Klaus Mack, Lothar Richter (m.) und Armin Angelus von Turbine Halle.
Klaus Mack (77), Lothar Richter (72) und Armin Angelus (70) von Turbine Halle. Bildrechte: MDR/Marco Pahl

Turbine Halle Marathonis: Die skatenden Senioren

Seit 40 Jahren ist man in Halle völlig von der Rolle. 1978 wurde im damaligen Stadtbezirk Halle-West eine Kindergruppe für Rollschuhlaufen gegründet. Mit dem Ziel, talentierte Kinder für die medaillenträchtige Sportart Eisschnelllauf zu gewinnen. Mittlerweile sind aus den Rollschuhen von damals hochwertige, carbonhaltige Inlineskates geworden. Und die Nachwuchsfahrer vom Speedskatingverein Turbine Halle international sehr erfolgreich. Aber was der Verein seit Jahren im Seniorenbereich leistet, ist in Sachsen-Anhalt nahezu einmalig.

von Marco Pahl, MDR SACHSEN-ANHALT

Klaus Mack, Lothar Richter (m.) und Armin Angelus von Turbine Halle.
Klaus Mack (77), Lothar Richter (72) und Armin Angelus (70) von Turbine Halle. Bildrechte: MDR/Marco Pahl

"Dann bin ich halt im Supermarkt mit den Dingern meine Proberunden gefahren", lacht Klaus Mack herzlich über seine eigene kleine Anekdote, die den 77-jährigen zurück ins Jahr 2003 führt.

Vor 15 Jahren hatte sich der rüstige Rentner in einem großen deutschen Discounter seine ersten Inlineskates gekauft. "Für 35 Euro. Zur Probe bin ich dann zwischen den Regalen ein paar Runden gekurvt, musste die Teile ja irgendwie ausprobieren." Die Skates von damals sind mittlerweile genauso verstaubt, wie die damaligen Fahrkünste des ehemaligen Ingenieurs, den es nach dem Studium 1967 von Thüringen nach Halle zog. Heute kurvt Klaus Mack mit bis zu 50 Sachen in der typischen, gebückten Skater-Haltung über die Trainingsbahn von Turbine Halle.

Erfolgreiche "Marathonis"

Es ist sein Verein, und seine "Marathonis" – 15 Senioren zwischen 30 und 80 Jahren, die Langstrecken lieben – seine zweite Familie, die noch dazu sehr erfolgreich unterwegs ist. Bei den Deutschen Meisterschaften in Bielefeld Anfang September wurde Mack in seiner Altersklasse deutscher Vizemeister. Der zweitälteste Turbine-Skater, der 72-jährige Lothar Richter, wurde sogar Ü70-Meister.

Rollschuhe aus den 1970er-Jahren und moderne Inlineskates.
Sportgeräte im Laufe der Zeit: Links klassische Rollschuhe, rechts moderne Inlineskates. Bildrechte: MDR/Marco Pahl

Früher ist der ehemalige Leichtathlet Mack gerne gejoggt, "aber das Stauchen der Gelenke durch den harten Untergrund war nichts mehr für mich. Da schont die Bewegung beim Skaten die Gelenke schon viel besser. Außerdem kann man sehr viel für die Ausdauer und auch für die Balance tun. Das ist ja gerade bei uns Senioren ein wichtiges Thema."

Rollen ist sein Leben

Zweimal in der Woche dreht Mack, der im Mai 1941 im Sudentenland geboren wurde, mit seinen "Marathonis" auf der Trainingsbahn an der Auenschule seine Runden. Trainiert und fachkundig angeleitet wird die Gruppe von Petra Strüver, einer ehemaligen international erfolgreichen Inlineskaterin. Sie ist fasziniert vom Schwung und Elan ihrer "Oldies", der Ehrgeiz vom ältesten lässt sie manchmal aber auch verzweifeln. "Klaus fährt ja jeden Tag, ob Fahrrad oder Inliner, Hauptsache es rollt. Er fährt natürlich auch im normalen Verkehr, was ich gar nicht so gern sehe. Aber es ist nun mal sein Leben", so die Frau, die 1980 die Abteilung Rollsport bei Turbine Halle ins Leben gerufen hat.

Helene Milling und Klaus Mack von Turbine Halle.
Zwei Generationen von Turbine Halle: Helene Milling (18) und Klaus Mack (77). Bildrechte: MDR/Marco Pahl

Manchmal dreht auch die Jugendabteilung von Turbine Halle zusammen mit den Senioren ihre Runden. Die 18-jährige Helene Milling, selbst schon mehrmalige Bronze-Medaillengewinnerin mit deutschen Staffeln bei Junioren-Europameisterschaften, sieht die ältere Generation bei einigen Sachen sogar leicht im Vorteil, denn "gerade was den Ehrgeiz angeht, da bewundere ich unsere Senioren. Ich muss mich manchmal mehr zum Training motivieren, als unsere Älteren", lacht die Studentin, "aber ich würde auch gerne bis ins hohe Alter so fit auf meinen Skates stehen." Eine Steilvorlage für Klaus Mack, der schelmisch ergänzt:

Wir sagen dazu, turne bis zur Urne.

Klaus Mack,

Nicht viel zu lachen haben die Vereinsmitglieder, wenn sie an ihre asphaltierte Trainingsstrecke denken, die unter großer Anstrengung im Jahr 2004 saniert wurde. Jetzt sind wieder Risse deutlich erkennbar, die auch das Training selbst gefährlicher werden lassen. "Dabei ist unser Sport trotz der Schnelligkeit nicht allzu gefährlich", so Mack. "Brüche sind selten, aber Schürfwunden kommen nach Stürzen schon mal vor."

Langsam wird es dunkel an der Auenschule. Ohne Flutlicht wird im Sommer bis zum letzten Sonnenstrahl gefahren. Und Klaus Mack nutzt natürlich jede Sekunde bis zum Sonnenuntergang für seinen Lieblingssport.

Quelle: MDR/fl

Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 09:46 Uhr

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