Schnorrenberg übernimmt von Atalan Beim HFC hilft nur noch Beten

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Mit Florian Schnorrenberg übernimmt der dritte Trainer in dieser Saison das Ruder beim Halleschen FC. Eigentlich spricht alles gegen ihn und vor allem gegen sein Team. Ideale Voraussetzungen also, es trotzdem zu versuchen. Ein Kommentar.

Neuer Trainer für die letzten 8 Spieltage des HFC ist Florian Schnorrenberg und Co-Trainer ist Daniel Ziebig
Florian Schnorrenberg folgt beim HFC auf Ismail Atalan. Bildrechte: imago images/VIADATA

Florian wer? Das war mein erster Gedanke als ich den Namen des neuen HFC-Trainers am Montag zum ersten Mal las. Schnorrenberg. Florian Schnorrenberg, also. Doch eine kurze Recherche trug nicht unbedingt dazu bei, die Verwunderung beiseite zu schieben. Oder gar optimistisch auf die nächsten Wochen beim Halleschen FC zu blicken. Der 43-Jährige war bislang vor allem im Amateurfußball unterwegs. Fünf Jahre lang trainierte er TuS Erndtebrück. Überwiegend in der Oberliga, aber zumindest zwei Spielzeiten lang auch in der Regionalliga West.

Hinzu kommen 25 Spiele als Verantwortlicher von Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga. Dort erreichte er einen Punkteschnitt von 1,12. Während der Saison gekommen, wurde er zwei Spieltage vor Saisonende gefeuert. Weil die Verantwortlichen im Süden um den Klassenerhalt fürchteten. Profi-Erfahrung sieht anders aus. Dieser Schnorrenberg soll den HFC also zum Klassenerhalt führen. Nun ja.

Spiele im Drei-Tages-Rhythmus

Doch die ersten Intervieweindrücke waren zumindest positiv. Der neue Coach wirkt lebhaft, die Ansprache ist klar. Vielleicht also genau der richtige in der aktuellen Situation. Denn groß trainieren kann der Coach mit seinem Team ohnehin nicht. 30 Stunden nach seinem Amtsantritt steigt das erste Spiel gegen Mannheim. Ein Spitzenteam der 3. Liga, das vor allem in Auswärtsspielen regelmäßig punktet. Schnorrenberg hofft, dass sein Team gegen Waldhof eine gute Leistung zeigt. Und daraus vielleicht den Mut schöpft für die sieben Spiele danach.

Im Drei-Tages-Rhythmus folgen die nächsten Partien. Spielen, regenerieren, Bus fahren, wieder spielen – das ist der Takt für die drei Wochen, in denen es für den Halleschen FC darum geht, den Absturz in die Regionalliga zu verhindern. In der Zwischenzeit kann Schnorrenburg eigentlich nur Kopfarbeit leisten und motivieren, dran zu bleiben. Sofern die Spieler es schaffen, nach Monaten des Absturzes mal wieder so etwas wie eine Einstellung zu ihrem Job zu entwickeln.

Mannschaft braucht Ziebig-Fähigkeiten

Assistiert wird Schnorrenberg von Daniel Ziebig. Ohne den beiden zu nah treten zu wollen, war wahrscheinlich finanziell gar nichts anders möglich. Weder bei Ziebig, der zuvor als Trainer im HFC-Nachwuchs aktiv war, noch bei Schnorrenberg. Schließlich stehen mit Torsten Ziegner, Michael Hiemisch, Ismail Atalan und Joseph Laumann noch vier Trainer zusätzlich auf der Gehaltsliste. Und sie alle dürften in anderen finanziellen Sphären unterwegs gewesen sein als das jetzige Gespann.

Doch es passt auch ins Bild, dass der Verein in dieser Notlage auf seinen Ex-Kapitän Ziebig zurückgreift. Ziebig war schon als Spieler keiner, der sich nach Außen unnötig den Kopf zerbrochen hat. Fußballerisch nicht unbedingt begnadet, schaffte er es mit Leidenschaft und Willen bis in die Bundesliga. Auch in seinen späten Jahren beim HFC konnte man sich auf "Ziebe" stets verlassen. Vor allem wenn es ungemütlich wurde. Mit seiner Spielweise ging er manchem Gegner unfassbar auf die Nerven – und half so seinem Team. Genau diese Eigenschaften wird der HFC brauchen, wenn er im Abstiegskampf bestehen will. Und Ziebig soll sie der aktuellen Generation in Rot-Weiß vermitteln, gemeinsam mit Florian Schnorrenberg. Doch zaubern können auch sie beide nicht, das ist klar.

Daniel Ziebig
Daniel Ziebig ist neuer Co-Trainer beim HFC. Zuvor war als Spieler und Nachwuchstrainer für Rot-Weiß aktiv. Bildrechte: imago images / VIADATA

Bei Abstieg droht ein Scherbenhaufen

Bei einem Abstieg droht dem HFC ein Scherbenhaufen. Zehn Jahre Entwicklung wären auf Schlag weitgehend zunichte gemacht. Die seit November andauernde Negativentwicklung macht wenig Hoffnung, dass der Klassenerhalt noch möglich ist. In dieser Zeit stürzte das Team von den Aufstiegsrängen in den Tabellenkeller. 13 Mal in Folge blieb der Hallesche FC sieglos und erlebte zuletzt ein Debakel nach dem anderen.

Doch zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es doch noch. Im Hinspiel gegen Mannheim war der HFC auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Und anschließend Tabellenführer. Viele waren sicher, an jenem Tag einen kommenden Aufsteiger gesehen zu haben. In der folgenden Partie gegen Meppen kippte das Momentum und der Absturz begann.

Ein Dreivierteljahr später stehen wieder die Spiele gegen Mannheim und Meppen an und der der Hallesche FC sieht im Vorfeld aus wie ein sicherer Absteiger. Und auch wenn sehr, sehr wenig daraufhin deutet: Vielleicht ist das der Moment, in dem das Pendel wieder in die andere Richtung umschlägt. Alle, die es mit dem HFC halten, sollten beten, dass es so ist.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Juni 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

MikeS vor 8 Wochen

... das glauben sie nicht wirklich? Das Pendant werden Sie in Jena erleben, die Balltreter glauben wirklich, die haben Drittliga-Niveau und das ist beim HFC nicht anders. Die meisten werden das Schiff verlassen, wenn es gesunken ist. Den meisten ist es doch egal, was später kommt - die können oft nichts anderes als Fußballspielen!

Ronald A. vor 8 Wochen

Wenn der Verein tatsächlich 10 Jahre zurückversetzt wird...
Das haben die 240 000 Einwohner der Stadt Halle und alle außen herum die den Verein sympathisieren, nicht verdient. Ich hoffe viele Spieler sagen von sich aus dass sie bleiben wollen. Sie haben uns das eingebrockt und sie holen uns da bitte wieder raus. #Nurzusammen

Ronald A. vor 8 Wochen

Ein sehr verletzende Artikel. Gerade für HFC Fans. Beim Gang in die Regionalliga wird man nie wieder in den Profifußball zurückkehren können... Rot Weiß Erfurt 2.0. So viel Pech kann kein anderer Verein haben. NUR DIE HFC FANS ERLEBEN IMMER NACH JAHREN DER HOFFNUNG EINEN ABSTURZ

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