Blamage im Landespokal Warum das Projekt Ziegner beim HFC jetzt wackelt

Oliver Leiste
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Nach dem Landespokal-Aus steckt der Hallesche FC tief in einer Krise, in die er sich über Monate selbst hinein manövriert hat. Das wirft Fragen auf, die nicht mehr der Trainer beantworten muss. Eine Einschätzung.

Ralf Heskamp, Torsten Ziegner und Jens Rauschenbach
Im November verlängerte Torsten Ziegner (Mitte) seinen Vertrag beim HFC. Doch von der guten Stimmung damals ist nicht viel geblieben. Bildrechte: imago images/VIADATA

Die Enttäuschung war riesig nach dem Aus des Halleschen FC im Landespokal. Mit 1:2 unterlag die Mannschaft von Torsten Ziegner am Abend in der Verlängerung Germania Halberstadt. "Ich bin sauer", sagte der Trainer anschließend. "In den letzten Wochen haben wir aus verschiedenen Gründen Spiele verloren. Manchmal haben wir unsere Chancen nicht genutzt, in anderen Spielen – wie gegen Köln – waren wir hinten zu offen. Aber heute hat die Einstellung zum Spiel komplett gefehlt. Das ist etwas, was mir total wehtut. Weil es nicht zu Mannschaften passt, die ich trainiere."

Die Niederlage ist der vorläufige Tiefpunkt einer monatelangen Negativentwicklung beim HFC. 2020 gingen alle drei Pflichtspiele verloren. Zählt man die Zeit vor der Winterpause mit, sind es aktuell sechs Spiele in Serie ohne Sieg. Und seit Mitte September gewann der HFC von 14 Ligaspielen gerade mal drei. Die Aussage von Ziegner lässt zudem alle Alarmglocken schrillen. Genau wie vor Weihnachten, als er davon sprach, dass der HFC aktuell nicht in der Lage sei, Spiele zu gewinnen. Von solchen Sätzen ist es nur ein kleiner Schritt zu der oft zitierten Phrase "der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr", die gerne als Begründung für den Rauswurf von Übungsleitern genutzt wird. Oft ohne das klar ist, was damit wirklich gemeint ist.

Ist die einfache Lösung die richtige?

Die Punkteausbeute der vergangenen Monate und die Aussagen hätten bei anderen Vereinen schon längst gereicht, den Trainer zu tauschen. Doch ist auch beim HFC die einfache Lösung die richtige? Womöglich liegen die Ursachen tiefer.

Blick zurück in den Herbst: Nach einem fulminanten Saisonstart mit sechs Siegen aus acht Spielen steht der HFC ganz oben in der Tabelle. Doch schon Ende September gerät die Maschine ins Stocken. Zunächst jedoch schleichend. Drei Heimunentschieden gegen Münster, Zwickau und Meppen belegen das. Gerade das Spiel gegen Meppen, als der HFC leichtfertig und übermütig den Sieg verschenkte, gilt als Knackpunkt der Saison. Anschließend werden die Probleme offensichtlich. Es folgen Niederlagen gegen Magdeburg und 1860 München. Mal ist es fehlende Überzeugung, mal sind es die Probleme im Umschaltspiel, die den Ausschlag geben. Genau in diese Zeit fällt auch die Vertragsverlängerung mit Ziegner und seinem Trainerkollegen.

Spieler von Halberstadt trifft zum zwei zu eins gegen den Halleschen FC. 1 min
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Alles auf den Kopf gestellt

Auf der Mitgliederversammlung Mitte November ermahnt Präsident Jens Rauschenbach Ziegner und die Mannschaft eindringlich, bald wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren. Im Hintergrund wird da längst alles auf den Kopf gestellt. Das Trainerteam analysiert  sämtliche Trainingspläne und sucht die Ursache für die Misere. Fehlende Defensivstabilität wird als einer der Hauptgründe erkannt. Die Folge: Beginnend mit dem Spiel gegen Jena wird die Taktik umgestellt. Weg vom offensiven, aber risikoreichen Powerfußball hin zu mehr Sicherheit.

Doch auch die defensivere Ausrichtung bringt nur kurzzeitig Besserung. Offensiv geht in den Wochen vor Weihnachten nicht mehr viel beim HFC. Was auch daran liegt, dass viele Spieler längst nicht mehr in der Form sind, die sie zu Beginn der Saison hatten. Als Beispiele seien hier Baxter Bahn, Patrick Göbel oder Björn Jopek genannt, doch die Liste ließe sich beliebig erweitern.

Richtige Schlüsse gezogen

In der Winterpause ziehen sie beim HFC die – von außen betrachtet – richtigen Schlüsse. Der Defensivfußball liegt der Mannschaft nicht. Stattdessen soll wieder die offensive Spielweise gezeigt werden, die den Club zu Saisonbeginn, und auch in der Vorsaison auszeichnete. Die Eindrücke in der Vorbereitung zeigen, dass dies gelingen könnte. Mit drei neuen Spielern sollen zudem die Schwächen der anderen ausgeglichen werden.

