur Erinnerung an die beiden eine Kerze – bestehend aus einer Blockfahne und zwei Bengalos. Gemeinsam mit den Saale Bulls, den Wildcats und den Lions präsentierten die HFC-Spieler einmal mehr das Banner, dass die Solidarität aller Profiteams in Halle mit den Hinterbliebenen ausdrückt und sich klar gegen Rassismus und Antisemitismus ausspricht.

Anschließend überreichten die Präsidenten der Klubs einen Spendencheck. Fast 13.000 Euro sind bisher für die Angehörigen der Opfer zusammengekommen. Mit der Versteigerung der Sondertrikots, mit denen die HFC-Spieler aufliefen, soll diese Summe noch gesteigert werden. HFC-Kapitän Jan Washausen sagte anschließend: "Ich denke, mit dem heutigen Tag haben wir das insgesamt recht gut aufgearbeitet und noch mal gezeigt, dass die Stadt Halle und auch alle Sportler zusammenhalten. Da war das heute sicher ein schöner Abschluss." 

Fanhaus wiedereröffnet

Eröffnung HFC-Fanhaus
Gute Stimmung bei der Wiedereröffnung des HFC-Fanhauses Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Am Abend zuvor war das Fanhaus gegenüber des Stadions nach zwei Jahren Pause mit einem Fest offiziell wieder eröffnet worden. Und auch dort spielte die Trauer nach dem Anschlag eine wichtige Rolle. Einer der Räume wurde kurzerhand zu einem Gedenkschrein umfunktioniert. Dort hängen mehrere Bilder der Verstorbenen und ein Spruchband mit ihren Namen. Kerzen zeigen, dass dies ein Ort des Erinnerns ist.

Doch natürlich wurde nicht nur getrauert, sondern auch gefeiert. Ein Teilnehmer berichtete mit leuchtenden Augen davon, wie sich früher an Spieltagen hunderte Menschen in und um das Gebäude drängelten. Ganz so viele waren es am Freitag nicht. Dennoch war die Stimmung ausgelassen. Genau so, wie es sich Mary Scholz, die als Leiterin des Fanprojekts auch im Fanhaus die Verantwortung trägt, erhofft hatte: "Das Fanhaus soll ein Ort zum Arbeiten und für Projekte sein. Aber auch ein Ort, wo die Fans feiern und zusammen Spaß haben. Ich hoffe, dass das Haus bald wieder ein Zuhause für viele HFC-Anhänger wird."

Eine Tür für den Zusammenhalt

Eröffnung HFC-Fanhaus
Die Tür ist zurück im Fanhaus - eine große Geste des Zusammenhalts Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Mit diesem Anliegen scheint Scholz auf einem guten Weg zu sein. Denn später am Abend überreichten ihr einige Vertreter der Saalefront eine mit Aufklebern übersähte Tür. Diese hatten die Ultras vor einigen Jahren aus dem Fanhaus entfernt – kurz bevor das Gebäude nach dem Streit mit Oberbürgermeister Bernd Wiegand geschlossen wurde.

Ein Vertreter der Ultras erklärte in einer Ansprache: "Dass wir die Tür – unsere Tür – nun zurückgeben, ist ein Zeichen, dass wir uns hier auch bald wieder heimisch fühlen wollen." Fanprojektleiterin Scholz war zu Tränen gerührt.

Von all diesen Aktionen geht eine klare Botschaft aus: Beim Halleschen FC rücken sie zusammen. Einerseits wegen des Anschlags, klar. Aber auch wegen der guten sportlichen Entwicklung, die die Mannschaft in den vergangenen Monaten genommen hat. Dass Präsident Jens Rauschenbach und Sportdirektor Ralf Heskampf ebenfalls auf der Eröffnungsfeier zugegen waren, verfestigt diesen Eindruck.

Eine seltsame Mischung

Und so spürt man beim HFC derzeit eine seltsame Mischung zwischen Trauer und Ekstase, die sich auch ins Stadion überträgt. Denn nach der Schweigeminute begannen die HFC-Fans ungewohnt dynamisch ihre Mannschaft zu unterstützen. Ein Umstand, den auch die Spieler bemerkten, berichtet Kapitän Washausen: "Das Spiel stand unter einem besonderen Aspekt. So eine Schweigeminute bringt natürlich immer auch eine besondere Emotionalität. Nach dieser Stille merkt man die Unterstützung dann noch extremer. Und heute das sehr viel Spaß gemacht."

Irgendwie passte dann auch das Spiel zur aktuellen Stimmungslage. Der HFC begann begeisternd und führte nach 20 Minuten 2:0. "Doch dann waren wir zu euphorisch und wollten die nächsten Tore nachlegen. Dabei haben wir die Absicherung nach hinten aber völlig vernachlässigt", analysiert Washausen. Die Folge: Meppen kam innerhalb weniger Minuten zum Ausgleich. Auch eine Überzahl und die erneute Führung nutzen dem HFC nichts, denn die Gäste konnten per Elfmeter erneut ausgleichen. So überwog am Ende der Ärger bei den Rot-Weißen.

Als Tabellenführer nach Magdeburg

Trotzdem fährt der Hallesche FC nächste Woche als Tabellenführer nach Magdeburg. Ein Umstand, den vor der Saison sicher nur wenige vorausgesagt hätten. Für die HFC-Spieler ist es nun allmählich an der Zeit, die Ereignisse vom 9. Oktober hinter sich zu lassen, weiß Jan Washausen: "Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert und wir jetzt gemeinsam positiv in die Zukunft schauen können. Und uns alle eher auf Sport konzentrieren können." Der Zusammenhalt, der sich in den vergangenen Wochen im Verein entwickelt hat, kann dabei eine wichtige Stütze werden.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2019, 15:59 Uhr

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