Tor zum 1:2 für München durch Lars Lukas Mai (Bayern München II) im Spiel des HFC Hallescher FC vs. FC Bayern München II.
Das entscheidende Gegentor gegen Bayern: Nach einem Fehler von Eisele trifft Lars Lukas Mai Bildrechte: imago images / VIADATA

Niederlage gegen Bayern Mehr Konzentration bitte, Hallescher FC!

Leidenschaft und Wucht zeichnen die aktuelle HFC-Mannschaft aus und begeistern die Fans. Doch weil manchmal die Konzentration fehlt, stimmten zuletzt die Ergebnisse nicht. Eine Einschätzung.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Tor zum 1:2 für München durch Lars Lukas Mai (Bayern München II) im Spiel des HFC Hallescher FC vs. FC Bayern München II.
Das entscheidende Gegentor gegen Bayern: Nach einem Fehler von Eisele trifft Lars Lukas Mai Bildrechte: imago images / VIADATA

Sebastian Hoeneß wählte große Worte, um den Halleschen FC zu loben: "Für mich ist Halle bis jetzt die beste Mannschaft. Mir gefällt, wie sie spielen", sagte er auf der Pressekonferenz nach der HFC-Partie gegen die FC-Bayern-Amateure. Und ergänzte: "Es ist eine gute Mischung aus Männerfußball, Robustheit und Mentalität. Aber sie wollen auch Fußball spielen."

Dem Bayerntrainer fiel es leicht, anerkennende Worte für die Gastgeber zu finden, schließlich hatte er gerade mit seiner Mannschaft 2:1 gewonnen. Seinem Gegenüber Torsten Ziegner dürften derweil die Ohren geschlackert haben. Denn schon nach der Niederlage gegen Uerdingen hatte er erklärt, es leid zu sein, Applaus zu bekommen, wo er und sein Team viel lieber Punkte hätten.

Ausgeglichene Bilanz

Mittlerweile sind in dieser Saison zwei weitere Niederlagen dazu gekommen. Vergangene Woche im DFB-Pokal gegen Wolfsburg und nun eben jene gegen die Bayern. Dem gegenüber stehen drei Siege in der Englischen Woche Anfang August. Eine ausgeglichene Bilanz also. Und so langsam zeichnet sich ab, wofür der Hallesche FC aktuell steht. Aber man sieht auch, warum die bisherige Ausbeute mit Anspruch und Aufwand noch nicht übereinstimmt.

Die Rot-Weißen sind eine Mannschaft, die das Spiel selbst bestimmen will. Im Gegensatz zu vielen anderen Drittligisten versuchen sie, überwiegend flach aufzubauen. Mit ihrem hohen Pressing gelingt es immer wieder, den Gegner unter Druck zu setzen. Durch seine körperliche Spielweise und enormes Tempo entfacht der HFC eine Wucht, die nur schwer zu verteidigen ist. Viele Chancen sind die Folge. Und weil sich das Team auch bei Rückständen nicht hängen lässt, sind die Fans begeistert. Auch deshalb kamen mehr als 10.000 am Montag gegen Bayern.

Konzentration und Genauigkeit fehlen manchmal

Die meisten von ihnen gingen – zumindest auf das Ergebnis bezogen –  enttäuscht nach Hause. Das lag jedoch nur teilweise an den Bayern, sondern vor allem am HFC selbst. Denn der Mannschaft fehlt es mitunter noch an Konzentration und Genauigkeit und auch am Gespür, die enorme Power richtig zu dosieren. Dafür finden sich gleich mehrere Beispiele.

Das auffälligste war in den vergangenen Spielen Kai Eisele. Der Torwart unterlief gegen Chemnitz eine Flanke. Gegen Wolfsburg und Bayern ließ er Bälle nach vorne abprallen und verschuldete so jeweils ein Gegentor – am Montag war es das entscheidende.

Die Fehler sind in der Häufigkeit ungewöhnlich für den Torhüter, der im vergangenen Jahr in fast jedem zweiten Spiel ohne Gegentor blieb und sich dabei zum sicheren Rückhalt entwickelte. Ziegner stärkt Eisele trotzdem den Rücken und verweist darauf, dass alle anderen Spieler auch Fehler machen würden: "Nur führen die nicht immer sofort zum Gegentor."

Kwasi Okyere Wriedt (FC Bayern II) (l.), Sebastian Mai (HFC) (r.)
Dem zweiten Bayern-Tor voraus ging ein Foul von Sebastian Mai. Zuletzt kassierte der HFC immer wieder Gegentreffer über die rechte Seite. Bildrechte: imago images / Eibner

Washausen: "Müssen Räume besser nutzen"

Viel mehr stört den Trainer, dass die Gegner zuletzt öfter nach Defensivstandards zu Toren kamen. "Es geht immer wieder um das Thema Fokus auf die jeweilige Situation. Wenn wir den, mit unserer Art und Weise zu spielen, nicht haben, bekommen wir Probleme." Bezogen auf die Abwehr bedeutet das, eine klare Zuordnung einzuhalten. Aber auch, wach zu sein, um Abpraller blocken oder klären zu können. Bayern gelang genau das, weswegen der HFC aus vergleichbaren Szenen kein Kapital schlagen konnte.

Gegen Wolfsburg kassierte Halle drei der fünf Gegentore nach eigenen Treffern. Auch hier monierte der Trainer, dass sein Team jeweils für ein paar Momente nicht konzentriert genug war. Umgekehrt lassen sich auch im Angriff immer wieder genau diese Ungenauigkeiten beobachten. "Wir hätten Räume besser nutzen können. Die Bälle, die wir hereingespielt haben, sind oft nicht über den ersten Pfosten hinausgekommen", hat Jan Washausen, der am Montag seinen ersten Saisoneinsatz absolvierte, festgestellt.

Mitunter vermisste er auch eine gewisse Cleverness. Trainer Ziegner sah sein Team mitunter im Mittelfeld "nicht wach genug". Und monierte: "Uns fehlte die Akribie im Angriffsdrittel. Wir haben die Angriffe nicht verantwortungsvoll genug ausgetragen, um Tore zu erzielen."

Toni Lindenhahn (HFC) scheitert an Christian Früchtl (Torwart, Bayern München II) im Spiel des HFC Hallescher FC vs. FC Bayern München II.
Der kleine Unterschied: Auch Bayern-Torwart Christian Früchtl ließ mehrfach Bälle nach vorne abprallen. Der HFC konnte das aber nicht nutzen. Bildrechte: imago images / VIADATA

Der nächste Schritt

Zusammengefasst: Unaufmerksamkeiten in der Defensive und Ungenauigkeiten im Angriff machen dem HFC das Leben mitunter schwer. Hinzu kommt der Umstand, bisweilen zu viel zu wollen. Wie beim Spiel gegen Uerdingen. Oder in der Phase nach 1:2 gegen Bayern. "Da waren wir dann zu hektisch. Wir wollten schnell den Ausgleich machen. Da fehlt die Ruhe, wieder in unser Spiel zu finden", hat Torsten Ziegner erkannt.

Deshalb gibt er die Richtung vor: "Uns muss jetzt mal gelingen, mit der Qualität, die wir glauben zu haben, viel mehr Ruhe und Klarheit in unser Spiel zu bekommen – gerade in der Offensive." Es ist der nächste Schritt, den der Hallesche FC nun gehen muss, um kontinuierlich Spiele zu gewinnen. Und um die Fans auch in Zukunft zu begeistern.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 20:36 Uhr

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