Doch der Plan geht bislang nicht auf. Der Auftakt gegen Hansa Rostock misslingt. Gegen Köln setzt Ziegner dann offensiv alles auf eine Karte, scheitert aber erneut an den defensiven Schwächen seines Teams. Man kann dem Trainer wahrlich nicht vorwerfen, dass er nicht reagiert oder verschiedenes probiert hat.

Keine Maßnahme greift

Stand heute hat aber keine seiner Änderungen funktioniert – und das über Monate. Deshalb liegen die nächsten Schritte nicht mehr in seiner Hand. Beim HFC müssen nun Sportchef Ralf Heskamp und das Präsidium um Präsident Rauschenbach entscheiden, was die Ursache dafür ist. Ist der Trainer Schuld? Erreicht er die Spieler also tatsächlich nicht? Dann müsste ein anderer her.

Oder liegt es doch eher an den Spielern?

Schon im letzten Jahr zeigte sich, dass viele von ihnen mit der Erwartungshaltung an ein Spitzenteam nicht unbedingt umgehen können. Dieser Eindruck bestätigt sich in dieser Saison. Eventuell hat der gute Saisonstart den einen oder anderen aber auch verleitet, etwas leichtsinnig oder überheblich zu werden. Womöglich hat der HFC also tatsächlich ein Kopfproblem, so wie es immer mal wieder von den Verantwortlichen angesprochen wurde. Das zu beheben, wenn es nicht läuft, ist schwierig.

Bentley Baxter Bahn gegen Albion Vrenezi
Baxter Bahn (vorn) gehörte beim HFC lange zu den Leistungsträgern. In den letzten Monaten konnte er aber kaum noch Akzente setzen. Bildrechte: imago images / VIADATA

Über dem Niveau gespielt

Vielleicht sind die Spieler aber auch einfach nicht so gut, wie man bislang dachte. Schaut man auf die Vita der Kicker im Kader, findet man kaum einen, der sich oberhalb der 3. Liga wirklich behaupten konnte. Es ist durchaus möglich, dass ein paar von ihnen eine Zeit lang über ihrem normalen Niveau gespielt haben und nun wieder das zeigen, was man tatsächlich von ihnen erwarten kann.

Dass im Winter gleich drei Neue kamen, ist ein Indiz dafür, dass die Verantwortlichen zu einem ähnlichen Schluss gekommen sind. Doch Marcel Hilßner und Janek Sternberg waren zuvor Reservisten, Anthony Syhre sogar vereinslos. Von ihnen also sofort Wunderdinge zu erwarten, wäre übertrieben.

HFC ist vorbereitet

Schnellschüsse soll es nicht geben, hört man aus dem Vereinsumfeld. Wenn man die Spieler als Hauptproblem erkennt, wird man die Mannschaft im Sommer umbauen. Zahlreiche Verträge laufen ohnehin aus. Liegt die aktuelle Misere doch am Trainer, wird der HFC reagieren. Vertrag hin oder her. Schon vor der Verlängerung mit Ziegner, die sich über vier Monate zog, beschäftigte sich der Verein mit etwaigen Nachfolgern. Man wäre also keinesfalls unvorbereitet.

Beides sind aber eher langfristige Lösungen. Kurzfristig sind jetzt die Spieler gefordert, um in Chemnitz zumindest wieder die richtige Einstellung zu zeigen. Zum Spiel, der zugleich ihr Beruf ist. Und vielleicht auch zu ihrem Trainer.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Februar 2020 | 06:30 Uhr

19 Kommentare

Zwickauer1 vor 43 Wochen

Die Situation um TZ ist eingetreten wie ich es nach dem Vereinswechsel befürchtet habe.
Kritik erspare ich mir.
Die Lage spricht für sich.
In Rußchams in dieser Verfassung wird es schwer.
Aber Hauptsache TZ hat den nächsten Schritt gemacht.

peter1. vor 43 Wochen

Es war doch schön im MDR LIVESTREAM beim Pokalspiel in Halberstadt die WELTMEISTER des FEHLPÄSSES aus HALLE also live zusehen. Hätte der HFC souverän gewonnen,wäre das sowas von langweilig gewesen,weil die Weltmeister der Fehlpässe dann unverdient gewonnen hätten.

revolvere vor 43 Wochen

boyds zeit liegt ne weile zurück. er ist fussballmässig in austria gross geworden. hier in deutschland hört man immer nur leipzig bulls. seine beste zeit hatte er wohl mit rapid wien, mit sabitzer und burgstaller ... ja, das ist lange her. ich habe damals in münchen gewohnt und mir die österreichische liga im tv anschaun können. daher kenne ich ihn schon. gruss

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